Covid-19
So geht Braunau mit Corona um

Der Kassenbereich im Spar-Markt Bruckbauer in Braunau-Laab. Not macht erfinderisch.
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  • Der Kassenbereich im Spar-Markt Bruckbauer in Braunau-Laab. Not macht erfinderisch.
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Die BezirksRundschau hat sich in der Bezirkshauptstadt umgehört. Ein "Corona-Stimmungsbild":

BRAUNAU (ebba). „Ich halte das Nichtstun nicht aus. Also hab‘ ich mich entschlossen, Suppen zu kochen, in Gläser zu füllen und zu verschenken. Speziell an Bedürftige, da ja auch die Tafel momentan geschlossen hat. Und für ältere Menschen, die jetzt zuhause bleiben sollen. Wir liefern auf Bestellung aus“, erzählt Nudelkuchl-Chef Jochen Reumüller aus Braunau. Er gehört zu der Branche, welche die Corona-Krise besonders hart trifft: die Gastronomie. Restaurants und Lokale haben geschlossen, damit sich keiner ansteckt. „Da stößt es mir dann schon sauer auf, wenn ich immer noch Leute seh‘, die draußen herumkrebsen. Und ich muss sagen, ich seh besonders viele Ältere. Die, die mit den Maßnahmen eigentlich geschützt werden sollen, halten sich vielfach noch nicht daran“, erzählt Reumüller.

Leute sind einsichtig

Laut dem Braunauer Bezirkspolizeikommandanten Martin Pumberger würden die Maßnahmen grundsätzlich greifen: „Die Leute sind seit Beginn an sehr vernünftig. Die Lage ist ruhig.“ Die Polizei kontrolliere verstärkt, ob es an öffentlichen Plätzen zu Menschenansammlungen kommt. Auf die Kriminalstatistik dürfte die Krise positive Auswirkungen haben: So gehen jetzt, wo jedermann zuhause ist, die Einbrüche zurück. „Es ist derzeit generell sehr ruhig“, sagt Pumberger.

„Hamstern“ lässt nach

Auch der „Run“ auf die Lebensmittelgeschäfte lässt langsam nach. „Bei uns herrscht zwar erhöhter Einkauf, aber es ist längst nicht mehr so extrem. Zu 80 Prozent hat sich das mit den Hamsterkäufen beruhigt.“, schildert Gerhard Bruckbauer, Leiter des Spar-Marktes in Braunau-Laab. Ältere Menschen beobachtet man auch hier noch. „Sie kommen verstärkt in der Früh, aber auch mal zwischendurch. Wobei mittlerweile doch schon viele für sich einkaufen lassen.“ Bruckbauer machen aber auch die Jugendlichen Sorgen. „Ich hab den Eindruck, die erkennen den Ernst der Lage noch nicht wirklich.“ Kein seltenes Bild seien Kunden, die Einweghandschuhe tragen. „Gesichtsmasken tragen auch manche, aber das hält sich noch in Grenzen“, so Bruckbauer.

Not macht erfinderisch

Kreativität bewies der Sparmarktleiter beim Errichten einer provisorischen Schutzbarriere zwischen Kassier und Kunden (siehe Bild). „Das spricht nicht gerade für mein handwerkliches Geschick“, lacht Bruckbauer. „Aber die Plexiglasscheibe ist schon bestellt. Einstweilen muss halt diese Vorrichtung reichen.“

Kopfschütteln über Schaulustige

Weniger lustig die Situation beim Krankenhaus Braunau vergangene Woche: „Während eines Rettungseinsatzes kamen plötzlich mehrere Leute angerannt, um zu fotografieren. Das wurde mittlerweile durch ein Film- und Fotografierverbot unterbunden“, erklärt Krankenhaus-Sprecher Christian Huber. Auch personalmäßig habe man derzeit noch alles fest im Griff.

Landwirte müssen und dürfen auch raus

Über die Ausgangsbeschränkungen herrscht dort und da noch Unklarheit. Bezirksbauernkammer-Obmann Ferdinand Tiefnig ist scheinbar zur Anlaufstelle für Beschwerden mutiert. „Die Leute können nicht nachvollziehen, dass die Landwirte nach wie vor auf den Feldern und Straßen unterwegs sind. Dabei ist es so, dass die Arbeit unserer Bauern unaufschiebbar ist. Sie müssen ihre Felder jetzt bewirtschaften, damit wir im Herbst/Winter heimische Lebensmittel in den Regalen haben. Und die Wiesen müssen gedüngt werden, damit die Kühe ausreichend Futter haben“, klärt Tiefnig auf.

Der Tourismus, im Speziellen Gastronomie und Hotellerie, sind derzeit quasi lahmgelegt. „s’Entdeckerviertel"-Chef Georg Bachleitner: „Das Ganze trifft unsere Mitglieder, Betriebe wie Gemeinden, wirtschaftlich schwer. Wir als Tourismusverband versuchen sie jetzt in der Kommunikation zu unterstützten.“

„Pause“ für die Kultur

Angelika Weinberger, Medienreferentin von „Kultur im Gugg“ in Braunau, ist nun hauptsächlich mit der Absage und Neuorganisation von Veranstaltungen beschäftigt: „Natürlich trifft uns die Krise als Kulturveranstalter sozusagen „mitten ins Gesicht“. Wir haben alle unsere Vorstellungen bis Ende April abgesagt. In unserem Umfeld trifft es aber vor allem jene unserer Künstler, die keine 300 Termine im Jahr spielen. Für sie ist jede abgesagte Vorstellung existenzbedrohend. Und unsere Techniker, die selbstständig sind. Sie sitzen momentan daheim, komplett ohne Aufträge, also komplett ohne Einkommen.“

Unsichere Zeiten

Kleinere Betriebe, wie das Frisörstudio „Schnittlounge“ in Ranshofen, leiden unter der Ungewissheit. „Man weiß nichts Fixes, wie lange das Ganze tatsächlich noch dauert“, erklärt die junge Chefin Laura Bodenhofer. Auf Unternehmen wird nun viel Bürokratie zukommen, wenn sie um die vom Bund zugesicherte Unterstützung ansuchen wollen und müssen. „Ich telefoniere jeden Tag mit meinem Steuerberater, auf den ich mich hier sehr verlasse. Irgendwie wird es schon weitergehen.“

ZUR SACHE:

Infizierte im Bezirk Braunau (Stand 24. März, 10 Uhr): 13 Personen, davon zwei im Krankenhaus
Verdachtsfälle bzw. in häuslicher Quarantäne: 130 Personen

Telefonische Informationen erhalten Sie hier:
Coronoavirus-Hotline
der AGES: 0800/555 621 (24-Stunden-Hotline), wenn es um allgemeine Informationen zu Übertragung, Symptomen und Vorbeugung geht.
Telefonische Gesundheitsberatung unter Tel. 1450: Wenn Sie Symptome (Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Atembeschwerden) aufweisen oder befürchten, erkrankt zu sein, bleiben Sie zu Hause und wählen Sie bitte die Gesundheitsnummer "1450" zur weiteren Vorgehensweise (diagnostische Abklärung).

Hier finden Sie einen Überblick über Gemeinden, die Nachbarschaftshilfe wie etwa Einkaufsdienste anbieten: meinbezirk.at/3989601

Autor:

Barbara Ebner aus Braunau

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