Rückblick Brigittenau
Jüdisches Leben im 20. Bezirk

Reise in die Vergangenheit: Orthodoxe Juden am Mathildenplatz (heute Gaußplatz) im Jahr 1918.
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Ob Synagoge Kaschlschul oder Mathilden-Kino: Am Tag des Judentums wird an die jüdischen Wurzeln der Brigittenau erinnert.

BRIGITTENAU. Bevor der Faschismus in Wien die Oberhand gewann, gab es im 20. Bezirk ein vielfältiges jüdisches Leben. In der benachbarten Leopoldstadt entstand nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine lebendige jüdische Kultur, nicht aber im 20. Bezirk.

In Erinnerung an die einstigen jüdischen Zentren in Wien wird am 17. Jänner der "Tag des Judentums" gefeiert. Bei ökumenischen Gottesdiensten und Veranstaltungen wird an das einstmals vielfältige jüdische Leben in ganz Österreich erinnert und auch die Verwurzelung des Christentums im Judentum aufgezeigt. „Wichtig ist, dass Menschen ihre Sensibilität nicht aufgeben“, stellt der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG Wien), Dezoni Dawaraschwili, fest.

In der Brigittenau lädt die "Vernetzte Ökumene Wien West" gemeinsam mit der IKG Wien und der Gedenkstätte Karajangasse am 16. Jänner um 19 Uhr zu einer ökumenischen Gedenkveranstaltung in den Festsaal des Amtshauses (20., Brigittaplatz 10). Gemeinsam wird etwa an die ehemaligen Synagogen erinnert.

Die "Mazzesinsel"

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Wien rund 30.000, meist jüdische, Kriegsflüchtlinge. Zu ihnen stießen Pogromflüchtlinge aus Osteuropa. Der Bereich zwischen Donaukanal und Donau war das bevorzugte Einwanderungsgebiet für nach Wien kommende Juden. Man nannte die Gegend auch "Mazzesinsel". "Mazzes" ist jiddisch und bedeutet so viel wie "ungesäuertes Fladenbrot".

Ein Zentrum der jüdischen Bevölkerung im 20. Bezirk war der Gaußplatz. Dort wohnten zahlreiche Juden und viele Geschäfte, Lokale oder Häuser waren in jüdischem Besitz. Zudem war dort das Gebetshaus "Agudus Jeschurun" und das "Mathilden-Kino".

Synagogen und Schulen

In der Kluckygasse 11 befand sich der Brigittenauer Tempel, auch Vereinssynagoge Kluckygasse genannt. Die Synagoge mit zwei hohen Zwiebeltürmen eröffnete 1900. Im Jahr 1938 wurde sie während des Novemberpogroms zerstört. Ähnlich erging es der Synagoge Kaschlschul in der Kaschlgasse 4: Sie wurde während der Novemberpogrome im Jahr 1938 verwüstet, aber nicht zerstört, sodass sie bis zur Übernahme der NSDAP-Bezirksleitung im Jahr 1938 als Synagoge diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude an die IKG Wien zurückgegeben.

Das einzige jüdische Gymnasium Wiens gründete Oberrabbiner Zwi Perez Chajes im Jahr 1918 in der Staudingergasse 6. Nach der NS-Machtergreifung mussten alle jüdischen Kinder die Schule verlassen. In der Volksschule der Karajangasse 16 mussten jüdische Kinder nach dem "Anschluss" sogenannte "Israelitenklassen" besuchen und mussten später ebenfalls die Schule verlassen. Auch das Gebäude des heutigen Brigittenauer Gymnasiums hat eine dunkle Vergangenheit. "Dass die Schule während der NS-Zeit ein Gestapo-Lager war, wissen viele nicht", ist sich Direktor Árpád Krämer sicher. Heute befindet sich dort die Gedenkstädte Karajangasse.

Mehr Infos über die Gedenkveranstaltungen rund um den 17. Jänner gibt es auf der Homepage der Ökumene Wien oder auf Homepage des Ökumenischen Rats

Reise in die Vergangenheit: Orthodoxe Juden am Mathildenplatz (heute Gaußplatz) im Jahr 1918.
An die ehemalige Synagoge, die sich 1932 bis 1938 in der Kaschlgasse 4 befand, erinnert heute ein Davidstern.
Autor:

Kathrin Klemm aus Leopoldstadt

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