„Wir erwarten uns eine Korrektur“

Der „Dunkle Wiesenknopfameisenbläuling“ ist ein seltener, geschützter Schmetterling, der sich in den Feuchtwiesen im Schwemmbachtal besonders wohl fühlt. Für das Land jedoch kein Grund, nicht zu verordnen.
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Bürger wehren sich gegen Vorzugsvariante für die Umfahrung Lengau, die sich negativ auf Natur und Mensch auswirken soll.

LENGAU (ebba). Die neue Trasse für die B147 in Lengau erhitzt nach wie vor die Gemüter. Der Umweltbericht des Landes OÖ zur Verordnung weist den bestandsnahen Korridor Le1, der vor allem das Schwemmbachtal in Teichstätt betrifft, als Vorzugsvariante aus. Die Trasse würde zum einen mitten durch eine Feuchtwiese mit schützenswürdigen Schmetterlingen, zum anderen durch ein Gebiet mit zehnjährigen Hochwasserereignissen führen.

Diese Präferenz vonseiten des Landes kann die „Schutzgemeinschaft Lengau“ nicht nachvollziehen. Daher wurde ein eigenes, verkehrstechnisches Gutachten mit Beteiligung der TU Wien und staatlich geprüften Gutachtern in Auftrag gegeben. Die Kosten in Höhe von 30.000 Euro haben die zirka 200 Mitglieder des Vereins selbst getragen.

Abweichende Ergebnisse

Die Ergebnisse dieses Gutachtens weichen von jenen des Landes ab. Laut Schutzgemeinschaft wurden die selben Kriterien für die Beurteilung herangezogen und zudem Aspekte untersucht, welche vom Land nicht berücksichtigt wurden. „Alle untersuchten Bereiche – bis auf den Aspekt Hochwasser, der für beide Varianten gleich bewertet werden muss – sprechen für die Le2“, sagt Elisabeth Kerbl, stellvertretende Obfrau des Vereins "Schutzgemeinschaft Lengau“.

Viele offene Punkte und Ungereimtheiten würden im Gutachten aufgezeigt. Daraus ginge auch hervor, dass das Ignorieren einer in den Feuchtwiesen vorkommenden, seltenen und geschützten Schmetterlingsart nicht nachzuvollziehen sei. „Anhand des derzeitigen Wissensstandes darf nicht verordnet werden. Wir haben Gutachten, die klar sagen, dass die vom Land favorisierte Variante nicht die beste Wahl ist. Wir erwarten uns eine Korrektur. Es wäre wirklich unfair gegenüber der Bevölkerung, die Le1 zu verordnen, da auch die Lärmergebnisse klar gegen diese sprechen“, appelliert Kerbl, und ergänzt: "Wir hoffen, dass man die Erkenntnisse aus dem von uns in Auftrag gegebenen Gutachten beim Land ernst nimmt.“ Genauso wie die Stellungnahmen aus Lengau, die kürzlich dem Amt der Oberösterreichischen Landesregierung in 141 Kuverts übergeben wurden.

Unverständnis auch bei der WKO

Nicht nur die Schutzgemeinschaft Lengau, sondern auch die Wirtschaftskammer Braunau spricht sich in einer dieser Stellungnahmen für die Alternativvariante Le2 aus. Diese würde bahnparallel verlaufen und böte bei entsprechender Planung die Möglichkeit, das stetig wachsende INKOBA-Betriebsbaugebiet in Lengau zu erschließen. „Es erscheint uns absolut unverständlich, dass bei einer derartigen „Jahrhundertplanung“ die Entwicklung einerseits und eine Anbindung andererseits eines so bedeutenden Gewerbegebiets in keiner Art und Weise in die Überlegungen einbezogen worden ist.“ Fakt ist, dass im Umweltbericht des Landes eine Anbindung von Gewerbe- und Betriebsgebieten als „Nicht-Ziel“ der Korridorplanung genannt wird.

Eine Sache gibt der Schutzgemeinschaft Hoffnung: Am 15. Mai wurden die Mitglieder beim zuständigen Landesrat Günther Steinkellner vorstellig und stellten fest: „Er war vollkommen unvoreingenommen und das Gespräch lief gut. Wir verstehen natürlich, dass ein Landesrat sich auf seine Fachabteilungen verlassen muss. Nur dann müssen auch wir Bürger uns darauf verlassen können, dass diese Abteilungen sauber arbeiten“, betont Obmann Martin Muigg. „Fakt ist, die Variante Le1 ist nicht gut durchdacht. Sie betrifft mehr Haushalte und schneidet den ganzen Ort durch. Soll heißen, hier wurde nicht sauber gearbeitet!“

Aufgegeben wird nicht

Sollte es allen Mühen zum trotz, dennoch zu einer Verordnung der Le1 kommen, werden die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Lengau ihre Anwälte einschalten. Denn die Variante Le1 sei naturschutzrechtlich nicht bewilligungsfähig. Die endgültige Verordnung der Trasse soll bis Ende 2018 beschlossen werden.

ZUR SACHE:
„Es ist uns nicht egal“, heißt die Aktion der BezirksRundschau. Wenn es Ihnen auch nicht egal ist, dann machen Sie mit. Schreiben Sie uns, was Sie stört, aufregt und verbessert werden könnte. Die BezirksRundschau wird Ihr Anliegen an die zuständige Behörde weiterleiten und die weitere Bearbeitung verfolgen.

Was ist Ihnen nicht egal? Immer wieder ärgern sich Bürger über etwas – teilweise sind es nur Kleinigkeiten, die schnell geändert werden können. Diese – und auch größere „Fälle“ – suchen wir in der Aktion „Es ist uns nicht egal“.

Schicken Sie uns eine kurze Beschreibung des „Problems“, eventuell einige Fotos und Ihre Kontaktdaten per E-Mail an: braunau.red@bezirksrundschau.com oder per Post an: BezirksRundschau Braunau, Bahnhofstraße 6, 5280 Braunau am Inn

Autor:

Barbara Ebner aus Braunau

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