Höchstädtplatz
Wirbel um Platzumbenennung nach einstigem KPÖ-Chef Johann Koplenig

Vor Ort: Bezirksrat Erwin Krammer will die Umbenennung in Johann-Koplenig-Platz verhindern.
  • Vor Ort: Bezirksrat Erwin Krammer will die Umbenennung in Johann-Koplenig-Platz verhindern.
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Teil-Umbenennung des Höchstädtplatzes nach Johann Koplenig, einstigem KPÖ-Chef, lässt Wogen hoch gehen.

BRIGITTENAU. Der Höchstädtplatz ist ein Ort der Gegensätze: Während auf der einen Seite das Technikum Wien modernen Zeitgeist versprüht, sind auf der anderen das ehemalige Globus-Verlagsgebäude und der einstige Sitz der KPÖ Wien etwas in die Jahre gekommen. Aktuell sorgt letztere – auf Höhe der Hausnummer 3 – für Aufregung, denn will man den Bereich nach Johann Koplenig, dem langjährigen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), benennen.

Der Antrag für den neuen Namen wurde mit den Stimmen von SPÖ, Grünen, Neos und WienAnders im Bezirksrat angenommen, dagegen sprachen sich ÖVP, FPÖ sowie der Bezirksrat Erwin Krammer aus. Der endgültige Beschluss obliegt dem Gemeinderat. „Koplenigs Rolle im Bezirk war bis auf die KPÖ-Leitung nicht vorhanden. Warum soll er also mit einer Platz-Benennung geehrt werden?“, fragt Krammer.

Staatssekretär ohne Ressort

Bezirksrat Krammer hat, wie er erzählt, intensiv über den einstigen KPÖ-Chef recherchiert. "Zuletzt lebte er in Döbling. Auch in Österreich ist er nur durch seine Unterschrift auf der Unabhängigkeitserklärung aufgetreten", so der Fraktionslose.

"Das ist eine sehr kühne Herabsetzung“, entgegnet Professor für Zeitgeschichte an der Uni Wien, Oliver Rathkolb, Teil jener Kommission, die sich mit der historische Bedeutung von Persönlichkeiten, nach denen Wiener Straßen benannt sind, befasst. Denn das Staatsgründungsdokument sei das zentrale Dokument der Zweiten Republik, die die kommunistische Partei loyal mitbegründet hat.

„Johann Koplenig war Antifaschist sowie Kämpfer für die Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs“, stellt Bezirksrätin Emine Polat-Sürel (SPÖ) klar. Als gelernter Schuster kam Koplenig früh zum Kommunismus, was aber kein Verbrechen sei. Als Staatssekretär ohne Ressort war Koplenig Teil der Regierung Renners und Mitglied des politischen Kabinettsrates.

Nichtsdestotrotz sieht Krammer keinen zwingenden Grund für die Umbenennung. Auch fürchtet er, dass man ein falsches Signal aussende: „Wir sollten nicht ohne Not und Zeitdruck einem Kommunisten, der nur eine Unterschrift geleistet hat, eine so hohe Bedeutung beimessen.“ Denn solle man nur für verdiente Persönlichkeiten einen Platz im öffentlichen Raum schaffen.

Umsetzung noch offen

Neben Koplenig haben auch Karl Renner, Adolf Schärf und Leopold Kunschak die Österreichische Unabhängigkeitserklärung unterschrieben. Nach allen dreien sind Plätze und Straßen benannt. Deshalb fordert die KPÖ Brigittenau seit vielen Jahren die Umbenennung des Höchstädtplatzes. Bislang erinnert nur eine Büste vor dem Globus-Haus an den einstigen Vorsitzenden.

Wann es nun tatsächlich einen "Johann-Koplenig-Platz" in der Brigittenau geben wird, bleibt offen, denn hat der Gemeinderat noch keine endgültige Entscheidung getroffen. "Ich hoffe auf eine baldige und positive Erledigung durch die zuständigen Gremien der Stadt Wien", sagt Raoul Narodoslavsky, KPÖ-Brigittenau.

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Autor:

Sabine Krammer aus Floridsdorf

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