12.09.2017, 22:00 Uhr

Leichenfund in Haigermoos: Verdächtiger geständig

(Foto: klickable/Fotolia)
SALZBURG, HAIGERMOOS (ebba). Einer der drei Verdächtigen im mutmaßlichen Mordfall Roland K. hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Salzburg heute mit. Der 24-jährige Musiker aus dem Flachgau belastet damit sich selbst sowie die zwei weiteren in U-Haft sitzenden Verdächtigen.

Der Musiker soll demnach gemeinsam mit seiner 20-jährigen Freundin den Salzburger Roland K. mit Schlaftabletten betäubt haben. Diese hatten sie ihm über weiße Pralinen verabreicht. Sie fesselten den Mann, knebelten ihn und stülpten ihm einen Sack über den Kopf.

Der 63-jährige Millionär, der in einer Villa in der Stadt Salzburg wohnte, wurde seit Juli 2016 vermisst. Im Zuge der Ermittlungen nahm die Polizei im April den Musiker aus dem Flachgau fest. Er war es, der den Hinweis zur Auffindung der Leiche gab. Der Tote wurde schließlich im Mai 2017 in einem aufgelassenen Schweinestall in Haigermoos entdeckt. Das Anwesen gehört einem 29-jährigen Wirten. Aufgrund der starken Verwesung konnte die genaue Todesursache nicht mehr festgestellt werden. Laut Ermittlern könnte Roland K. an dem eng anliegenden Beutel über seinem Kopf erstickt sein.

Abgefangener Brief brachte Bewegung in Causa

Ende August 2017 wurde ein Brief an die Freundin des Musikers abgefangen, da ein Mithäftling der Polizei einen Tipp gab. Ein Freigänger sollte das Schreiben offenbar aus dem Gefängnis schmuggeln. Die Frau wurde ebenfalls in U-Haft genommen.

In dem Brief soll der Musiker an seine Freundin geschrieben haben, er habe alles versucht, um sie da herauszuhalten. Er habe die Sache mit den Schlaftabletten dem Wirten untergeschoben. Er habe sie schützen wollen, aber sie müsse weiterhin seine Freundin bleiben, sonst müssten sie beide zehn Jahre ins Gefängnis, wie Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg, Barbara Fischer, aus den Angaben des 24-Jährigen zitiert.

Dem Wirten war der Musiker wegen Kokain-Konsums noch 10.000 Euro schuldig geblieben, soll der Mann ausgesagt haben. Der Wirt habe ihn gedrängt, er solle ihm endlich das Geld geben und gemeint, er könne doch Roland K. fragen. Weil der 63-Jährige davon nichts wissen wollte, habe der Wirt vorgeschlagen, der Musiker solle K. doch mit Schlaftabletten betäuben und ausrauben, sagte der 24-Jährige.

Mit Nachtisch betäubt

Während der Wirt in Ungarn weilte, hätten er und seine Freundin Roland K. am 19. Juli 2016 zu sich nach Hause in den Flachgau zum Abendessen eingeladen. Zu Nachtisch servierten sie ihm dann die weißen Pralinen. Weil er gewusst habe, dass K. weiße Pralinen mochte, habe seine Freundin Schlaftabletten in die Füllung gemischt.

Nachdem das Opfer schläfrig geworden sei, hätten sie es in dessen Wagen nach Salzburg gefahren und dort in seinen Keller getragen. Danach hätten sie den Mund des Mannes mit Klebeband zugeklebt, ihn mit Kabelbindern an Händen und Füßen gefesselt und über seinen Kopf einen Beutel für Steiff-Teddybären gestülpt. Als die Freundin zu weinen anfing, seien sie zu sich nach Hause in den Flachgau gefahren. Am selben Abend sei der Musiker jedoch nochmals in die Villa zurückgekehrt. Da habe er gesehen, dass K. bereits tot war.

Zwei Tage später, am 21. Juli, habe er die Leiche im Keller der Villa verpackt, in den Wagen des Opfers geladen und sie damit in den Flachgau gefahren, wo er das Fahrzeug in die Tiefgarage seiner Wohnung gestellt habe. Als er den Wirten davon erzählte, habe dieser gemeint, er müsse die Leiche verstecken. Einige Tage später sei er ins Innviertel gefahren und habe den Wagen dort in eine Garage gestellt. Der Wirt soll anschließend Schmuck, Teppiche und Uhren aus der Villa des Salzburgers geräumt haben – sozusagen als Entschädigung für die Schulden, die der Musiker bei ihm hatte.

Dem Mord folgte Raub

Nachdem er seiner Freundin vom Ableben des Salzburgers erzählt hatte, wollte auch sie noch etwas aus der Villa holen, erzählte der Musiker laut Staatsanwaltschaft. Die 20-Jährige habe zwei Teddybären aus dem Haus von K. mitgenommen. Danach hätten er und der Wirt die Leiche in dem Schweinestall in Haigermoos vergraben. Laut dem Musiker soll der Wirt den Plan ausgeheckt und sich ein Alibi verschafft haben. "Das Geständnis geht dahin gehend, dass sie den Mann nicht töten wollten, sondern betäuben und ausrauben“, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Gegen alle drei Verdächtigen ist der Tatverdacht des Mordes aufrecht. Nun wird zusätzlich wegen Raubes ermittelt. Die Angaben des Verdächtigen müssten laut Staatsanwaltschaft noch überprüft werden.

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https://www.meinbezirk.at/braunau/lokales/mordfall-roland-krenn-todesursache-nicht-mehr-feststellbar-d2235718.html
https://www.meinbezirk.at/braunau/lokales/bei-gefundener-leiche-handelt-es-sich-um-roland-krenn-d2122115.html
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