Integriertem Lehrling und „Vorzeigefamilie“ droht Abschiebung

Familie Kuzko
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BEZIRK (ebba). Momentan häufen sich die Probleme durch negative Asylbescheide während der Lehrausbildung. Bislang 34 Asylwerbende sind in OÖ betroffen. Einige Schicksale sorgten dieser Tage bereits für Aufregung. Nun soll auch einem gut integrierten Lehrling in Braunau die Abschiebung drohen. Und das, obwohl in „Mangelberufen“ händeringend nach Personal gesucht wird.

Abas Noori heißt der junge Mann. Der mittlerweile 18-Jährige lebt bei einer Familie in Schalchen. Er kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling vor drei Jahren aus Afghanistan nach Österreich. Dort hat er alles hinter sich gelassen, um im Bezirk Braunau eine Chance auf ein neues Leben in Frieden zu erhalten. Er versucht sich bestmöglich zu integrieren, spricht fließend deutsch. Derzeit absolviert er eine Lehre im Restaurant Tafelspitz in Braunau. Die erste Klasse der Berufsschule hat er mit gutem Erfolg und einem Notendurchschnitt von 2,0 abgeschlossen – Lern- und Arbeitswille sind also vorhanden. „Ich möchte mir hier eine Existenz aufbauen“, sagt Kellnerlehrling Abas.

Das nun ein negativer Asylbescheid eingelangt ist – für Grünen-Bundesrat David Stögmüller unbegreiflich: „Gerade in der Gastronomie und im Tourismus werden junge Lehrlinge händeringend gesucht. In Braunau sind es aktuell 77 Fachkräfte in diesem Bereich. Offensichtlich ist es dem Staat wichtiger, bestens integrierte Menschen rasch außer Landes zu bringen, als ihnen am Arbeitsmarkt eine Chance zu geben und damit auch unserer Wirtschaft zu helfen. Dieses System muss sich ändern. Während einer laufenden Ausbildung sollten Abschiebungen ausgesetzt werden“, kritisiert Stögmüller.

Kampf bis zur letzten Instanz

Auch Tafelspitz-Geschäftsführer Jochen Reumüller versteht die Welt nicht mehr: „Bei uns absolvieren zwei Flüchtlinge aus Afghanistan eine Lehre. Einer davon ist Abas. Sie interessieren sich für den Beruf und wollen sich jeden Tag verbessern, daher werden wir bis zur letzten Instanz für ihren Verbleib kämpfen.“ Gegen Abas‘ Negativbescheid wurde Beschwerde eingereicht.

Grünen-Landesrat Rudi Anschober hat eine Petition gestartet. „Wir brauchen Sicherheit für unsere Lehrlinge und für unsere Wirtschaft. Unsere bundesweite Initiative „Ausbildung statt Abschiebung – Petition gegen Abschiebungen unserer künftigen Fachkräfte“ erfreut sich eines enormen Zulaufs und hat bereits mehr als 10.000 Unterstützer gefunden.“

Wenn auch Sie die Petition unterstützen möchten, damit Asylwerbende weiterhin die Chancen haben, in Mangelberufen eine Lehrstelle anzunehmen, unterzeichnen Sie noch bis 10. Jänner 2018 hier: https://www.openpetition.eu/petition/online/ausbildung-statt-abschiebung

Lengauer bangen um ihre „Vorzeigefamilie“

Fassungslos sind auch die Lengauer, weil eine gut integrierte Familie aus der Ukraine abgeschoben werden soll. Hennadiy und Margarita Kuzko, Tochter Katharina (8) und die Zwillinge Daria und Maria (6) müssen laut Bescheid Österreich nach knapp drei Jahren Aufenthalt wieder verlassen. Auch hier wurde bereits Beschwerde eingereicht. „Diese hat aufschiebende Wirkung“, erklärt der Obmann von „Lengau hilft“, Georg Schinwald. Er betont, dass die Familie seit Anbeginn sehr um Integration bemüht war und ist. So hätten sie schon nach kurzer Zeit Deutsch gesprochen. Die Kinder besuchen die Volksschule, Vater Hennadiy engagiert sich bei der Feuerwehr, hilft wo er kann. Durch die aufschiebende Wirkung der Beschwerde, dürfte zumindest die Gefahr, vor Weihnachten abgeschoben zu werden, erst einmal gebannt sein.

Familie Kuzko

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