Wiesner-Hager Altheim
Einhundert Jahre und kein bisschen "alt"

So hat es im Betrieb zu Zeiten des 2. Weltkrieges ausgesehen.
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  • So hat es im Betrieb zu Zeiten des 2. Weltkrieges ausgesehen.
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Das Möbel-Unternehmen Wiesner-Hager in Altheim feiert heuer sein einhundertjähriges Jubiläum. Was es dazu braucht zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen und Corona zu überleben? Markus Wiesner hat da ein paar Tipps.

ALTHEIM. Natürlich müssen die großen Feierlichkeiten wegen Covid hinten anstehen, doch stolz auf die hundertjährige Firmengeschichte ist Markus Wiesner allemal. Genug Zeit und Abstand zum Reflektieren und Hinterfragen bleibt aber, und das ist dem Geschäftsführer Wiesner zum 100-Jährigen auch ein Anliegen.

Ursprung im Revolutionsjahr

Bereits 1849 hat Josef Wiesner einen Zimmereibetrieb gegründet. Das hört sich so "einfach" an, doch immerhin waren 1848 und 1849 Revolutionsjahre: Eine Zeit der Umwälzungen. Also fiel schon der Ursprung des Unternehmens in eine Zeit voller Wandel. 1921 übernahmen Rudolf Wiesner und Sebastian Hager den Betrieb des Vaters und errichteten eine Möbelschreinerei. Um das Unternehmen herum nahm auch der Staat Österreich wieder Form an, denn nach dem 1. Weltkrieg waren die Grenzen noch nicht endgültig festgelegt. 

So hat es im Betrieb zu Zeiten des 2. Weltkrieges ausgesehen.
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Von Baracken und Klappstühlen

Warum das Unternehmen schon damals zweispurig fuhr, und sich einerseits auf Bau- und andererseits auf Möbeltischlerei aufteilte ist nicht gänzlich bekannt, vermutlich fehlten aber nach dem Krieg die Aufträge für Barackenherstellungen, und so musste auf Möbel umgesattelt werden: Aber nicht irgendwelche Möbel, denn das was man in den 20ern brauchte waren Klappstühle der besonderen Art.

Wiesner-Hager goes... England

Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals außergewöhnlich und neu: Das Kino. Erst in den 20ern entstanden in den Großstädten die großen Kinopaläste, die Theatern und Opernhäusern nachempfunden waren. Und dafür wurden Klappstühle benötigt, die Wiesner-Hager herstellte. Und zwar im großen Stil: Mitte der 20er-Jahre wurden die ersten Exportpläne geschmiedet, und bald schon kam der erste Auftrag aus England.

Das Feststpielhaus ausgestattet mit Stühlen von Wiesner-Hager.
  • Das Feststpielhaus ausgestattet mit Stühlen von Wiesner-Hager.
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Siege und Sorgen im Vertrieb

Die Geschichte des Unternehmens liest sich wie ein Drehbuch. "Man muss den Willen haben, Krisen als Chance zu erkennen und zu nutzen", so Markus Wiesner, der nun als Senior und in fünfter Generation das Unternehmen führt. Seine Tochter Laura wird in Zukunft das Unternehmen leiten, allerdings nicht nur vom Bürostuhl aus. "Lauras Feuertaufe waren ihre Projekte im Export bei Kunden in Japan und in den Emiraten. Es ist wichtig die Sorgen aber auch die Siege des Vertriebs zu kennen", erzählt der stolze Vater.

Laura Wiesner und Vater Markus Wiesner (v. l.).
  • Laura Wiesner und Vater Markus Wiesner (v. l.).
  • Foto: Wiesner-Hager
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Weltwirtschaftskrise

Aber zurück in die 30er Jahre, in die Zeit der Weltwirtschaftskrise, die dem Geschäft mit England ein jähes Ende setzte. Eine Zeit, die für Wiesner-Hager - wie auch viele andere - die Überlebensfrage aufbrachte. Doch die Anfertigung Kinoklappstühlen wird zum Rettungsanker: Das Unternehmen gewinnt die Ausschreibung der Einrichtung des Kinos Kolosseum und den Zuschlag für die Bestuhlung des Festspielhauses in Salzburg. Bingo.

Und dann kam der 2. Krieg.

Um keine lange Geschichtsstunde daraus zu machen: Wiesner wird Heereszulieferer, der Betrieb wird zwischen 1940 und 1945 überwiegend von Frauen aufrechterhalten und zum Kriegsende monatelang stillgelegt. Doch schon 1946 wird wieder beachtlich produziert. Wie schafft man es als Unternehmen, durch so immense Krisen? Markus Wiesner meint: "In Wirklichkeit lernt man aus Krisen mehr als aus Normalen Zeiten. Wenn ein Unternehmen so etwas wie den 2. Weltkrieg mitgemacht hat, dann weiß man - alles geht einmal vorbei." 

Stühle werden bei Wiesner-Hager noch immer produziert.
  • Stühle werden bei Wiesner-Hager noch immer produziert.
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Pandemie ist Turbo

"In Krisenzeiten sind rasches Reagieren und mutiges Konsequenzen Ziehen notwendig. Langes Zuwarten hilft nicht", berichtet Markus Wiesner. Die Coronakrise hat das Unternehmen schwer getroffen, so wie auch die Ölkrise im Jahr 1979. Doch Wiesner weiß, Durchhaltevermögen ist alles. "Dar Pandemie ist ein Turbo für die Veränderung der Berufswelt." Ende der 80er hat sich das Unternehmen bereits auf das "Neue Arbeiten" spezialisiert. Die volle Konzentration galt nun der Büro- und Objektausstattung und seit den 90er Jahren wurde die systematische Internationalisierung vorangetrieben.

Revolution im Büro

Was man sich Ende der 80er unter "Büro" vorstellte, hat viele Wandlungen erfahren. Doch die Revolution in der Büro- und Arbeitswelt, die mit der Pandemie losgetreten wurde, hat es noch nie in der Form gegeben. Desktopsharing, Coworking Spaces, externe Bürostandorte: Noch vor der Pandemie glaubten Viele man bräuchte Marktplätze statt Büros, Großraumbüros und Meeting Halls. Doch mit dem Virus hat keiner gerechnet.

Markus Wiesner ist Geschäftsführer von Wiesner Hager Möbel GmbH.
  • Markus Wiesner ist Geschäftsführer von Wiesner Hager Möbel GmbH.
  • Foto: Wiesner-Hager
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Start ins neue Jahrtausend

Während Netflix die Kinos ersetzt und das Homeoffice das Büro trägt das Unternehmen Wieser-Hager der enormen Umwälzung Rechnung und setzt auf Konzeptorientierung als zentralen Erfolgsfaktor. "Der Inhalt und die Arbeit im Büro werden sich ändern: Gemeinsamen Spirit zu spüren, zu koordinieren, Workshops abzuhalten oder Probleme zu besprechen - darum wird es gehen. Administrative Arbeiten können einfacher ins Homeoffice verlagert werden", sagt Markus Wiesner. 

"Erfahrung ist Kapital"

Mit einer Exportquote von mehr als 50 % zählt Wiesner-Hager heute zu den renommiertesten Unternehmen der Möbelbranche in Europa, und dabei vergisst Markus Wiesner nicht das Wichtigste: "Unsere Mitarbeiter sind keine Nummern, und ältere Mitarbeiter sind mindestens so wichtig wie jüngere." Für Wiesner ist Erfahrung Kapital, und dass das funktioniert beweist das Alter des Familienunternehmens. Herzlichen Glückwunsch!


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