19.12.2017, 16:23 Uhr

Brigittenauerin feierte ihren 104. Geburtstag

Elisabeth Cikanek lebt seit ihrer Kindheit in der Brigittenau - im November feierte sie ihren 104. Geburtstag
Elisabeth Cikanek lebt seit ihrer Kindheit in der Brigittenau – mit der bz teilt sie ihre schönsten Erinnerungen, erzählt aber auch von schwierigen Zeiten.

BRIGITTENAU. Nein, ein Rezept gebe es keines, um 104 Jahre alt zu werden. "Ich habe ein ganz normales Leben geführt, viel gearbeitet und Sport gemacht", sagt sie. "Und ich bin nie stehen geblieben, sondern immer weitergegangen." Das hat wohl seinen Ursprung in ihrer Kindheit, als sie mit ihrem Vater, einem begeisterten Bergsteiger, schon als Kind mit in die Berge gewandert ist. "Ich erinnere mich gut. Wir waren im Gehäuse unterwegs und ich war schrecklich müde, hätte mich am liebsten hingesetzt. Aber er hat gesagt, geh noch ein Stück weiter, du schaffst das, und kurz darauf waren wir wirklich am Ziel."

Bis heute liebt sie das Zu-Fuß-Gehen in der Stadt, weil es kurzweilig ist und man an vielen schönen Auslagen vorbeikommt. Nur geht es halt nicht mehr so oft und so flott, seit sie eine Gehhilfe benötigt. Als sie von früher erzählt, beginnen ihre Augen zu leuchten: "Im Sommer sind wir in der Donau geschwommen, mit dem Schiffanakel gefahren, oder haben ein Floß gebaut. Aber am liebsten hatte ich Wintersport, Eislaufen und Schifahren, das war fein!" Dazu fällt ihr auch gleich eine Geschichte ein: "Es war während des Krieges, ich hatte mir auf meine neuen Schier Stahlkanten montieren lassen, das war damals das Allerneueste. Am Heimweg von der Werkstatt habe ich dann das Plakat mit der Aufforderung gelesen, dass alle Schier für die Gebirgsjäger abzugeben sind. Ich bin richtig erschrocken. Daheim hab ich dann meine neuen Schier versteckt und die alten meines Bruders aus dem Keller geholt und abgegeben", lacht sie. 

Ausgleich in der Natur

Doch es gab auch wirklich harte Zeiten für Elisabeth Cikanek. Die gelernte Schneiderin, die stolz darauf war, handpikierte Krägen auf schöne Herrenmäntel - "der für meinen Mann war Pepita und hatte hinten einen schönen Dragoner" - und fesche Damenkleider zu nähen, wurde kurzerhand "dienstverpflichtet" um auf der Brigittenauer Lände bei der Firma Dräger Gasmasken zu nähen. "Wir wurden extrem streng gehalten, durften nicht reden, bekamen kein Essen. Die schauten schon schief, wenn man sich einen Erdapfel mitbrachte und dort im Ofen briet." Essen war lange Zeit rar, aber wenigstens kam ihr Mann, von Beruf Schlosser wie ihr Vater, unversehrt aus dem Krieg nach Hause. "Er war genauso sportbegeistert wie ich und verstand sich auch mit meinem Vater gut. Wir haben uns ja auch beim Schwimmen am Donaukanal kennengelernt und viele schöne Wanderungen gemacht, waren in Mariazell und Türnitz zum Schifahren", erinnert sie sich und ergänzt: "Eigentlich würde ich heute noch gerne Schifahren, wenn das ginge!" 

Der Kopf muss fit bleiben

Seit März 2004 lebt Elisabeth Cikanek im Pensionistenwohnhaus Brigittenau am Brigittaplatz. "Das Stiegensteigen daheim ging nicht mehr", sagt sie. Und sie hat auch keine Familie mehr. Aber zufällig lebt auch eine ehemalige Nachbarin hier und die beiden haben regen Kontakt. "Da sprechen wir von den alten Zeit, wie fein das war!" Und weil man schließlich wissen muss, was in der Welt los ist, liest die 104jährige Dame auch jeden Tag zum Frühstück ihre Zeitung. "Das interessiert mich!" Worauf sie sich wirklich freut? "Auf den Schnee. Da hat unser Bezirksvorsteher nämlich versprochen, mit mir einen Schneemann zu bauen!"
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