Jüdische Vergangenheit
Erster Gedenkspaziergang in der Brigittenau

Gedenken: Lichtinstallationen markieren die ehemaligen Standorte der 25 Wiener Synagogen.
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Beim ersten Gedenkspaziergang durch den Bezirk wurde an die jüdische Vergangenheit erinnert.

BRIGITTENAU.  Sechs Monate. So lange dauerte die Organisation des ersten Gedenkspazierganges durch die Brigittenau, erzählt Bezirkschef Hannes Derfler. „Es sollten Fachleute vor Ort sein, denn es soll ja einen Mehrwert für die Leute haben.“ Und Experten gab es einige. Auf einer Länge von über einem Kilometer hatte der Gedenkspaziergang fünf Stationen. Rund 50 Personen spazierten, beginnend beim Amtshaus, bis zum Gymnasium in der Karajangasse.

Mit dabei war auch der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG Wien), Dezoni Dawaraschwili. „Wichtig ist, dass Menschen ihre Sensibilität nicht aufgeben“, warnte er und rief zur Verteidigung der Demokratie auf, sollte dies einmal notwendig sein.

In der Kluckygasse kam Astrid Peterle, Kuratorin des Jüdischen Museums, zu Wort. Sie erzählte vom Brigittenauer Tempel, der von 1900 bis 1938 dort stand, wo jetzt ein Gemeindebau ist. Das Gebäude mit seinen zwei hohen Zwiebeltürmen wurde während des Novemberpogroms im Jahr 1938 zerstört.

Leuchtende Davidsterne

Neben einer Wandtafel erinnert auch ein Lichtzeichen an die Synagoge. „Wir haben für das Projekt mit der Universität für angewandte Kunst zusammengearbeitet“, erklärte Peterle. Das Lichtzeichen, das einen verbogenen Davidstern darstellt, kann man in ganz Wien finden. Es markiert die 25 Synagogen, die man beim Novemberpogrom zerstörte. Durch die Installationen sei der Gedenkspaziergang überhaupt erst entstanden. „Ganz viele kennen diese Zeichen, aber die wenigsten wissen, was sie bedeuten“, so Derfler.

In der Kaschlgasse erfuhren die Teilnehmer mehr über die Steine der Erinnerung. Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der IKG Wien, erinnerte an die jüdischen Strapazen. „1935 lebten rund 15.000 Juden in der Brigittenau, heute sind es nur mehr 462.“

Der Spaziergang endete im Gymnasium in der Karajangasse. In dessen Keller befindet sich ein Gedenkraum, in dem Schüler Klanginstallationen ausgestellt haben. Die Schule sei 1938 zum Gestapogefängnis umfunktioniert worden, wie Direktor Árpád Krämer erzählte. Einer der Häftlinge war Bruno Kreisky.

Weitere Spaziergänge geplant

Seit vier Jahren lädt Derfler die Brigittenauer zu Bezirksspaziergängen ein. „Voriges Jahr waren wir hinter den Kulissen des Millennium Towers“, erinnert er sich. Als Bezirkschef könne er Besuche an Orten organisieren, die Bürgern sonst versperrt bleiben.

„Zwei weitere Spaziergänge in diesem Jahr wären schön“, meint Derfler. Themen sind noch keine fix, Ideen gebe es genug. Auch ein erneuter Gedenkspaziergang sei möglich, immerhin gab es mehr Anmeldungen als Plätze.

Autor:

Patrick Krammer aus Leopoldstadt

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