17.07.2017, 20:00 Uhr

Ein Fehler, mit dem sich alles ändert

Bei 2,0 Promille steigt das Unfallrisiko laut Verkehrsclub Österreich auf das 35-fache. (Foto: panthermedia.net/akarelias)

"Don‘t drink and drive": Nüchtern für jeden nachvollziehbar. Im Rausch oft schnell vergessen.

BEZIRK (ebba). Der tragische Verkehrsunfall Anfang Juli, bei dem ein dreifacher Familienvater und beliebter Lehrer aus Ostermiething ums Leben kam, hinterließ bei vielen Fassungslosigkeit: Ein alkoholisierter (1,74 Promille), zudem führerscheinloser Autolenker geriet von der Fahrbahn ab und krachte frontal gegen einen entgegenkommenden Motorradfahrer. Der 49-Jährige hatte keine Chance. Er verstarb noch an der Unfallstelle. Der Alkolenker wurde wegen grob fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr angezeigt.

"Viele sind sich nach wie vor der Konsequenzen nicht bewusst. Angefangen vom Führerscheinentzug, der mitunter zum Jobverlust führen kann, bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung. Wenn ein Unfall unter Alkoholeinfluss besonders schlimm endet, etwa mit einer Behinderung eines Unfallbeteiligten, muss der Verursacher diesen auf Lebenszeit erhalten. Denn die Versicherung steigt natürlich aus, wenn Alkohol im Spiel war. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn dabei jemand ums Leben kommt", warnt Chefinspektor Günter Schiefegger vom Bezirkspolizeikommando Braunau.

"Wir überwachen mit eigenen Streifen und führen Schwerpunktkontrollen durch. Aber leider können wir nicht alles verhindern", sagt Schiefegger. Allein heuer, bis zum 12. Juli 2017, ereigneten sich auf den Braunauer Straßen 22 Alko-Unfälle mit Verletzten. Zwei Unfälle endeten tödlich, alkoholisiert waren stets die Unfallverursacher.

"Illuminierter" Juli

Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) steigt im Juli das Risiko für Alko-Unfälle in Oberösterreich. Denn in den vergangenen drei Jahren passierten im Juli um ein Drittel mehr Alko-Unfälle als im Schnitt der anderen Monate, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt.

"In den Regionen passieren viele Alko-Unfälle am Heimweg von Veranstaltungen. Hier braucht es dringend ein Angebot an Anrufsammeltaxis oder Discobussen", meint Christian Gratzer, Sprecher des VCÖ. Da diese Angebote nicht kostendeckend sind, schlägt der VCÖ vor, dass den Gemeinden ein Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen dafür zur Verfügung gestellt wird.

Laut Günter Schiefegger liegt das Problem im Bezirk Braunau woanders: "Nach Festln passiert bei uns eher weniger. Meist bleibt einer nüchtern und bringt seine Freunde nach Hause oder der Veranstalter stellt einen Heimbringerdienst zur Verfügung. Bei uns sind eher die privaten Feiern ein Problem, nach denen sich viele noch ans Steuer setzen", schildert der Polizeibeamte aus seiner Erfahrung.

Zur Sache:
Mit 1. Juli 2017 wurde die Probezeit beim Probeführerschein auf drei Jahre verlängert. In diesen drei Jahren gilt die 0,1-Promille-Grenze.

Alkohol am Steuer kostete in den vergangenen drei Jahren in Oberösterreich 16 Menschen das Leben, 1.579 Personen wurden verletzt. Allein im Juli passierte jeder neunte Alko-Unfall.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) weist darauf hin, dass bereits bei 0,5 Promille das Unfallrisiko doppelt so hoch ist wie bei 0,0 Promille. Bei 1,0 Promille steigt das Unfallrisiko auf das Siebenfache und bei 2,0 Promille auf das 35-Fache.

Laut Christian Gratzer vom VCÖ zeigen Daten für ganz Österreich, dass neun von zehn Alko-Lenkern Männer waren.
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