Islamisches Friedenszentrum: Rückblick
Im Fokus: Sechs Jahre ehrenamtliche Arbeit

Ein jeder Mensch ist herzlich willkommen: Islamisches Friedenszentrum
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Braunau. Das Islamische Friedenszentrum Braunau besteht seit 2012 und blickt auf sechs Jahre aktive Arbeit zurück. Erfolge, aber auch große Herausforderungen hat der Jurist Abdelrahman Ashraf, der seither im Verein ehrenamtlich als Seelsorger tätig ist, miterlebt.

Die Idee, den Verein zu gründen, kam damals von ihm. Heute ist der gebürtige Ägypter nicht nur der Seelsorger, sondern auch stolzer Obmann des Vereins. „Ohne dem tollen Team, das in guten und in schlechten Zeiten stark zusammengehalten hat, wäre der Verein nicht das, was er heute ist!“, betont Abdelrahman und spricht von den aktiven, ehrenamtlichen Mitarbeitern im Verein. Ziel des Vereins ist stets, mit und für die Gesellschaft zu arbeiten und für das liebevolle Miteinander einen Beitrag zu leisten. Muslimen wird das moderate Verständnis des Islams näher gebracht, in der Gesellschaft sollen Vorurteile abgebaut werden – zwei der wichtigsten Ziele.
Das moderate Verständnis des Islams vermittelt der Seelsorger Abdelrahman Ashraf, der neben seinem Jurastudium auch Islamwissenschaft studiert hat. „Es existieren leider sehr, sehr viele Vorurteile über den Islam auch innerhalb der muslimischen Community, wodurch man als Andersgläubiger natürlich schnell ein verzerrtes Bild vom Islam erhält.“, weiß der Seelsorger. Seine zentrale Message lautet: „WIR sind ALLE Geschwister in der Menschlichkeit, ganz gleich ob und welche Religion, Kultur, Aussehen oder Herkunft!“. „Wenn man dies als Grundsatz aller Einstellungen im Herzen trägt, gelingt das liebevolle Miteinander zu 100%“, ist sich der Obmann sicher. In all seinen Vorträgen und Diskussionen setzt er dies als Grundbaustein eines Gesprächs. Nur so fühle man sich verbunden, als Mensch, achtet und respektiert sein Gegenüber als Bruder oder Schwester – als Mensch. Natürlich gibt es Menschen, die das nicht einsehen wollen und sich durch ihre Religion, Kultur oder Herkunft den Mitmenschen gegenüber als überlegen sehen. „Das hat bei uns keinen Platz!“, sind sich die Mitglieder des Vereins alle einig. Toleranz, Respekt und Achtung allen Menschen und Geschöpfen gegenüber sind Grundwerte, über die nicht verhandelt werden kann.

Die Angst vor dem Islam ist auch in Braunau oft deutlich spürbar. Der Obmann bedauert dies und möchte weiterhin alles dafür tun, um Spannungen und Ängste in der Gesellschaft abzubauen. „Der Grund für diese Angst ist nicht nur auf angstschürende Medien zurückzuführen, sondern natürlich auch auf Muslime, die sich daneben benehmen. Es gilt jedoch, hier zu differenzieren und auf keinen Fall alle Muslime pauschalisierend in einem Topf zu werfen. Das schadet letztendlich der gesamten Gesellschaft, da Angst und Hass keinem gut tut!“, hält Abdelrahman fest. Die große Mehrheit der Muslime sei offen, tolerant und lebe den moderaten Islam, weiß der Obmann aus Erfahrung. In den sechs Jahren Arbeit mit Muslimen gab es nur zwei Herren, die aufgrund ihrer Ideologie vom Verein verwiesen wurden. Sie seien Andersdenkenden gegenüber intolerant gewesen, was vom Verein nicht gedultet wird. Es ging soweit, dass sie durch Wahlbetrug den Verein übernehmen wollten, um ihre Ideologien ungestört verbreiten zu können. Der Fall erreichte seinen Höhepunkt, als einer der beiden den Obmann mit einem Gegenstand verletzen wollte. Die Zusammenarbeit mit der Polizei sei jedoch sehr gut, betont der Obmann, der Fall liege nun vor Gericht.
An diesem Vorfall erinnert sich der Seelsorger nicht gern, es war eine harte Zeit. Solche Menschen gibt es in jeder Gemeinschaft – wichtig ist nur, dass man richtig gegen sie vorgeht und solchen Ideologien am besten präventiv entgegenwirkt. Abdelrahman bring es auf den Punkt: „Bildung ist hierfür das „A und O“!“

Er erinnert sich gern an die schönen Seiten seiner Arbeit im Verein. Jedes Jahr veranstaltet die Pfarre St. Franziskus, gemeinsam mit dem Islamischen Friedenszentrum, der neuapostolischen Kirche und vielen anderen religiösen Gemeinschaften das Friedensgebet. Es ist eines der bewegendsten Veranstaltungen für alle Teilnehmenden, da man sich dabei auf Gemeinsamkeiten konzentriert und diese hervorhebt, wodurch sich die Religionen verbundener fühlen. „Es motiviert uns alle, wenn wir sehen, wie Menschen durch unsere gemeinsamen Aktionen mehr aufeinander zugehen und einander besser verstehen lernen.“, sagt Abdelrahman. Die Teilnahme am Schweigemarsch gegen die Verfolgung von Christen ist für den Obmann wichtig und selbstverständlich. Es soll ein klares Zeichen sein, dass wir alle Eins sind. „Wir sind als Menschen Geschwister, das lehrt auch unser Prophet Mohamed. Wer kann ruhig schlafen, wenn ein Mitglied seiner eigenen Familie leidet? Alle Menschen müssen aufstehen und zusammenhalten, wenn jemand Unrecht erfährt. Nur so kann man stark gegen Ungerechtigkeiten vorgehen!“, so der Obmann. Um Vorurteile abzubauen veranstaltet das Friedenszentrum auf Anfrage den „Tag der offenen Fragen“, bei welchem Gäste bei einer gemütlichen Kaffeerunde Fragen rundum dem Islam stellen oder einander einfach kennenlernen können. Auch hat der Verein das kreative Friedensprojekt „Verstanden-Toleriert“ finanziell unterstützt. Das Kasperltheater, Kinderkino und das Jugendtreff sind monatliche Aktionen, die für alle Mitglieder kostenlos angeboten werden. „Die Moscheeführungen sind eines der erfolgreichsten und bewegendsten Aktionen“, findet Tourey Anwar, Vizeobmann des Vereins. Der Verein erhält immer wieder Anfragen, vor allem von Schulen. Lehrer wie Schüler sind mit dem Programm sehr zufrieden, vom Essen immer begeistert. Die ehrenamtlichen Köchinnen Jamila Zidi und Nidal Hamed verwöhnen die Gäste mit Spezialitäten aus dem Orient, denen man wohl nicht so leicht widerstehen kann. Eine Diskussionsrunde ensteht meist beim gemütlichen Beisammensein am Tisch. Abdelrahman Jasmina, die Sprecherin des Vereins, ist gern für alle Fragen der Besucher offen. Auch auf die sozialen Aktionen freuen sich die Mitglieder immer wieder. Ob der Besuch beim Altenheim, bei der Lebenshilfe oder die Müllsammelaktion – soziale Aktionen vereinen und tun jedem Menschen gut.

Rückblickend auf sechs Jahren Arbeit ist der Obmann Abdelrahman Ashraf sehr zufrieden. Auf sein Team ist er besonders stolz: „Mit einem guten Team geht man leichter durch Höhen und Tiefen!“ Angst, Spaltung und Hass stehen dem starken Zusammenhalt einer Gesellschaft im Wege – was allen Menschen letztendlich zu Schaden kommt. Die Sprecherin bringt den Grundgedanken des Vereins auf den Punkt: „Wir müssen Hand in Hand – unabhängig der Religion, Herkunft etc. – für ein gutes Miteinander einen Beitrag leisten, denn Frieden ist nicht selbstverständlich.“

Ein jeder Mensch ist herzlich willkommen: Islamisches Friedenszentrum
Jurist, Seelsorger und Obmann des Islamischen Friedenszentrums Abdelrahman Ashraf
Autor:

Islamisches Friedenszentrum aus Braunau

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