Reha nach Corona
Innviertlerin kämpft gegen Long Covid

In der Überdruckkabine.
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  • In der Überdruckkabine.
  • Foto: ADELI Medical Center
  • hochgeladen von Daniela Haindl

Doris L. litt nach einer Covid-Erkrankung monatelang unter extremen Erschöpfungszuständen, Kurzatmigkeit und Gedächtnislücken. Der Weg zurück an den Arbeitsplatz schien kaum noch machbar, bis sie von einem speziellen Rehazentrum hört.

INNVIERTEL. Bereits im Februar 2020 hatte Doris L. aus einem Dorf im Innviertel sich mit Covid infiziert. Ihre Symptome: Ohren- und Halsschmerzen, Kribbeln in den Fingern und Zehen, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Die 45-jährige Familienmutter wollte aber nicht ins Krankenhaus sondern begab sich zuhause in Quarantäne. Auch ihren Mann hat es stark erwischt, die Kinder hatten nur ganz leichte Symptome.

"Angst, dass der Körper vergisst zu atmen"

"Nach etwa zehn Tagen habe ich gedacht es geht wieder bergauf, doch Anfang März hatte ich immer noch eine sehr flache Atmung und war sehr müde und abgeschlagen", erzählt Doris L. Ein Termin bei der Lungenfachärztin verlief unauffällig, die Lunge schien völlig in Ordnung. "Während bei meinem Mann die Besserung eingesetzt hat, sind bei mir die Atemprobleme  immer schlimmer geworden", so die Bankkauffrau "Ich hatte Angst, dass mein Körper in der Nacht vergisst zu atmen."

Erschöpfung und Panikattacken

Mitte April versucht Doris L. wieder die Arbeit aufzunehmen, doch die Konzentrationsstörungen und Müdigkeit sind enorm und dann stellt sich Herzrasen ein. "Meine Hausärztin war wirklich sehr bemüht, aber sie hatte einfach viel zu wenig Information um mir helfen zu können", erzählt die 45-Jährige. Das Fatigue-Syndrom (andauernde Müdigkeit) ist so belastend für sie, dass inzwischen Angst- und Panikattacken auftreten. An guten Tagen schafft sie 30% des Haushalts. Vor Covid joggte Doris L. regelmäßig und schaffte knappe zehn Kilometer. Jetzt schaffte sie nur noch 250 Meter – an guten Tagen. "Wäsche aufhängen war eine Tagesaufgabe und beim Essen habe ich vergessen wie man schluckt."

Tasse mit Teller verwechselt

Dass der Versuch, zwei halbe Tage zu arbeiten scheiterte, hat Doris L.noch mehr zurückgeworfen: "Homeschooling, Homeoffice, ich muss funtionieren", rotierte es in ihrem Kopf, und dann begann ihr sogar das Lesen schwer zu fallen, aber noch weitere Nachwirkungen quälen die Innviertlerin, "Ich wollte mir einen Kaffee machen und habe statt der Tasse einen Teller unter die Kaffeemaschine gestellt, die Butterdose habe ich zum Fernseher statt in den Kühlschrank gestellt." Die Hoffnung der zweifachen Mutter schwand mehr und mehr.

Rehabilitationszentrum in der Slowakei

Doch dann erzählte eine Freundin ihr vom Adeli Medical Center in der Slowakei, Doris L. bucht eine Woche auf eigene Kosten. Ihr Ziel ist es im Juli – 4 Monate nach der Erkrankung an Covid – wieder arbeiten gehen zu können. "Meine Hoffnung wurde dort bei weiten übertroffen. Ich bekam etwa sechs Anwendungen am Tag und war sechs mal in der Woche in der Sauerstoffkammer." Die Behandlung zeigt rasch Erfolg, schon am zweiten Tag ging es Doris L. schon sehr gut. 

Überdruckkammer und Sauerstofftherapie

Professor Heinrich Binder arbeitet als Neurologe und weiß, dass die Sauerstoffkammer hauptsächlich nach Tauchunfällen eingesetzt wird. "Die hyperbare Sauerstofftherapie in der Überdruckkammer wirkt aber auch bei chronischen Entzündungen und Infektionen", erklärt er "Untersuchungen weisen nach, dass es zu einer Funktionsverbesserung im Gehirn kommt, denn in erster Linie scheint das Long Covid Syndrom ein neurologisches Problem zu sein."

"Jeden Tag schaffe ich ein bisschen mehr!"

Das Adeli Medical Center ist genau auf die Behandlung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen spezialisiert. Seit 2011 setzt das Reha-Zentrum die Überdruckkammern ein und konnte im Zuge der Behandlung von Post-Covid-Patienten im Herbst 2020 erstmals positive Ergebnisse feststellen. Das Zentrum befindet sich knapp 80 Kilometer nordöstlich von Bratislava in Piestany. Doris L. konnte durch die Woche Aufenthalt in dem Zentrum ihr selbstgesetztes Ziel, verwirklichen. "Seit Juli gehe ich wieder vormittags arbeiten. Und es geht aufwärts: Jeden Tag schaffe ich ein bisschen mehr."


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