AMAG will Anlage erweitern
Experten sehen keine Belastungen

Zum Schmelzen von Aluminium und Gießen von Walzbarren benötigt die AMAG in Ranshofen eine weitere Anlage.
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Aluminiumproduzent lässt Bau einer weiteren Schmelz- und Gießanlage prüfen und versucht, Anrainer zu beruhigen.

RANSHOFEN (ebba). Die AMAG in Ranshofen hat vor, eine weitere Anlage zum Schmelzen von Aluschrott und Gießen von Walzbarren zu errichten. Ein Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren (UVP) für die geplante Erweiterung ist am Laufen. Die behördliche UVP-Verhandlung zur Genehmigungsfähigkeit findet am 10. Dezember statt. Im Vorfeld suchte die AMAG den Dialog mit der Bevölkerung. Am 26. November wurden Interessierte über das Vorhaben informiert.

Anrainer in Sorge

Schon bei Bekanntwerden des Projekts regte sich Widerstand. Anrainer befürchten ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die Schrottanlieferung. Bedenken gibt es auch bezüglich Luftverschmutzung und der Grundwasserentnahme zum Kühlen der Barren. Unterschriften gegen den Ausbau wurden gesammelt, zahlreiche Stellungnahmen abgegeben. Eine Bürgerinitiative formierte sich: „Für uns können willkommene Arbeitsplätze und wirtschaftlicher Erfolg der AMAG nur im Konsens mit der Bewahrung der Gesundheit der Bürger einhergehen. Dazu gehören lärmfreie Nächte, dioxinfreie Luft, ausreichend Trinkwasser und die Reduzierung des Lkw-Verkehrs durch Verlagerung auf den Schienenverkehr“, erklärt Margarete Schwinghammer von der „Initiative Gesunde Zukunft“.

Sachverständige entwarnen

Im Rahmen der Bürgerinformationsveranstaltung versuchte die AMAG auf diese Befürchtungen einzugehen . Präsentiert wurden neun Fachbeiträge von externen Experten, die von der AMAG beauftragt wurden, das Projekt zu prüfen. Beurteilt wurden die Auswirkungen, in der Bau- und Betriebsphase, in Bezug auf Abfallwirtschaft, Verfahrenstechnik, Luft, Schalltechnik, Oberflächengewässer, Wald, Boden, Grundwasser, Verkehr, Bauablauf und Naturschutz. Ergebnis: Das Projekt sei in allen Punkten umweltverträglich.

"Recycling-Weltmeister"

Die AMAG hat seit Beginn des Werksausbaus 2012 rund eine Milliarde Euro in die Entwicklung des Standorts Ranshofen investiert. Damit wurden 500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die besondere Kompetenz des Unternehmens liegt im Recycling von Aluminium, wie Unternehmenssprecher Leopold Pöcksteiner betont. „Dabei können 95 Prozent der Energie eingespart werden, die für die Produktion von Primäraluminium benötigt wird.“ Außerdem spare man durch die Verarbeitung von Aluminium aus Schrott 85% an CO2-Emissionen. „Wir haben heute eine der saubersten Betriebsanlagen, die es in ganz Europa gibt“, bekräftigt Betriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Max Angermeier.

100.000 Tonnen zusätzlich

Die AMAG-Walzbarrengießerei soll nun konkret um einen Schmelz- und einen Gießofen, eine Walzbarrengießanlage, eine Wasserstation mit Kühltürmen und eine Entstaubungsanlage erweitert werden. Diese neue Anlagengruppe werde in einer bestehenden Produktionshalle inmitten des Betriebsgeländes entstehen. Pöcksteiner: „Wir brauchen die Anlage. Sie dient der Absicherung der Versorgung des eigenen Walzwerks mit Vormaterial, das teilweise am Markt nicht verfügbar ist.“ Projektleiter Bernhard Prillhofer erklärt: „Ziel ist es, 100.000 Tonnen zusätzlich zu den 370.000 Tonnen Walzbarren herzustellen.“

Die zusätzliche Anlage erfülle die höchsten umwelttechnischen Standards. Abgase werden abgefangen und zur Abgasreinigungsanlage abgeleitet. Laut Olga Lackner, Landschaftsarchitektin und diplomierte Umwelttechnikerin, ist kein zusätzlicher Lärm zu erwarten. Da die Anlage in einer bestehenden Halle errichtet wird, gibt es auch keinerlei Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Grundwasserexperte Rudolf Szewieczek weist darauf hin, dass sich unter dem Werksgelände ein sehr großes Grundwasservorkommen befindet. Der Durchfluss unter der AMAG sei mehr als doppelt so hoch als vom Unternehmen entnommen werden dürfte. „Ein Zusammenhang mit dem Trockenfall von Hausbrunnen in der Umgebung ist nicht herstellbar. Außerdem sind wir mit unserem Wasserverbrauch eher runtergekommen“, betont Pöcksteiner. Um Wasser so sparsam wie möglich zu verwenden, verfügt die AMAG über Kühlkreisläufe.

Bahnanlieferung – nach Möglichkeit

Zur Kritik der Anrainer, warum die AMAG nicht mehr Schrott-Anlieferungen auf die Schiene verlagert, sagt Pöcksteiner:  „Wir haben einen Bahnanschluss und ein internes Schienennetz. Wir versuchen auch, mehr auf die Bahn zu bringen. Das mit der Termintreue ist jedoch so ein Thema, gerade bei Überseelieferungen. Hier ist der Lkw derzeit das einzige Mittel, um Lieferverpflichtungen einhalten zu können.“ Verkehrstechniker Felix Pfarrhofer spricht von zirka 20 zusätzlichen Lkw-Bewegungen pro Tag. Das Straßennetz werde dadurch nur minimal belastet.

Die Fachbeiträge werden den Sachverständigen der UVP-Behörde vorgelegt, die das Projekt dann eigens beurteilen werden. Pöcksteiner zeigt sich zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass das Verfahren positiv verlaufen wird. Es entstehen keine nennenswerten Belastungen. Als Arbeitgeber, dessen Belegschaft zur Hälfte in der Umgebung wohnt, wollen wir genauso wenig einen Schaden für die Region“, betont Pöcksteiner.

Zur Sache

Über die AMAG Gruppe:
Die AMAG ist ein führender österreichischer Premiumanbieter von hochwertigen Aluminiumguss- und -walzprodukten, die in verschiedensten Industrien wie der Flugzeug-, Automobil-, Sportartikel-, Beleuchtungs-, Maschinenbau-, Bau- und Verpackungsindustrie eingesetzt werden. In der kanadischen Alouette, an der die AMAG mit 20 Prozent beteiligt ist, wird Primäraluminium mit vorbildlicher Ökobilanz produziert.

Mitarbeiter: 2.000
Absatz pro Jahr: 120.000 Tonnen Primäraluminium
Umsatz im letzten Jahr: rund 1,1 Milliarden Euro

Im Juni 2020 wird ein neues Forschungs- und Entwicklungsgebäude am Firmenareal der AMAG in Ranshofen eröffnet. Der börsennotierte Aluminiumkonzern schafft damit 150 neue Arbeitsplätze.

Zum Schmelzen von Aluminium und Gießen von Walzbarren benötigt die AMAG in Ranshofen eine weitere Anlage.
AMAG-Unternehmenssprecher Leopold Pöcksteiner
Autor:

Barbara Ebner aus Braunau

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