09.11.2017, 20:52 Uhr

"Meine Gedanken zur Stillen Zeit"

Viele Menschen suchen bewusst die Stille und die besondere Stimmung der vorweihnachtlichen Gottesdienste. (Foto: Herbert Fink)
"Alle Jahre wieder", zur Weihnachtszeit - eine Zeit der Ruhe, der Besinnung und der Stille kehrt ein.

BRAUNAU. Marek Nawrot, Pfarradministrator und Seelsorger der Stadtpfarre Braunau, spricht über Religion, die Bedeutung des Advents und seine Gedanken zum heiligen Fest.

BezirksRundschau: Herr Nawrot, woher stammt der Begriff "Advent"?
Marek Nawrot:
Der Begriff stammt vom Lateinischen „adventus“ und bedeutet für uns Christen die "Ankunft" unseres Erlösers Jesus Christus. Der Advent in seiner heutigen Form geht bereits zurück auf das 7. Jahrhundert. Wir feiern diese Zeit im Sinne einer Vorbereitungszeit auf Weihnachten.

Welche Bräuche haben sich rund um das heilige Fest mittlerweile fest verankert?
Der wohl bekannteste dürfte der Adventkranz sein. Die vier Kerzen sind ein Symbol für das Kommen des „Lichts der Welt“. Weiters beschenken wir einander am Fest des Heiligen Nikolaus oder dass wir am Festtag der Heiligen Barbara Zweige abschneiden und darauf hoffen, sie bis Weihnachten zum Blühen zu bringen. Der christliche Brauch des Besuchs der Rorate-Messen im Advent, zu Ehren der Gottesmutter Maria, erlebt seit einigen Jahren ein erfreuliches Comeback, weil er dazu beiträgt, uns wieder auf das Wesentliche zu besinnen.

Adventzeit früher versus heute. Hat sich diese verändert?
Die Adventzeit ist ja ursprünglich eine Fastenzeit und eben eine Zeit der intensiven Vorbereitung auf das Kommen des Erlösers. Leider sind diese Aspekte ziemlich in den Hintergrund gedrängt worden. Sicher hat auch die zunehmende Kommerzialisierung ihren Teil zur Veränderung beigetragen.

Sie haben es schon angesprochen. Was denken Sie darüber, dass Weihnachten in der heutigen Zeit eher in einen Konsumrausch ausartet?
„Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“ Diese Worte möchte man zuweilen Menschen nachrufen, die in der Vorweihnachtszeit unermüdlich nach Geschenken hetzen und jagen, von einem Event zum anderen eilen und doch dabei in ihrem Innersten unerfüllt und unzufrieden sind. Die Suche nach Glück im Konsumrausch bleibt letztlich immer erfolglos.

Wie könnte man die Adventszeit besser verbringen?
Ohne die innere Einstimmung auf das Weihnachtsfest bleibt alles schal und leer. Je lauter und stärker die vielen Reize des Konsums auf die Menschen einwirken wollen, desto mehr taucht in vielen auch immer wieder das Bedürfnis nach Stille, Konzentration auf das Wesentliche und nach Rückzug in die Geborgenheit der Familie auf. Es ist auch die Gelegenheit, Beziehungen in der Familie zu stärken. Diese Zeit sollte auch dazu dienen, Lebensziele und auch Beziehung zu Gott und anderen Menschen zu reflektieren.

Sind in dieser Zeit die Gottesdienste besser besucht?
Ich bin immer wieder positiv überrascht und erfreut. Viele Menschen suchen bewusst die Stille, das Unspektakuläre und die besondere Stimmung dieser Gottesdienste. Auch zur Segnung der Adventkränze kommen viele Familien mit ihren Kindern, denn es gibt kaum eine Familie, in der es keinen Adventkranz gibt. Natürlich ist in unserer Kirche immer genug Platz frei für mehr Besucher.

Welches ist eigentlich Ihr liebstes Weihnachtslied?
Natürlich kenne ich von Kindheit an sehr viele polnische Weihnachtslieder. „Stille Nacht“ ist sicher mein Favorit, denn egal in welcher Sprache, dieses verbindet uns alle.
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