Kein Interesse an eigener Praxis

Junge Ärzte drehen dem Berufsbild Hausarzt immer häufiger den Rücken zu, werden lieber Wahl- oder Spitalsarzt.
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BEZIRK (ebba). Immer mehr Gemeinden suchen verzweifelt nach Hausärzten. In Mattighofen brauchte es seit Jänner 2012 acht Ausschreibungen, ehe ein Allgemeinmediziner Interesse bekundet hat. Für eine freie Stelle in Braunau brauchte es immerhin drei. "Derzeit sind alle Stellen besetzt", erklärt Bezirksärztesprecher Kurt Roitner. "Allerdings werden in den kommenden zehn Jahren sicher an die zehn Ärzte in Pension gehen. Nachfolger für diese frei werdenden Stellen zu finden, stellt eine Herausforderung dar." Schon jetzt fände man für Wochenenddienste keine Vertreter mehr.

Der Beruf des Hausarztes sei für junge Mediziner nicht mehr attraktiv. Starre Kassenverträge, familienfeindliche Arbeitsbedingungen durch anstrengende Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste, steigende Kosten, unternehmerisches Risiko und immer mehr Vorgaben wirken abschreckend auf den Ärztenachwuchs. Dazu kommt, dass Turnusärzte während ihrer Ausbildung den Ordinationsbetrieb kaum kennen lernen und demnach den Schritt zur Niederlassung nicht wagen. "Mit der Einführung einer Lehrpraxis, wie sie seit Jahren gefordert wird, könnten junge Ärzte die Herausforderungen in einer Praxis kennenlernen und sich darauf vorbereiten", meint Roitner.

Es herrsche ein Ringen um Ärzte. "Fast ein Drittel verlässt Österreich, weil man im Ausland mehr verdient. Somit reicht es nicht, die Ärzte auszubilden, die Struktur aber so zu belassen, wie sie ist. Vor allem im Hinblick dessen, dass die Medizin zunehmend weiblich wird, ist es wichtig, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen", insistiert der Bezirksärztesprecher. "Junge Kollegen, die am Ende ihrer Ausbildung stehen, müssen ein Angebot bekommen, wofür sie sich gerne auf lange Sicht entscheiden wollen."

Die wohnortnahe Basisversorgung durch einen Hausarzt werde immer wichtiger, vor allem da es immer mehr chronische Erkrankungen gebe. "Der Hausarzt ist so etwas wie der Lotse im Gesundheitssystem, der erste Ansprechpartner für den Patienten. Bis zu 80 Prozent der Behandlungen können alleine vom Hausarzt bewältigt werden. Damit werden die Spitalsambulanzen entlastet und die Wartezeiten bei Fachärzten verkürzt", verdeutlicht Roitner. "Der Hausarzt hat speziell für Patienten in abgelegenen, ländlichen Regionen, die zudem in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, eine große Bedeutung."

Bei 45 Hausärzten im Bezirk Braunau kommen etwa 2000 Patienten auf einen Arzt. "Teilweise behandle ich am Tag bis zu 120 Patienten und meine Praxis zählt nicht zu den größten", erklärt der Allgemeinmediziner.

Hauptaufgabenbereiche der Hausärzte:

Akute Erkrankungen: vom einfachen Infekt bis zu den schwersten lebensbedrohlichen Erkrankungen (Verkehrsunfall, Schlaganfall, Herzinfarkt, Arbeitsunfälle)
Chronische Erkrankungen: Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, chronische Schmerzkrankheit, Rheuma
Psychische Erkrankungen: Depression, Burn-out, Psychosen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen
Präventionsmedizin: Vorsorgeuntersuchungen, Mutter-Kind-Pass
Gemeindearztfunktionen: Totenbeschau, Zwangseinweisung, Alkohol-Untersuchungen, Schuluntersuchungen
Netzwerkfunktion: zu Krankenhaus, Fachärzten und psychosozialen Diensten
Bereitschaftsdienste

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