08.11.2016, 09:13 Uhr

Bürger kämpfen gegen Wohnbau

Bürgermeister Christian Kager: "Der Vollzug des Baurechts löst oft große Emotionen aus."

Geplante Genossenschaftswohnungen stoßen den Ibmern sauer auf

IBM (ebba). In Ibm, einem Ortsteil von Eggelsberg, regt sich derzeit Protest gegen einen Wohnbau der Gewog. Geplant sind zwei dreigeschossige Wohnbauten mit je acht Wohneinheiten und drei mal drei zweigeschossige Reihenhäuser.

Viele Einwohner in Ibm sind damit nicht einverstanden, da der "verdichtete Wohnbau" am Rande des Ibmer Moores und Naturschutzgebietes Pfeifenanger realisiert werden soll. Man befürchtet Beeinträchtigungen für dieses Gebiet. Außerdem rechnen die Ibmer damit, dass die Hochwasserbedrohung im Bereich des Baches "Saggraben" dadurch noch weiter steigt. 107 Unterschriften hat die Bürgerinitative Ibm schon gesammelt, um das Bauprojekt zu verhindern, welches überdies auch nicht ins Ortsbild passe.

Auch steht der Vorwurf im Raum, der Bürgermeister wolle sich die familiären Gründe damit vergolden, denn das Grundstück, auf dem die Gewog bauen will, ist im Besitz der Schwester des Bürgermeisters. "Die Gründe sind seit über 30 Jahren als Wohngebiet gewidmet und was meine Schwester damit macht, ist einzig und allein ihre Sache. Ich kann ihr nicht vorschreiben, an wen sie verkauft. Ich werde auch keine Baugenehmigung aufheben, weil die Bürgerinitiative dagegen ist. Außerdem sind die Vorwürfe nicht nachvollziehbar. Meiner Meinung nach geht alles von einer Familie aus, die sich in ihrer Aussicht eingeschränkt fühlt. Dabei sind die Häuser 20 bis 30 Meter vom nächsten Nachbarn entfernt, werden nur etwa zehn Meter hoch und bekommen flache Dächer", sagt Bürgermeister Christian Kager (ÖVP).

Im Gemeinderat wurde der Antrag des Bürgermeisters, den Wohnbau in Ibm durchzuführen, in der Sitzung Ende Juni abgelehnt. Rückblickend soll dieser Antrag jedoch ohnehin nichtig sein, da eine Zustimmung des Gemeinderates für das Vorhaben gar nicht notwendig sei, klärt Bürgermeister Kager auf. Der Vollzug des Baurechts sei Sache des Bürgermeisters, der damit als erste Instanz der Baubehörde agiert.

"Wie kann man von einem sozialen Wohnbau sprechen, wenn in Ibm keine Infrastruktur gegeben ist?", kritisiert Birgitt Goldberger aus Ibm. Das Zentrum von Eggelsberg wäre ein viel besserer Standort für solch ein Bauvorhaben, meint Goldberger.

Aufgrund des Protestes rief Bürgermeister Kager am 3. November kurzfristig zu einem Infoabend ein. Dabei äußerte er sich auch zur Hochwassersituation: Das Wasser würde nur am "eigenen Grund" versickern und so nicht in den nebenliegendenden Saggraben-Bach gelangen. Die Bürgerinitiative zweifelt dies aber weiter an, da das zu bebauende Grundstück ein Gefälle zum Bach hin aufweist.

Während des Infoabends erfolgte ein Vorschlag seitens der anwesenden FPÖ-Fraktion, die Gemeinde solle die Gründe in Ibm kaufen und daraus Baugrundstücke "Wohnen am Waldrand" für Einfamilienhäuser leistbar anbieten. Dies wurde von den anwesenden Ibmern, einschließlich der Bürgerinitiative, als sehr guter Vorschlag begrüßt. Da damit die Hauptforderung der Bürgerinitiative "Wohnbau der sich an das Orts und Landschaftsbild und an den Naturschutz anpasst" erfüllt würde. Der Bürgermeister machte dazu keine Aussagen, er prüfe jedoch die Möglichkeit mit der Grundstückseigentümerin und dem Gemeinderat.
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