22.10.2014, 08:26 Uhr

Richtiges Verhalten bei Wildwechsel und Wildtierfund

(Foto: Oö. Landesjagdverband)
BEZIRK (ebba). Der Herbst erfordert besondere Vorsicht im Straßenverkehr. Die Gefahr, mit einem Wildtier zusammen zu treffen, ist jetzt besonders hoch. Entsprechend aufmerksam sollte man entlang von Waldrändern fahren. Im Jagdjahr 2013/14 (1. April 2013 bis 31. März 2014) stießen im Bezirk Braunau 878 Wildtiere mit Fahrzeugen zusammen. Die gewaltigen Kräfte, die bei einer Kollision mit Wild auf das Fahrzeug einwirken, werden häufig unterschätzt: So beträgt das Aufprallgewicht eines Wildschweins mit 80 Kilogramm Körpergewicht auf ein 50 km/h schnelles Auto zwei Tonnen.

Um eine Kollision zu vermeiden, sollten Autofahrer die Warnzeichen "Achtung Wildwechsel!" beachten, das Tempo reduzieren, vorausschauend und bremsbereit fahren und ausreichend Abstand zum Vorderfahrzeug einhalten. "Springt ein Wildtier auf die Straße, Gas wegnehmen, abblenden, mehrmals kurz hupen und abbremsen, wenn es die Verkehrssituation zulässt. Wild quert selten einzeln die Straße, dem ersten Tier folgen meist weitere", weiß Wildbiologe Christopher Böck vom oö. Landesjagdverband.

Kommt es zu einer Kollision, muss wie bei jedem anderen Unfall reagiert werden: Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen. "Die Polizei muss auf jeden Fall verständigt werden, ansonsten macht man sich wegen Nichtmeldens eines Sachschadens strafbar und bekommt keinen Schadenersatz durch die Versicherung", warnt Böck. Selbst wenn das Tier nur angefahren wurde, muss die Polizei verständigt werden. Diese kontaktiert dann die örtliche Jägerschaft, die sich mit einem Jagdhund auf die Suche nach dem Tier macht, um es gegebenenfalls von seinem Leid zu erlösen. "Nicht jeder Unfall endet sofort tödlich für das Reh. Was das Tier in der Zeit mitmacht, weil der Unfall nicht gemeldet wurde, ist keine schöne Vorstellung", betont Franz Reinthaler, Referent des Bezirksjagdausschusses Braunau. Keinesfalls darf getötetes Wild mitgenommen werden. Dies gilt als Wilderei uns ist strafbar.

Richtiges Verhalten bei Wildtierfund
"Wildtiere sollte man möglichst dort lassen, wo man sie gefunden hat oder man bietet ihnen ein Versteck. Man sollte sich immer im Bewusstsein halten, diese Tiere könnten in Panik geraten und aus Selbstschutz beißen", sagt Böck. Findet man ein junges Wildtier alleine auf, muss das nicht heißen, dass es nicht versorgt wird und Hilfe benötigt. "Es ist ganz natürlich, dass ein Jungtier von der Mutter alleine gelassen wird, weil diese sich auf Nahrungssuche macht", erklärt Reinthaler, und ergänzt: "Nur die wenigsten können richtig deuten, ob ein Tier Hilfe benötigt."
"Die beste Überlebenschance hat Wild immer draußen. Es ist falsche Tierliebe, wenn ich glaube, ich muss jedes Wildtier einsammeln. Außer das Tier ist offensichtlich verletzt, dann sollte man sich natürlich darum kümmern und die zuständigen Stellen informieren", sagt Böck.

Was die Zuständigkeiten anbelangt, muss beim Wild zwischen Tieren, die dem Naturschutzgesetz oder dem Jagdgesetz unterliegen, unterschieden werden. Jagdbares Wild wie Reh, Hase und Fasan betrifft die Jäger. Bei Igel, Eichhörnchen und Vögel betrifft es vorrangig den Naturschutz. Bei Haustieren betrifft es den Tierschutz. "Versierte Kontaktpersonen zu allen Bereichen – Jagd, Naturschutz und Tierschutz – können über jede Polizeidienststelle abgefragt werden", weiß Walter Christl, Sprecher des Naturschutzbundes Bezirksgruppe Schärding.

Wer sich entschließt, einem Wildtier zu helfen, sollte nicht auf den Selbstschutz vergessen. "Am besten Handschuhe anziehen und das Tier in einer ordentlichen Transportbox zum Tierarzt bringen. Österreich ist offiziell Tollwutfrei, dennoch ist eine gewisse Vorsicht bei Wildtieren anzuraten. Sie könnten andere Krankheiten übertragen. Auch bei Fledermäusen sollte man speziell aufpassen. Diese sind äußerst schützenswert, beißen aber. Das gilt generell für alle Säuger", sagt Böck.

Da man zu dieser Jahreszeit besonders viele Igel in der Natur beobachten kann, die noch vor dem Winterschlaf nach Unterschlupf und Nahrung suchen, informiert die Pfotenhilfe über den richtigen Umgang mit den stacheligen Vierbeinern, die unter Naturschutz stehen: "Wiegt ein Igel über 700 Gramm, ist das Überleben im Normalfall gesichert", erklärt Sascha Sautner, Sprecher der Pfotenhilfe . Sind die Igel gesund und kräftig, ist es für sie kein Problem, den Winter unbeschadet zu überleben. Befinden sich die nachtaktiven Tiere jedoch offensichtlich in Not und sind verletzt, sollten sie in menschliche Obsorge genommen werden. Doch hier rät die Pfotenhilfe, die Tiere besser in fachliche Hände, beispielsweise einer Igelpflegestation, zu geben. "Bei Fragen können Sie gerne jederzeit in der Pfotenhilfe unter 0664/5415079 anrufen, Unsere erfahrenen Pfleger geben Ihnen gerne wertvolle Tipps."
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