Groß angelegte Fahndung
Polizei nimmt Schlepper im Bezirk Bruck fest

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Die Polizei griff 38 unberechtigt aufhältige Personen, die in einem Kühl-Lkw versteckt nach Österreich kamen im Zuge einer groß angelegten Fahndung im Bezirk Bruck auf und nahm die Schlepper fest. 

BEZIRK BRUCK. Bei der Polizeiinspektion Bruck an der Leitha gingen mehrere Anzeigen ein, dass ein Lkw bei der A4 Autobahnabfahrt Bruck an der Leitha West abgestellt wurde und dass aus diesem zahlreiche Menschen ausgestiegen und in die umliegenden Felder geflüchtet seien. Unter Einsatz eines Hubschraubers der Flugpolizei und mehrerer Polizeistreifen wurde das Gebiet großräumig durchsucht. Die einschreitenden Polizistinnen und Polizisten nahmen insgesamt 38 Personen gemäß dem Fremdenpolizeigesetz vorläufig fest. Teilweise waren die aufgegriffenen Personen in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Sie wurden von Rettungskräften erstversorgt und anschließend, mit Unterstützung von Einsatzkräften des Bundesheeres, zur Polizeiinspektion Bad Deutsch Altenburg – Fremden- und Grenzpolizei verbracht. Im Nahbereich des Lkws hielt sich ein 51-jähriger türkischer Staatsbürger auf. Der in Rumänien lebende Mann wurde als Lenker des Lkws identifiziert und infolge vorläufig festgenommen.

Ermittlungen des Landeskriminalamtes NÖ

Kriminalisten des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Ermittlungsbereich Menschenhandel und Schlepperei, übernahmen die Amtshandlung. Intensive Erhebungen im In- und Ausland haben ergeben, dass der Lkw von Rumänien kommend, über Ungarn nach Österreich einreiste. Bei der Durchsuchung des sichergestellten Sattelkraftfahrzeuges nahmen die Beamten im hinteren Bereich des Kühlanhängers eine Falltür beziehungsweise eine in den Fahrzeugboden geschnittene Luke wahr. Im vorderen Bereich des Kühlanhängers befanden sich Papierkartonrollen, die so aufeinander gestapelt waren, dass beim Öffnen der hinteren Ladebordwand der Blick in das Innere des Anhängers versperrt war. Auf der Ladefläche befanden sich ebenfalls zahlreiche Papierkartonrollen, die nicht gesichert waren. Im Kühlaufbau des Anhängers konnte keine Möglichkeit der Belüftung festgestellt werden. Der Fahrtenschreiber des Lkws war manipuliert. Das zur Manipulation benötigte technische Equipment fanden die Beamten im Fahrzeug vor. Bei den mitgeführten Frachtpapieren handelt es sich um Fälschungen.

Gefährliche Fahrt im Lkw

Im Zuge der Zeugenbefragung gaben die geschleppten Personen an, dass sie auf verschiedenen Schlepperrouten, von der Türkei ausgehend nach Rumänien gekommen sind. Dort seien sie in einem ruinenähnlichen Haus für längere Zeit untergebracht gewesen, in dem sich insgesamt etwa 150 Personen aufgehalten hatten. Dann wurden sie zu einem Waldstück nahe der ungarischen Grenze verbracht, wo sie zur Weiterfahrt mit dem Lkw, über die Falltür in den Anhänger eingestiegen sind. Insgesamt hätten sich 43 Personen (davon sechs minderjährige Kinder) – syrische, irakische und türkische Staatsangehörige – in dem Kühlanhänger befunden. Die Zeugen berichteten über Todesangst und Sauerstoffmangel während der Fahrt. Zahlreiche Personen wurden temporär ohnmächtig; eine Person sei vollständig kollabiert. Schlussendlich habe man so laut auf sich aufmerksam gemacht, sodass das Fahrzeug kurz angehalten wurde. Einige Personen seien dabei aus dem Kühlanhänger geflüchtet. Während versucht wurde, einen Bewusstlosen durch die Luke zu bergen, sei der Lkw weitergefahren. Dabei soll eine Person beinahe überrollt worden sein. Den Moment, als das Sattelkraftfahrzeug später nochmals anhielt und der Lenker sich vom Fahrzeug entfernte, nützten alle noch im Anhänger befindlichen Personen zur Flucht. Für die Schleppung wurden Beträge zwischen 6.000 und 8.000 Euro bezahlt.

Weitere Ermittlungen 

Der 51-jährige Beschuldigte machte widersprüchliche Angaben zur Schleppung. Über Anordnung der Staatsanwaltschaft Korneuburg wurde er in die dortige Justizanstalt eingeliefert. Seitens des Landeskriminalamtes Niederösterreich werden weitere Ermittlungen gegen die kriminelle Organisation geführt. Von weiteren Opfern und durchgeführten Schleppungen ist derzeit auszugehen.
„Wir verzeichnen derzeit einen Anstieg der durchgeführten Schleppungen, denen wir mit verstärkten Maßnahmen entgegentreten. Im gegenständlichen Fall wurden auch Minderjährige unter menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Umständen in einem umgebauten Kühl-Lkw transportiert. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen fokussieren sich daher auf die Zerschlagung der verantwortlichen kriminellen Schlepperorganisation und dadurch auf die Unterbindung weiterer Straftaten“, resümierte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich Brigadier Omar Haijawi-Pirchner in Hinsicht auf die aktuelle Situation.

Grenzen schützen

Der österreichische Innenminister Karl Nehammer bezog Stellung: „Auch dieser Vorfall zeigt erneut auf, am eingeschlagenen Weg festzuhalten, die Grenzen zu schützen und den Kampf gegen die Schlepperei und illegale Migration konsequent weiter zu führen. Schlepperei ist ein menschenverachtendes Verbrechen, das nur durch sehr enge Zusammenarbeit, vor allem mit den Staaten des Westbalkans, nachhaltig bekämpft werden kann.“

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