Lochen am See wird zu Lochen an der Deponie

Die Gemeinde nennt sich seit 2012 Lochen am See, da sich das Gemeindegebiet bis an den Mattsee erstreckt. Die Umbenennung sollte den sanften Tourismus ankurbeln.
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  • hochgeladen von Barbara Ebner

Anrainerprotest in Köstendorf und Lochen: Gesundheitsbelastungen durch Megaprojekt der ÖBB befürchtet.

LOCHEN, KÖSTENDORF (ebba). In Lochen am See und der angrenzenden Flachgauer Gemeinde Köstendorf herrscht derzeit große Aufregung. Grund: Die ÖBB wollen frühestens im Jahr 2025 mit den Bauarbeiten für eine 21,3 Kilometer lange Bahn-Hochleistungsstrecke zwischen Köstendorf und Salzburg-Kasern beginnen. Viele Anrainer befürchten starke Gesundheitsbelastungen durch den jahrelangen Bau.

Aushub wird abtransportiert

Rund vier Millionen Kubikmeter Gestein müssen für zwei 16 Kilometer lange Tunnelröhren ausgehoben werden. Das entspricht einem 370 Meter hohen Haufen auf einem Fußballfeld. Laut ÖBB ist der Abtransport des Ausbruchmaterials mittels eines fünf Kilometer langen und zwei Meter breiten Förderbandes in den Steinbachgraben im Gemeindegebiet von Lochen geplant. Drei Kilometer davon soll die Anlage eingehaust werden, um die Lärmbelästigung zu verringern. Da es sich beim Aushubmaterial um Flysch handelt, welcher als Baumaterial für den Tunnel ungeeignet ist, muss das Gestein in einer Deponie gelagert werden.

Enteignungen befürchtet

Im Flachgau sorgt die Tunnelbaustelle für Unruhe, da die neue Bahntrasse auch durch zahlreiche Grundstücke führen würde. Die Eigentümer müssen dem zustimmen. Verweigern sie die Abtretung ihrer Gründe, kann nach dem Eisenbahngesetz auch enteignet werden.
Das geplante Förderband führt in Köstendorf durch die Wiesen mehrerer Landwirte. Die landwirtschaftlichen Flächen sollen jedoch laut den ÖBB weiterhin erreichbar bleiben.

Laut Gesetz ist die maximale Lautstärke für das Band auf 55 Dezibel begrenzt. Die Bänder laufen neun Jahre lang nonstop. Eine große Belastung dürfte auch der Bau des Förderbandes darstellen. Tausende Lkw-Fahrten sind dafür notwendig und es muss eine eigene Straße gebaut werden. Am Ende der Baustelle gibt es das gleiche Spiel beim Rückbau der gesamten Anlage.

Nach Vorstellung des Projektes durch die ÖBB hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die unter anderem vor erhöhten Radon-Werten, Feinstaubbelastung und zunehmendem Lärm warnt. Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die geplante Megabaustelle soll heuer noch abgeschlossen werden. "Die vom Ministerium beauftragten Experten haben dabei auch das Thema der natürlichen Strahlung zu prüfen. Unsere Untersuchungen haben hierzu keine Hinweise ergeben, dass es durch das Ausbruchmaterial zu einer Belastung kommt, die über dem im Projektgebiet bisher schon natürlich vorkommenden Ausmaß liegt. Das gilt auch für den Transport und die Ablagerung in der Deponie", erklärt Karl Leitner, Pressesprecher der ÖBB-Holding. Der Vorschlag der ÖBB für den Steinbachgraben als Deponie-Standort werde im Zuge der UVP von unabhängigen Gutachtern bewertet.

Abwarten in Lochen

Franz Wimmer , Bürgermeister in Lochen am See (ÖVP), sagt zur Causa: „Die Gemeinde ist derzeit noch am Sammeln von Informationen. Wir reißen uns nicht gerade um die Deponie, werden sie aber vermutlich nicht verhindern können.“ Jedenfalls müsse von einem Humanmediziner geprüft werden, ob durch die Baustelle tatsächlich eine Gesundheitsgefährdung für Anrainer besteht. „Außerdem muss abgeklärt werden, ob im Falle von Hochwasser ein Auffangbecken notwendig wird.“

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