Nordwestbahnhof – Seit fast 10 Jahren keine Bewegung bei einem der wichtigsten Zukunftsprojekte unseres Bezirks: BürgerInnenbeteiligung unerwünscht?

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Das Nordwestbahnhof-Gelände erstreckt sich über 44 Hektar (ha). Das sind 440.000 m2 und entspricht rund 62 Fußballfeldern. Und da sind die Zulaufstrecken und Flächen am Bahndamm noch gar nicht miteingerechnet. Diese Größen zeigen deutlich um welche Dimensionen es sich hier bei diesem Projekt handelt. Und welche Bedeutung die Entwicklung des Nordwestbahnhof-Geländes für unseren Bezirk, die Brigittenau, haben wird.

Zur Entwicklung des Nordwestbahnhof-Geländes gibt es ein „Städtebauliches Leitbild“, das nun fast schon 10 Jahre alt ist (stammt aus der Zeit 2006 bis 2008). Grund genug sich zu überlegen, ob die damaligen Konzepte auch noch den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechen. Ich meine nein. Warum? Hier nur einige Überlegungen und Gründe, die diese Diagnose untermauern:

Das Leitbild beruht auf der Idee „Dorf in der Stadt“. Eine grundfalsche Basis für die Planung. Stadt ist Stadt und Dorf ist Dorf, Vermischen führt zu Problemen.

Der Nordwestbahnhof teilt heute den Bezirk in zwei Teile. Das Nordwestbahnhof-Geländes ist daher so zu entwickeln, dass das Gelände die beiden Teile mit einander verbindet und nicht – wie im aktuellen Leitbild vorgesehen - weiterhin trennt. Das Nordwestbahnhof-Gelände hat somit eine ganz starke integrative Bedeutung für die zukünftige Entwicklung unseres Bezirks. Diesen Aspekt berücksichtigt das Leitbild nicht bzw. nicht genügend.

• Neben Wohnhausanlagen sind auch gewerblich genutzte Bereiche in diesem (alten) Leitbild vorgesehen, also Büros und Geschäfte. Hier hat sich aber das Umfeld in den letzten zehn Jahren deutlich geändert. Vor allem gibt es keine zusätzliche Nachfrage nach neuen Büroflächen. Im Gegenteil, in Wien stehe heute viele Büroflächen leer. Auch diese Entwicklung berücksichtigt das Leitbild nicht.

Neue Wohnhausanlagen hingegen sind besonders wichtig und im derzeitigen Konzept unterrepräsentiert. In der Brigittenau wohnen derzeit rund 84.000 Menschen. In den nächsten 20 Jahren wird ein Anstieg der Bevölkerung auf 104.000 prognostiziert. Damit wächst in Wien bis zum Jahr 2034 nur die Donaustadt (22. Bezirk) schneller als unsere Brigittenau. Eine ausreichende Anzahl von leistbaren Wohnungen sind daher dringender notwendig als je zuvor. Auch diese Entwicklung berücksichtigt das Leitbild nicht.

• Wenn viele neue Menschen in unseren Bezirk ziehen, dann werden auch viele Kinder und Jugendliche in der Brigittenau sein. Diese jungen Menschen haben ein Recht darauf auch ausreichend und gute Schulen in der Umgebung zu haben. Das ist schon derzeit – besonders ab der Unterstufe - in der Brigittenau nicht der Fall und viele andere vergleichbare Bezirke können auf wesentlich mehr Bildungsplätze verweisen. Auf dem Nordwestbahnhof-Gelände wäre aber sehr viel Platz für Bildungseinrichtungen. Und Bildung für uns und unsere Jugend sollte uns allen wichtig sein. Auch diese Entwicklung berücksichtigt das Leitbild nicht.

Auch die Bevölkerungsstruktur hat sich in diesen rund 10 Jahren massiv verändert. Berücksichtigt man die Geburten und Sterbefälle, die Menschen, die in die Brigittenau zugezogen sind und jene, die wieder weggezogen sind, dann hat sich die Bevölkerung seit 2006 (= Beginn Nordwestbahn-„Bürgerbeteiligung“) um ganze 33 % verändert. Ein Grund mehr, die Menschen wieder zu fragen, wie sie sich das Nordwestbahnhof-Gelände in Zukunft vorstellen.

Mein Fazit:

Das derzeitige Leitbild zur Entwicklung des Nordwestbahnhof-Gelände ist hoffnungslos veraltet. . Das gesamte Projekt ist daher neu aufzusetzen.

Leider ist zu vermuten, dass – wie schon bisher – nur im stillen Kämmerlein unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die weitere Entwicklung des Nordwestbahnhof-Gelände beraten und eventuell nachadjustiert wird. Maximal ist eine BürgerInneninformation zu erwarten, was nichts anderes heißt: Die Bürgerinnen und Bürger der Brigittenau werden über Tatsachen informiert, die andere entscheiden. Die Bürgerinnen und Bürger werden aber nicht eingebunden, können auch nicht mitgestalten und auch nicht mit entscheiden.

Ein Blick auf die Nordwestbahnhof-Internetseite der Stadt Wien zeigt, dass diese Befürchtungen nicht unbegründet sind. Die „Abschlußveranstaltung BürgerInnenbeteiligung“ zum Nordwestbahnhof soll im Oktober 2008 (10/2008) stattgefunden haben. Informationen zu dieser Veranstaltung, zu einem Abschlussbericht sind dort aber nicht zu finden: Nordwestbahnhof - Planungsprozess

In den letzten zehn Jahren hat sich bei diesem so wichtigen Projekt für unseren Bezirk also bis heute nichts konkretes getan. Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger ist nur ein Lippenbekenntnis. Und das ist für so ein wichtiges Projekt einfach falsch. Die Bevölkerung in der Brigittenau hat ein vitales Recht darauf ihre unmittelbare Lebensumgebung mitgestalten zu können.

Wer Interesse hat, sich bei der zukünftigen Nutzung dieses riesengroßen Areals mit 440.000 m2 (rund 62 Fußballfelder) einzubringen, bitte einfach eine E-Mail schreiben an: nordwestbahnhof@outlook.com

Wo: Nordwestbahnhof, Nordwestbahnhof, 1200 Wien auf Karte anzeigen
Autor:

Erwin Krammer aus Brigittenau

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