12.11.2017, 12:52 Uhr

Wer bin ich?

Götzendorf an der Leitha: Erika Klann | Wie oft liest man in verschiedenen Ratgebern Dinge wie "Finde den Weg zu dir." - "Tu was dir gut tut." - oder z.B. in Social Media Sprüche die sinngemäß lauten wie "Ich bin wie ich bin, wer nicht damit zurecht kommt, ist selber schuld."

Weißt du wirklich, wer DU bist?

Weißt du, was du brauchst?

Weißt du, was dir gut tut?

Weißt du noch, wie deine Träume und Wünsche aussehen?

Kennst du wirklich und wahrhaftig dein innerstes Wesen?

Wenn JA, warum brauchst du es dann Sprüche, wie den obigen zu posten?


Wer bist du nun, bzw. wie bist du zu dem geworden was du heute bist ?


In unserer bisherigen Gesellschaft läuft es zumeist so, dass wir nach den Vorgaben unserer Eltern aufwachsen. Lange Zeit ist ihre Wahrheit auch die Unsere - wobei es auch wieder einen Unterschied macht, wie "mutig" du von klein auf bist und dich an diese Wahrheit anpasst, oder deine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen machst. Spätestens in der Pubertät beginnt für viele die "Revolte" die Werte der Eltern zu hinterfragen und seine eigenen Werte zu suchen. Aus meiner heutigen Sicht birgt diese "Revolte" ein enormes Potential für beide Seiten. Eltern bringt es die Möglichkeit ihre bisherigen Werte zu hinterfragen. Ebenso beginnt man zu überlegen, ob es auch wirklich die eigenen Werte sind, die da an das Kind weitergegeben werden, oder ob es die Werte der eigenen Eltern sind, die wir einfach automatisch weitergeben - ungeachtet dessen, ob diese Werte uns selbst gut tun/taten.


Meine Generation ist schon sehr in eine Vorgabe gepresst worden, die die meisten auch für sich als ihre Vorgabe weitergegeben haben. Noch schlimmer in der Generation meiner Eltern - Kinder hatten damals einfach zu funktionieren. Ihre Bedürfnisse wurden noch weniger "gesehen" oder beachtet. Hat ein Kind sich nicht entsprechend verhalten, folgte die Strafe sofort. Die Strafen waren ziemlich heftig, sehr häufig in Form von körperlicher Züchtigung, z.B. Schläge mit dem Gürtel oder knien auf Holzscheiten. Jeder Erwachsene durfte Kinder züchtigen - ob Lehrer in der Schule, Pfarrer oder Nachbarn. Diese Demütigungen haben diese Generationen geprägt und ihre Prägungen gaben sie an ihre Nachkommen weiter - wie konnte es auch anders sein und wie kann es auch anders sein, dass wir unsere Prägungen wieder an unsere Nachkommen weitergeben....


ABER, wenn wir reflektiert sind und erkennen, wo unsere Prägungen und schmerzvollen Erfahrungen liegen - dann haben wir die Chance es anders zu machen und Pubertät als Chance zu sehen.


Wenn wir nun in unserer Pubertät unseren Weg noch nicht finden bzw. erkennen konnten, dann liegt die nächste Chance in der Partnerschaft. Wie oft kommt es vor, dass ein Partner sich dem anderen fügt, um nur ja zu entsprechen. Um die Partnerschaft nicht zu gefährden. Um nicht zu verlieren, sind wir bereit, alles zu tun und alles zu geben. Bis die Seele HALT! schreit. Als letzte Konsequenz folgt die Trennung.


Wäre es nicht einfacher gewesen, seine Wünsche und Bedürfnisse zu äußern? Einen gemeinsamen Weg zu finden. Die Balance zu halten, aufeinander zugehen - miteinander gehen.

Hört sich leicht an - aber wie soll das gehen, wenn wir sehr oft gar nicht wissen, wer wir wirklich sind - eben aus den aus unserer Kindheit "angelernten" Werten und Vorstellungen, wie eine Beziehung zu sein hat.


Das Leben bringt uns immer das was nötig ist, um den nächsten Schritt zu gehen und so kannst du auch bei einer Trennung sehr viel Neues über dich erfahren, wenn du bereit bist, dich selbst zu erkennen und auch anzunehmen. Dich selbst zu lieben mit allen Fehlern und Schwächen. Dich selbst wert zu schätzen und dir auch selbst zu verzeihen.


Wenn du dir selbst den Raum und die Zeit gibst, hast du nach einer Trennung wohl das erste Mal wirklich Zeit dich dir selbst zuzuwenden. In dir nachzufragen

- was wollte ich immer schon machen? - Hast es aber nicht getan, weil.......

Du hast die Freiheit vieles auszuprobieren. Gibt es einen Sport, den du immer schon machen wolltest, es aber nie getan hast?

Gibt es Bücher, Filme, Theater, Kabarett, Musical, Länder die dich immer schon interessiert hätten, du aber aus "Rücksicht" nie gelebt und angesehen hast? Gibt es Kulturen oder Religionen, die du dir mal ansehen wolltest? Wie geht es dir mit der Natur? Liebst du es, dich unter einem Baum oder an einen See zu setzen? Wie empfindest du die Kraft des Windes?

Hast du dich schon mit Meditation auseinander gesetzt? Hast du dir schon einmal bei einer Aufstellung angesehen, was dein Innerstes dir sagen möchte bzw. wie es mit Verstrickungen zu deinen Vorfahren aussieht? Verstrickungen die dich heute in deiner Lebenskraft hemmen. Kennst du dein inneres Kind?

Lebst du im Mangel zu wenig von allem im Leben bekommen zu haben. Opfer deiner Eltern, deines Partners, der Gesellschaft zu sein? Ständig benachteiligt?

Wie gehst du damit um, wenn jemand anderer glücklich ist. Eine positive Botschaft verbreitet.

Welches Gefühl macht sich bei dir breit. Kannst du dich einfach mitfreuen? Oder kommen Gefühle wie Missgunst und Neid, Eifersucht, Mangel, in dir hoch?

Bist du ständig am Tun und darauf angewiesen von allen geachtet und geliebt zu werden.

Tust du das, was du für andere tust, nur deshalb um ein "Ach wie toll hast du das gemacht." zu bekommen oder tust du Dinge um dir selbst eine Freude zu machen und kannst du auch ohne der äußeren Anerkennung glücklich sein?


Selbstverständlich ist äußere Anerkennung etwas Schönes und es soll auch nicht geschmälert werden. Lob ist etwas Feines und wirkt natürlich auch stärkend.


Der Unterschied liegt darin, ob dein Wohl-Befinden sich daran knüpft, gelobt zu werden oder bist du dir deinen Wert auch so bewusst?

Musst du Lügen-Geschichten erfinden - über dich, wie toll du bist - oder über andere - damit du dich selbst größer und besser fühlst? Ist dir bewusst, dass jede Lüge dich in Wahrheit klein macht?


Wer bist du? Wer bin ich? Wer sind wir? Wie sind wir gemeint?


Die Suche und die Erkenntnis sind nicht immer einfach. Aber beides lohnt sich!!!!


Wenn es aus dir immer öfters erklingt - ICH BIN GLÜCKLICH - ohne äußere Umstände, ganz egal, ob du gerade mit einer Erkältung oder dem schlechten Wetter kämpfst, oder du gerade ein Minus am Bankkonto hast - wenn es dennoch aus dir klingt "ICH BIN GLÜCKLICH" - dann bist du dir selbst schon sehr nahe!


Wenn wir uns alle auf die Suche nach unserem inneren Wesenskern machen - und dieses "ich bin glücklich" gefunden haben - dann braucht es den Hass, die Lügen, die Engstirnigkeit, die Hinterlist, den Neid auf dieser Welt nicht mehr.


Dann bleibt nur noch eines "ich bin glücklich"


Wenn der Wind dir dann doch einmal scharf ins Gesicht bläst - vertraue drauf - dass jeder Sturm nur so lange bläst, solange du dich ihm aussetzt.


Wähle - vertraue - sei glücklich ! Jetzt !
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