20.12.2017, 16:28 Uhr

Von Cannabis hin zu Crystal-Meth

Die Droge Crystal-Meth schädigt den Körper und setzt den Konsumenten auch psychisch stark zu. (Foto: Erowid.org/Kisps)

Kriminaldienstreferent Günter Schiefegger warnt davor, das Cannabisrauchen nicht ernst zu nehmen.

BEZIRK (ebba). Cannabis ist nach wie vor die (Einstiegs-)Droge Nummer eins im Bezirk Braunau. Immer wieder gibt es Erfolgsmeldungen der Polizei von ausgehobenen Cannabisplantagen oder Dealern, die den Beamten ins Netz gegangen sind. "Da sind oft ziemliche Profis am Werk. Die Plantagen befinden sich oft im ländlichen Bereich, an Plätzen, wo man es nicht vermuten würde", erzählt Günter Schiefegger, Kriminaldienstreferent beim Bezirkspolizeikommando Braunau.

"Heuer wurden zehn Kilogramm Marihuana sichergestellt. Aber auch Crystal Meth und Speed, mehrere tausende Euro an Drogengeldern, elf Schusswaffen – zum Teil nicht registriert oder gestohlen –, sowie mehrere Hundert Schuss Munition, Messer und verbotene Elektroschocker", zählt der Beamte auf. 238 Anzeigen, bei denen es um kleinere Mengen Drogen ging, plus 25 Anzeigen im Bereich größerer Drogendelikte, wurden 2017 an die Staatsanwaltschaft Ried erstattet.

Die Braunauer Polizei konnte heuer den Handel von 80 Kilogramm Marihuana, eineinhalb Kilo Crystal-Meth und einem Kilogramm Kokain klären. 21 Mal kam es zu Festnahmen, in 18 Fällen wurde die Untersuchungshaft über die Beschuldigten vom Landesgericht Ried verhängt. Bei den bisherigen Prozessen haben die Beschuldigten mehrjährige Haftstrafen ausgefasst. Unterstützt wurden die Suchtgiftermittler des Bezirkes Braunau von der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (ESG) bei Observationen, Festnahmen und Hausdurchsuchungen.

"Eine Saudroge"

Crystal-Meth ist eine der gefährlichsten Drogen auf dem Markt, da sie sowohl dem Körper, als auch der Psyche der Konsumenten, massiv zusetzt. "Eine richtige Saudroge ist das", bekräftigt Bezirkspolizeikommandant Martin Pumberger.

"Die fürchterlichen Bilder von Konsumenten kennt man ja, mit ihren eingefallenen und aufgekratzten Gesichtern – da sie glauben, dass Käfer unter ihrer Haut krabbeln. Die Leute bekommen einen regelrechten Verfolger", vermittelt Schiefegger ein überdeutliches Bild, was es heißt, von dieser Droge abhängig zu sein. Neben Crystal-Meth ist auch Kokain laut dem Beamten wieder am Kommen.

Nichts verharmlosen

Bedenklich für Günter Schiefegger ist aber vor allem auch die Tatsache, dass der Cannabiskonsum mittlerweile verharmlost wird. "In den Eberhofer-Filmen und Tatort-Krimis zum Beispiel, werden die kiffenden Väter derart verniedlicht dargestellt, dass in den Köpfen der Zuseher das falsche Bild erzeugt wird, Kiffen wäre eh nichts Schlimmes", ärgert sich der Beamte. "Wir haben im Bezirk junge Leute von 16 Jahren, die drei bis vier Joints pro Tag rauchen. Und das Zeug von heute hat nichts mehr mit der Flowerpower-Droge aus den 60ern zu tun."

Sich einen bunten Mix aus aufputschenden Drogen wie XTC, Speed oder Kokain am Wochenende ein zu schmeißen und am Sonntagabend Cannabis zu rauchen, um wieder runter zu kommen, ist keine Seltenheit.
Der Konsum zieht sich durch alle Schichten. Eltern rät der Kriminaldienstreferent, ihre Kinder schon von Klein auf für das Thema zu sensibilisieren. "Kinder müssen lernen, dass es viel cooler ist, Nein zu sagen, als bei jedem Blödsinn dabei zu sein."

Hier wird geholfen

Heuer haben in den "EGO"-Suchtberatungsstellen im Innviertel bereits 576 Personen Beratung gesucht. "Bei EGO Braunau werden etwa 60 bis 80 Substituierte im Jahr betreut", erklärt Leiterin Elfriede Hütter-Fürthauer. Das Angebot von EGO, das auch die Beratung von Angehörigen, Arbeitgebern und Lehrern miteinschließt, umfasst die psychosoziale und psychologische Beratung und Behandlung sowie Psychotherapie und medizinische Beratung. "Unser Klientel wird jünger, weil wir auch die Konsumenten von Cannabis erreichen und dazu die Eltern, die sich oft zu Recht Sorgen machen", so Hütter-Fürthauer.

Zur Substitutionsbehandlung:
Menschen, die von Heroin, Morphinen oder von Ersatzdrogen, die sie sich illegal beschafft haben, abhängig sind, bekommen ein Ersatzmittel vom berechtigten Arzt oder von der Suchtambulanz der Klinik für psychische Gesundheit in Braunau verschrieben. Die zuständigen Amtsärzte überprüfen die Verschreibung. Die Patienten bringen das Suchtgiftdauerrezept in ihre Apotheke und nehmen dort das Medikament täglich und unter Aufsicht ein. Berufstätige bekommen ihre Tagesdosen auch mit und auch für das Wochenende oder für Urlaubszeiten gibt es Mitgaberegelungen. Viele Patienten bekommen L-Polamidon verschrieben oder Methadon, eine Trinkmischung. Wegen Unverträglichkeit erhalten einige zum Beispiel Substitol, eine Kapsel zum Einnehmen. Die Behandlungsdauer ist nicht begrenzt. Die Patienten sind zwar weiterhin abhängig von einem Medikament, sie erhalten dieses jedoch legal, werden ärztlich behandelt und psychosozial betreut. Jemand, der gut eingestellt ist, braucht nichts dazu zu nehmen und kann auch arbeiten gehen, sofern der sonstige Gesundheitszustand dies zulässt.
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