10.09.2014, 13:17 Uhr

Patenschaft Waldrapp

Alexandra Scope und Marketa: Die Medizinerin operierte den Vogel, nachdem er angeschossen wurde. Sie schiente den Flügel, das Projektil steckt allerdings immer noch in der Wunde. (Foto: Waldrappteam)
Bürgermeister Horst Patsch hat die Patenschaft für den Waldrapp "Marketa" übernommen.

Es ist mir ein besonderes Anliegen mit der Übernahme der Patenschaft die Erhaltung dieser bedrohten Tierart zu unterstützen.

Am 6. Juni wurde der männliche Waldrapp ‚Marketa‘ aus der Brutkolonie Burghausen in Bayern angeschossen. Er befand sich auf Futtersuche im Gemeindegebiet von Ach in Oberösterreich, als er von einem Projektil eines Luftdruckgewehres am Flügel getroffen wurde, abstürzte und sich einen Flügel brach.

Dieser Vorfall ist auf das schärste zu verurteilen. Ich hoffe das der Schütze noch ermittelt werden kann.

Nach den letzten Informationen ist Marketa auf dem Weg der Besserung und wurde ins Winterquartier nach Orbetello in Italien gebracht.

Alle Infos finden Sie auf der Webseite des Waldrappteam.

www.waldrapp.eu

Waldrapp-Projekt vom 15.07.2014: Neue alte Heimat für den Vogel in Burghausen | BR Mediathek VIDEObr.de

Für einen Wildvogel wäre das der sichere Tod gewesen. Im Falle von Marketa wurde das Projektteam von einer Spaziergängerin informiert. Der Vogel wurde abgeholt und nach Wien auf die Veterinärmedizinische Universitätsklinik gebracht. Prof. Alexandra Scope, die das Waldrapp Projekt medizinisch betreut, operierte ihn umgehend. Der Bruch wurde geschient. Das Projektil konnte laut Alexandra Scope nicht entfernt werden, weil die Wunde zu stark angeschwollen war. Nun wird der Vogel vorerst in der Greifvogelstation Haringsee, Prof. Hans Frey, betreut.

Marketa hat mit seiner Partnerin Jack zwei Küken. Marketa wird für die Brut jedenfalls ausfallen und Jack muss die Jungvögel fortan alleine großziehen. Wir hoffen, dass sie das schafft. Das Betreuerteam aus Burghausen wird sie dabei nach Möglichkeit unterstützen indem sie Jack zusätzliches Futter bietet. Ob Marketa wieder in die freifliegende Kolonie integriert werden kann ist ungewiss, da er dafür wieder sein volles Flugvermögen zurückgewinnen muss.

Für das Waldrapp-Projekt wäre der Ausfall von Marketa ein erheblicher Schaden. Die Kolonie ist im Aufbau begriffen und besteht derzeit noch aus weniger als 20 Individuen. Solche Vorfälle können die Entwicklung der Kolonie erheblich beeinträchtigen.

Insbesondere aber ist der Vorfall als ein Akt grausamer und rücksichtsloser Tierquälerei zu verurteilen. Gerade am Beispiel des Brutvogels Marketa zeigt sich welches Leid ein derartiges, möglicherweise unbedachtes Vergehen verursachen kann, für den betroffenen Vogel selbst, für seine Partnerin und die Küken, welche wohl nur dank des Engagements des lokalen Betreuerteams überleben aber trotzdem wahrscheinlich in ihrer Entwicklung beeinträchtigt sein werden. Es fällt in diesem Fall insbesondere auch ins Gewicht, dass die Waldrappe im Umfeld von Burghausen inzwischen sehr bekannt und beliebt sind. Der Schütze dürfte demzufolge durchaus gewusst haben, dass er auf eine Vogelart schießt um deren Schutz und Erhaltung sich gegenwärtig viele Personen und Institutionen einschließlich der Stadtverwaltung Burghausen und des Bund Naturschutz in Bayern e.V. intensiv bemühen.

Allein der unmittelbar entstandene materielle Schaden für das Projekt einschließlich der Kosten für die Behandlung wird mit € 3.000-4.000 veranschlagt. Eine Schadenersatzforderung behalten wir uns vor.

Waldrappe sind auf der Roten Liste bedrohter Arten als hochgradig gefährdet gelistet (Critically endangered C2a(ii); IUCN Red List of Threatened Species). Auf der Liste der weltweit am stärksten gefährdeten Vogelarten wird der Waldrapp aktuell an 12. Stelle geführt. (http://www.edgeofexistence.org). Die Vogelart ist in Österreich und Deutschland geschützt. Marketa ist ein Vogel des von der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen des Förderprogrammes LIFE+ co-finanzierten Artenschutzprojektes (LIFE+12-BIO_AT_000143).

Die illegale Vogeljagd ist die primäre Todesursache im Rahmen dieses Artenschutzprojekts. Rund drei Viertel der Todesfälle sind darauf zurück zu führen. Bislang waren die Abschüsse auf Italien beschränkt. In den letzten beiden Jahren konnte die Anzahl an Abschüssen durch intensive Maßnahmen, in Zusammenarbeit mit ital. Jagdverbänden und anderen Partnern reduziert werden. Der Abschuss von Marketa ist der erste bekannte Vorfall dieser Art außerhalb Italiens.
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