"Wir sind die Müllabfuhr der Flüsse"
Im Inn schwimmt tonnenweise Müll

Karl Maresch und Wolfgang Syrowatka auf der Baustelle am Kraftwerk Ering-Frauenstein. Noch heuer soll die Fischaufsteighilfe "geflutet" werden.
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  • Karl Maresch und Wolfgang Syrowatka auf der Baustelle am Kraftwerk Ering-Frauenstein. Noch heuer soll die Fischaufsteighilfe "geflutet" werden.
  • Foto: Höllbacher
  • hochgeladen von Petra Höllbacher

4.000 Tonnen Müll: Was unabsichtlich und absichtlich im Inn landet, strandet an einem der Kraftwerke.

RANSHOFEN/FRAUENSTEIN (höll). 3.000 Tonnen Müll werden jedes Jahr am Kraftwerk Ranshofen angeschwemmt – in Frauenstein kommen nochmal rund 1.000 Tonnen zusammen. Allein das kleine Hochwasser Mitte Mai hat dem Kraftwerk in Ranshofen 1.500 Kubikmeter Treibholz, Sondermüll und Plastik beschert. 

Flaschenpfand zeigt Wirkung

"Man erkennt am Müll, ob der Inn oder die Salzach mehr Wasser führen – denn von österreichischer Seite ist deutlich mehr Plastikmüll dabei", weiß Kraftwerksleiter Karl Maresch. Grund dafür ist das Pfandsystem für PET-Flaschen in Deutschland. "Seit in Deutschland Pfand verlangt wird, ist der Plastikmüll in den Gewässern deutlich gesunken." 

Besonders viel Müll kommt bei Hochwasser zusammen: "Wenn das Wasser über die Uferbegleitwege tritt, schwimmt wesentlich mehr Unrat im Inn." Da kommen auch mal kuriose Gegenstände daher: "Matratzen, Reifen, Waschmaschinen und Fußbälle sind Alltag. Wir hatten aber auch schon ganze Autowracks und eine Lastwagenladung leerer Bierfässer im Rechen", berichtet Maresch, der seit 30 Jahren in den Kraftwerken am Inn beschäftigt ist. 

Der Hauptanteil des Mülls ist Treibholz. Dieses wird, abhängig von der Größe, entweder kompostiert oder zu Hackschnitzeln verarbeitet und verbrannt. Problematisch sind Behälter mit Flüssigkeiten: "Es schwimmen immer wieder Kanister mit zweifelhaftem Inhalt im Inn. Spezialisten müssen dann erstmal feststellen, um welchen Inhalt es sich handelt und diesen dann entsprechend aufwändig entsorgen", berichtet Maresch. "Heute kann man seinen Müll problemlos loswerden – deshalb verstehe ich nicht, warum es immer wieder Leute gibt, die ihren Sondermüll in unseren Gewässern entsorgen", betont Konzernsprecher Wolfgang Syrowatka. 

Leichenkammer im Werk

Neben Sondermüll und Holz kommt es auch vor, dass Kraftwerksmitarbeiter Leichen aus dem Inn bergen müssen: "Finden wir einen Körper, rufen wir zuerst die Polizei. Diese holt den Leichnam aus dem Wasser. Früher war das anders: Viele Kraftwerke hatten sogar Leichenkammern", erzählt Maresch. Zur Routine würden derartige Funde nie werden, betont der Kraftwerksleiter. 

Renaturierung am Inn

Am Inn sind Natur und Wasserkraftwerke eine Symbiose eingegangen. Erst durch den Bau der Kraftwerke ist das Naturschutzgebiet "Unterer Inn" entstanden. Nun arbeitet der Verbund, aufgrund einer EU-Richtlinie, weiter an der Renaturierung rund um die Kraftwerke. Das größte Projekt in der Region befindet sich am Kraftwerk Ering-Frauenstein: Es wurden ein Inn-Nebenarm im Unterwasser errichtet, das Ufer und die Au revitalisiert. Hier entstehen nun Laichplätze und neue Lebensräume für Bieber, Fischotter und Wasservögel. Derzeit im Bau ist eine Fischwanderhilfe, die sich auf einer Länge von 2,6 Kilometern auf Eringer Seite entlangzieht. 

Es gab in Ering bereits eine Fischschleuse, diese konnte nur von "guten Schwimmern" gemeistert werden. Von der neuen Fischwanderhilfe profitieren Fischarten wie Laube, Brachse, Güstel, Aitel, Schied und Nerfling.

In Ranshofen wird geplant

Die gesamte Renaturierungsmaßnahme kostet der Innwerk AG neun Millionen Euro. Im April 2018 wurde mit den Bauarbeiten begonnen und diese sollen heuer noch abgeschlossen werden. Auch für das Kraftwerk Ranshofen ist eine Fischaufsteighilfe vorgesehen: "Wir sind gerade am Planen. Einen Zeitplan gibt es aber noch nicht", sagt Syrowatka.


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