24.03.2017, 19:42 Uhr

Themenwoche „Roma und Sinti“ – Anders und abwechslungsreich

Mit bewundernswert sanfter Stimme las Laher die teils aufwühlenden Passagen aus seinen Werken.
BRAUNAU. Die Themenwoche der Gruppe RoSi und der Initiative eine Welt begann am 18. März mit einer Lesung und endete am 23. mit einem Filmabend. Sie wurde ins Leben gerufen, um die Situation der Millionen Roma und Sinti in Europa wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken.

Beklemmende Gefühle

Ludwig Lahers Werke gehen an die Substanz. Aha-Erlebnisse und das Hinterfragen der eigenen Sichtweise und Vorurteile im Bezug auf Roma und Sinti, sind ein fester Bestandteil der Lesungen von und mit dem gebürtigen Linzer und mehrfachen Literaturpreisträger.

Laher berichtet aus dem wahren Leben und lässt jene zu Wort kommen, die es lange Zeit nicht durften oder konnten. Er las unter anderem auch aus seinem Buch „Herzfleischentartung“ und erzählte vom „Zigeunererhaltungslager“ in St. Pantaleon, das 1940 von der SA errichtet wurde. Es diente dazu, hunderte willkürlich Inhaftierte zu quälen und umzubringen. Die Geschichten sind nichts für schwache Nerven, aber Werke wie „Und nehmen was kommt“, „Herzfleischentartung“ und „Uns hat es nicht geben sollen“ tragen dazu bei, nicht nur diese jahrhundertelange unterdrückte Minderheit besser zu verstehen, sondern auch im heutigen Kontext, in einem immer stärker ausgeprägten Klima der Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie, zu reflektieren und gängige Sichtweisen zu hinterfragen.

Musik und Balkanspezialitäten

Die Lesung wurde von Musik von der Gruppe Push ̍n Pull untermalt und endete mit einem Balkanbuffet mit Spezialitäten von Elma Pandžić (Blog/Youtubekanal: Hanuma kocht) und Arifa Perviz. Von herzhafter Pita über Honigtorte und „Russische Mützen“ bis hin zu Himbeerschnitten – die Auswahl war groß und auch der Hunger bei den Anwesenden. „Die Zubereitung der Speisen hat zwar viel Zeit in Anspruch genommen, aber es hat Elma und mir viel Freude bereitet, den Braunauern und Braunauerinnen unsere Kultur auf diese Weise näher zu bringen“, berichtet Arifa Perviz.

So zornig war er gar nicht, der Buddha…

Am Donnerstag wurde im Dieselkino Braunau der Film „Der zornige Buddha“ vorgeführt. Da der Regisseur Stefan Ludwig verhindert war, konnte zwar kein Publikumsgespräch stattfinden, doch die gute Laune des Publikums trübte das nicht. „Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, mit dabei zu sein, als wäre ich zu Gast in einer Roma-Familie“, berichtet eine Kinobesucherin. „Wenn man sieht, wie diese Menschen leben und mit welchen Voraussetzungen sie geboren werden, lernt man erst sein Leben hierzulande zu schätzen“, berichtet eine andere.

Eines gefiel allen im Publikum besonders gut – der Humor der Roma, ohne den ihr schwieriges Leben kaum zu meistern wäre und der Optimismus des Lehrers Janos, der trotz aller Widerstände, „seinem Volk“ mit Bildung zu einem besseren Leben verhelfen will. Der Film erhielt von Kritikern das Prädikat „besonders wertvoll“ und eignet sich mit seiner Thematik auch für ein jugendliches Publikum.
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