Wirbel um ein Stück Stoff

(Mit islamischer Kleidung) Joggen - mein Hobby
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Der Blick auf eine Frau mit Kopftuch ruft bei vielen Menschen große Gedanken hervor. Es ist die Rede von „der armen Diskriminierten“, bis hin zur „von ihrem Mann gezwungenen Frau“. Desweiteren besteht oft die Angst vor Muslime, die in den Medien stark geschürt wird. Es geht nun soweit, dass die FPÖ die Frau durch ein gesetzlich geregeltes Kopftuchverbot „aus der Unterdrückung befreien“ will. Es wird viel über Musliminnen gesprochen, selten jedoch mit betroffenen Frauen.

Die Wenigsten wissen, dass sowohl solche Worte als auch ein solches Gesetz für die meisten Musliminnen den schlimmste Albtraum und die wahre Unterdrückung darstellen. Die Herren der FPÖ sind sich jedoch sicher, dass dies das Beste wäre: „Muslimische Frauen können sich mit ihrem Kopftuch nicht integrieren und werden von Eltern/Ehemann zum Tragen des Kopftuches gezwungen. Wir kümmern uns um die Rechte der Frau!“, so Johann Gudenus von der FPÖ. Wie er zu diesem Urteil gekommen ist, ist fraglich. In den Medien wird zwar oft von der „zur Bedeckung gezwungenen Frau“ gesprochen, jedoch fehlen die Fakten dazu.

SOZIALES PROBLEM

Die Tatsache, dass viele Frauen unter Unterdrückung leiden, kann man nicht bestreiten. Dies ist jedoch als ein globales, soziales Problem zu betrachten und nicht auf eine Religion oder gar ein Stück Stoff zu reduzieren. Frauen, die unterdrückt werden, gleich von wem und in welcher Weise, muss eine Stütze geboten werden, die ihr Selbstbewusstsein stärkt, um so ihre Probleme besser bewältigen zu können. Dafür gibt es bereits unzählige Frauenberatungsstellen und Organisationen, die sich für Frauenrechte einsetzen und genau diese sollen verbessert und erweitert werden.

UNTERDRÜCKUNG IST GLEICH UNTERDRÜCKUNG

Es ist wohl äußerst primitiv zu denken, eine Frau wäre von der Unterdrückung durch ein Verbot des Tragens eines Stückes Stoffs befreit. Dieses Verbot stellt in sich bereits eine klare Unterdrückung dar, denn ob eine Frau angeblich zum Tragen des Kopftuches oder zum Ausziehen des Kopftuches gezwungen wird, macht wohl wenig Unterschied. In beiden Fällen wird es ihr verweigert, ihre persönlichen Wünsche zu verwirklichen. Natürlich gibt es Frauen, die es nur aufgrund ihrer Kultur machen. Die große Mehrheit der Frauen jedoch tragen es mit großem Stolz als Statement nach außen, um als Muslimin erkannt zu werden. Es ist ein Lifestyle, für den sich die meisten Musliminnen sehr bewusst entscheiden, um innere Werte hervorzuheben. Sei es das Kreuz, das ein Christ an der Halskette trägt, die Kleidung der Klosterschwestern oder das Kippa, das ein Jude trägt – all dies zeigt in Österreich ganz deutlich, wie willkommen alle Religionen sind und welche Freiheit hier herrscht. Keiner soll das verstecken müssen, was er in seinem Herzen trägt. Viele Musliminnen setzen mit der islamischen Kleidung auch ein Zeichen der Selbstbestimmung – sie möchten selbst entscheiden, wem sie wann, was von ihrem Körper zeigen. Es denken nicht alle gleich und das ist auch gut so, solange man selbst damit glücklich ist und niemand anderen etwas aufzwingt.Im Allgemeinen ist es wichtig hervorzuheben, dass die Menschen in ihren Prinzipien und Wünschen vielfältig sind und es kann nicht in einem Satz gesagt werden, warum sich ein Mensch für eine Sache entscheidet. Vielfalt hilft uns, unseren Horizont zu erweitern und kurbelt gesellschaftliche Weiterentwicklung an. Wenn wir ständig das Gefühl haben, andere Einstellungen und Prinzipien bewerten zu müssen, werden sich viele Menschen verletzt und ausgegrenzt fühlen, was wiederum viele negative Folgen hat.

VERLORENE FRAUENRECHTE

Wenn das Team Strache für mehr Frauenrechte kämpfen will, kann ich ihnen einige gute Vorschläge machen, denn hinsichtlich der Situation der Frau gibt es alle Hände voll zu tun. 1. Wie viele Frauen wünschen sich die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt hinsichtlich der Löhne? Es wird fleißig dafür gesorgt, dass immer mehr Frauen Schwerarbeit leisten – von der Mechanikerin bis hin zur Schweißerin. Hier wird stolz von der Gleichstellung der Frau in der Arbeitswelt gesprochen, bezüglich gerechter Entlohnung bleibt jedoch ein Leerzeichen. Dies macht sie wiederum vermehrt von einem Mann abhängig, da dieser ja für die gleiche Arbeit mehr verdient. 2. Es gibt Frauen, die darunter leiden, durch „normale“ Jobs zu wenig zu verdienen und so dadurch ihren Lebensunterhalt sichern, dass sie ihren Körper „verkaufen“. Es sind Frauen, die sich für Geld von oft Jahrzehnte ältere Männer, durchschnittlich 12 Mal pro Schicht „vergewaltigen“ lassen. Warum spricht man hier nicht von der unterdrückten Frau? 3. Für wie viele unzählige muslimischen Mädchen und Frauen bleibt ein Arbeitsplatz oder eine Lehrstelle nichts Weiteres als ein Traum, nur weil sie Kopftuch tragen? Ihr Wissen, ihr Engagement – alles wird auf das Stück Stoff reduziert. Können hierzu Betriebe nicht aufgeklärt werden, dass dieses heikle Thema nicht weiter von Klischees gesteuert wird, sodass Betriebe nach Qualifikationen und nicht nach Äußerlichkeiten entscheiden? Dadurch würden sich unzählige Musliminnen angenommener fühlen - so, wie sie sind und nicht wie Andere sie haben wollen. Viele Probleme hinsichtlich Integration wären so kein Thema mehr, denn Integration fordert Offenheit, Respekt und Gerechtigkeit von beiden Seiten. 4. Unzählige muslimische Frauen möchten sich zwar gerne islamisch kleiden, haben jedoch Angst von der Gesellschaft ausgestoßen zu werden, den Arbeitsplatz zu verlieren oder von Mitmenschen als Terroristin abgestempelt zu werden. Es sind Ängste, die leider von der Realität nicht abweichen. Würde diesbezüglich medial fairer, differenzierter und wahrheitsgemäß berichtet werden, könnten wir das Gefühl der Sicherheit und die Toleranz in der Gesellschaft besser fördern und individuellen Wünschen nicht im Wege stehen.Wenn ich solche Probleme/Lösungen anspreche, weiß ich, wovon ich rede, denn anders als das Team Strache, höre ich diese Probleme fast Tag täglich von betroffenen Frauen und nicht von so manchen Medienberichten.

Es muss jedem Menschen selbst überlassen sein, wie viel man vom eigenen Körper zeigen will und wem man was zeigen möchte. Dies zählt zu den Grundlagen, die eine freie Gesellschaft überhaupt ausmacht. Es wäre sehr primitiv, das Wort Freiheit unter anderem mit „ausziehen“ zu definieren. Freiheit ist, frei entscheiden zu können und das leben wir alle ganz unterschiedlich aus – das soll auch immer so bleiben.

Kurzer und prägnanter Satz von vielen Musliminnen: Nein Danke FPÖ, wir Frauen brauchen Superheros der anderen Art.

Autor:

Jasmina Abdelrahman aus Braunau

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