Am Todestag
Kranzniederlegung an Johann Philipp Palms Grabstätte

Kranzniederlegeung von Krönert und Abdurakhmanov.
6Bilder
  • Kranzniederlegeung von Krönert und Abdurakhmanov.
  • hochgeladen von Barbara Ebner

BRAUNAU (gei). Der Tag war mit Bedacht gewählt und sollte in besonderer Weise an die Presse- und Meinungsfreiheit erinnern. Am Jahrestag der Exekutierung des Buchhändlers Johann Philipp Palm versammelte sich am 26. August 2019 zur Mittagszeit auf dem Friedhof eine Delegation der Palm-Stiftung aus Schorndorf (Baden-Württemberg), zusammen mit dem Historiker und Napoleonexperten Thomas Schuler und dem usbekischen Journalisten Salidjon Abdurakhmanov.

Der Journalist wurde 2014 mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit ausgezeichnet, konnte ihn aber aufgrund seiner Inhaftierung nicht persönlich in Empfang nehmen. Er hatte nämlich immer wieder über Umweltverschmutzung, Korruption und Vetternwirtschaft in seinem Land geschrieben und war der diktatorischen Regierung unbequem geworden.

2008 jubelte man ihm auf perfide Art Drogen unter, machte ihm einen kurzen Prozess und steckte ihn anschließend in ein Arbeitslager, um ihn mundtot zu machen. 2017 wurde er überraschend nach 9,5 statt der angedrohten zehn Jahre freigelassen. Mit ein Grund war auch der schlechte Gesundheitszustand des Inhaftierten, da man die Gefängnisse in Usbekistan nicht mit westlichen Standards vergleichen kann. Zudem wurde in der Haft körperliche Gewalt angewandt, um den Journalisten auf Linie zu bringen.

„Nachdem er körperlich und seelisch soweit wieder hergestellt war, äußerte er der Palm-Stiftung gegenüber den Wunsch, seinen Unterstützern persönlich danken zu wollen und auch dem Namens- und Ideengeber des für ihn so wichtig gewordenen Preises", erklärte Annette Krönert, Enkelin des Stiftungsgründer-Ehepaares Maria Palm und Johann-Philipp Palm.

Im Rahmen einer Rundreise wurde nun ein Besuch in Schorndorf, hier stammte die Familie Palm ab, und Braunau, der Hinrichtungsstätte, organisiert. Mit bewegender Stimme erinnerte Abdurakhmanov an Palms Grabstätte an die Ereignisse vor über zwei Jahrhunderten. Palm kritisierte die Besetzung Deutschlands durch Napoleon Bonapartes Armee und veröffentlichte im Jahr 1806 eine Streitschrift unter dem Titel "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung", gab allerdings den Verfasser nicht preis. Dafür wurde der Buchhändler am 26. August 1806 in Braunau exekutiert.

„Meine Lage ist viel günstiger als bei Palm vor 200 Jahren. Mein Land ist nicht besetzt, es gibt keine öffentlichen Hinrichtungen – es sind andere Zeiten. Aber dennoch wurde ich aufgrund einer fabrizierten Anklage für 3.406 Tage und Nächte meiner Freiheit beraubt. Zehn Jahre, die vom Gericht verhängt worden waren", erklärte der Journalist. Heute sieht er die Stunde der Wahrheit in seinem Land gekommen, weshalb er sich mit doppelter Kraft auch künftig für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen werde.

Sein besonderer Dank ging anschließend an die zahlreichen Menschenrechts-Organisationen und Bürger, die für seine Freilassung kämpften und ihn unterstützt hatten.

Text & Fotos: Walter Geiring

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen