24.10.2017, 20:27 Uhr

Bruck auf dem Weg nach oben

Ernest Windholz erlebte den Fall hautnah an der Grenze mit.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist auch der Bezirk Bruck aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

BEZIRK. Wo 1989 noch Ackerland war, bahnt sich die Ostautobahn A4 ihren Weg durch den Bezirk Bruck. Wo an der Bezirkshauptstadt Grünflächen waren steht heute der Brucker EcoPlus Wirtschaftspark und so sehr der Bezirk einst touristisch auch schlummerte ist dies nun eine Region mit alljährlichen Rekordzahlen. Wie das ganze Bundesland hat sich auch der Bezirk Bruck seit dem Fall des Eisernen Vorhangs entwickelt. Die Bezirksblätter auf den Spuren der Veränderung.

Zollbeamter in Ungarn

Ernest Windholz, Bad Deutsch Altenburgs Bürgermeister a.D., versah 1989 als 23-Jähriger seinen Dienst im ungarischen Bahnhof von Hegyeshalom. "Ich war zuständig für die Abfertigung von Personen- wie auch Güterzügen. Ich hab den Wandel hautnah miterlebt und hatte mit den Ärmsten der Armen Osteuropas zu tun. Viele deutschstämmige Rumänen flüchteten über die Grenze ebenso wie DDR-Bürger, die den Weg in die Freiheit suchten. Vom Innenministerium kam damals die Weisung, lediglich die Personalien aufzunehmen und die Einreise zu gestatten. Sie waren alle auf dem Weg nach Westdeutschland", so Windholz.

Vom Taxler zum Millionär

Die damalige Zeit des Aufbruchs erzählt Windholz anhand einer wahren Geschichte: "Zwischen den Bahnhöfen Nickelsdorf und Hegyeshalom gab es zwei Taxifahrer, die sich die Fahrten aufteilen sollten. Der eine war kommunistischer Kaderfunktionär, der sich stets die lukrativsten Fahrten, mitunter bis nach Budapest, sicherte, während sich der andere, ein junger engagierter Bursche, mit Kleinstfahrten zufrieden geben musste. Zwei Jahre nach der Wende war der jüngere Restaurantbesitzer und fuhr einen schicken BMW, während der Alte noch immer mit dem Lada-Taxi seine Runden drehte."

Rekordverdächtiger Tourismus

Nach der Öffnung der Grenzen erfuhr der Bezirk Bruck eine enorme Aufwertung, besonders im Tourismus. In den Jahren 1980 bis 1990 konnten keine Nächtigungen slowakischer Touristen in NÖ Unterkünften verzeichnet werden. 1995 waren es bereits 12.200 Nächtigungen, im Jahr 2015 zur letzten Zählung rekordverdächtige 60.700 Gäste aus der Slowakei. "Im Bezirk Bruck können wir uns über ein Plus von stolzen 19,4% bei den Nächtigungen freuen. Der Tourismus in unserer Region hat sich in den vergangenen Jahren durchgehend positiv entwickelt", informiert Wolfsthals Bgm. BR Gerhard Schödinger.

Bevölkerungswachstum enorm

Der Statistik Austria zufolge stieg die Zahl der Einwohner des Bezirks zwischen den Volkszählungen 1991 und 2001 um 5,4% (NÖ: +4,9%, Ö: +3%). Der Bevölkerungsanstieg war auf die positive Wanderungsbilanz (+2.897) zurückzuführen. Die mit Abstand meisten Zuzügler (403) kamen aus der Slowakei, Rumänien (103) und Ungarn (48). Diese Entwicklung hat sich auch nach 2001 fortgesetzt, bis 2016 ist die Bevölkerungszahl um weitere 12% gestiegen (NÖ: +7,1%, Ö: +7,9%).
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