23.03.2017, 07:00 Uhr

Brief an Mahrer: "Bin höchst unzufrieden"

Die Bildungsreform lässt im Landesschulrat die Wogen hochgehen. Enzenhofers Vision: ein Konzept und eine Behörde für die Bildung vom Kleinkind bis zum 18. Lebensjahr. (Foto: panthermedia/poznyakov)

Der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer macht seinem Ärger über die Bildungsreform mit einem Schreiben an seinen Parteikollegen und Staatssekretär Harald Mahrer Luft. Nicht nur, dass die ÖVP-Landesschulratspräsidenten von den Verhandlungen ausgeschlossen wurden, ärgert ihn. Enzenhofer hätte sich eine noch umfassendere Reform gewünscht und fordert: Auch die Krabbelstuben und Kindergärten sollten mit allen Schulen unter eine gemeinsame Bildungsbehörde gestellt werden.

"Die gesamte Pädagogik in einer Hand." Das hätte laut Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer das Ziel der Bildungsreform sein sollen. "Ich möchte eine Reform, die alle Bildungsaufgaben vom Kleinkind bis zum 18. Lebensjahr in ein pädagogisches Konzept zusammenführt." Damit meint der Präsident auch die Krabbelstuben und Kindergärten. Ginge es nach ihm, sollten sie unter die Obhut des Landesschulrats beziehungsweise der künftigen Bildungsdirektion gestellt werden. "Inhalte, Pädagogen-Ausbildung und Aufsicht sollten in einem Gefüge sein", so der Präsident. Wo dieses Gefüge angesiedelt sein soll, ist für ihn klar: "Subsidiär – vor Ort wirksam, aber übergeordnet gesteuert." Mit "übergeordnet" meint Enzenhofer jedoch nicht das Bildungsministerium in Wien, sondern die nächsthöhere Ebene, das Land.

Interventionen bisher schwierig

Auch darüber hinaus ist Enzenhofer mit der Bildungsreform nicht zufrieden. Er befürchtet Interventionen des Ministeriums direkt auf die Schulen wegen der neuen Bildungsdirektionen, die die Landesschulräte ablösen sollen. Eingriffe aus Wien waren bisher schwierig. Das kommt daher, weil der Landesschulrat zwar eine Bundesbehörde, aber der Landeshauptmann Chef dieser Institution ist. Der amtsführende Präsident – in OÖ Fritz Enzenhofer – führt die Geschäfte und wird von einem politisch besetzten Kollegium gewählt. Die Bildungsdirektionen werden hingegen von einem Direktor geleitet, dessen "fachliche Eignung anhand von festgelegten Qualifikationen von einer Kommission festgestellt wird", heißt es vom Bildungsministerium.

"Es bedarf Steuerung"

Auch die freie Lehrerwahl, einer der Kernpunkte der neuen Schulautonomie, sieht Enzenhofer kritisch: "Wir gehen einem Lehrermangel entgegen. Wenn die Direktoren vom Linzer Römerberg und dem Franckviertel eine Lehrerin suchen, wofür wird sich eine junge Lehrerin entscheiden? Wenn sie keinen missionarischen Ehrgeiz hat, für den Römerberg. Ich kann es nicht einer Beliebigkeit überlassen, wohin die Lehrer gehen. Es bedarf Steuerung." Die Lenkung, welcher Lehrer welche Stelle bekommt, unterliege in OÖ einer Objektivierung.

Schreiben an den Staatssekretär

Enzenhofer ist so sauer, dass er seinem Parteikollegen Harald Mahrer, der als Staatssekretär die Bildungsreform mitentwickelt hat, eine Mitteilung schrieb: "Wie dir vielleicht bekannt ist, bin ich in der Frage der Verwaltungsreform und des Autonomiepakets höchst unzufrieden. Ich glaube, dass es nicht einmal in Ansätzen das bringen wird, was man sich erhofft, im Gegenteil", heißt es da. "Natürlich ärgere ich mich auch darüber, dass eine Einbindung der Profis und somit auch der ÖVP-Landesschulratspräsidenten nicht erfolgt ist. Die Information über Verhandlungsergebnisse ist für mich keine Einbindung in eine Verhandlung. Ich hätte mir erwartet, dass zumindest über die Grundzüge eine Abstimmung mit den ÖVP-Landesschulratspräsidenten erfolgt wäre." Und auf Mahrers Person bezogen schrieb er: "Es ist bezeichnend, dass der Satz ‚Je weniger sich jemand mit der Schule auskennt, umso mehr spricht er über die Organisation’ vollkommen zutrifft."
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