05.09.2014, 12:16 Uhr

Todesfall beim Fest der Landjugend - Maßnahmen bei Atemnot

Im Zweifelsfall sofort die Rettung alarmieren. (Foto: Zellinger)

Beim Fest der Landjugend ist vergangenes Wochenende ein Besucher an einem Bissen Essen erstickt. Florian Schodritz vom Roten Kreuz in Bruck an der Leitha erläutert die Gegenmaßnahmen bei Atemnot.

BRUCK AN DER LEITHA (bm). Vergangenes Wochenende endete das Fest der Landjugend in Bruck an der Leitha mit einem tragischen Todesfall. Ein Besucher verschluckte sich an einem Bissen Spanferkel und erstickte daran. Die sofort eingeleitete Erste Hilfe durch die zahlreich anwesenden Sanitäter war leider vergebens. Das Fest wurde daraufhin abgebrochen.

Wie kommt es zur Atemnot?

Im Gespräch mit den Bezirksblättern erläutert Florian Schodritz, Notfallsanitäter des Roten Kreuz in Bruck an der Leitha, die Ursachen und erste Gegenmaßnahmen. "Durch unglückliche Umstände gelangt der Fremdkörper, in dem Fall ein Bissen einer Speise, anstatt in die Speiseröhre in die Luftröhre. Die Luftröhre besitzt aber nicht die Peristaltik (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Peristaltik) wie die Speiseröhre. Der Fremdkörper verkeilt sich zwischen den Knorpelspangen der Luftröhre und blockiert somit die Atemzufuhr."

Atemnot und Gegenmaßnahmen

Nicht immer aber endet so ein Zwischenfall derart tragisch. "In erster Linie muss man zwischen leichter und schwerer Atemnot unterscheiden. Bei der leichten Atemnot kann der Patient noch sprechen, selbst wenn er von Hustenkrämpfen geplagt wird. Bei der schweren Atemnot ist schnelle Hilfe angebracht", berichtet Schodritz. Der berühmte Luftröhrenschnitt hilft nicht? "Der Luftröhrenschnitt oder der Kehlkopfschnitt helfen bei Blockaden der oberen Atemwege, beispielsweise nach einem Bienenstich. Hängt ein Fremdkörper in den oberen Atemwegen fest, müssen kräftige Schäge zwischen die Schulterblätter ausgeführt werden um zu versuchen, ihn zum Bewegen zu bringen. Ist die Blockade in den unteren Atemwegen muss die künstliche Beatmung eingeleitet und versucht werden, dass der Fremdkörper in einen Lungenflügel rutscht, der zweite Lungenflügel erhält die Sauerstoffzufuhr aufrecht", so Schodritz abschließend. In jedem Fall ist unverzüglich die Rettung zu alarmieren.

Das Rote Kreuz Bruck erklärt die lebensrettenden Maßnahmen

Erwachsene geraten in eine solche Notsituation, wenn sie beispielsweise zu große Speisebrocken verschlucken. Der Fremdkörper bleibt im Raum zwischen Kehldeckel und Kehlkopfeingang stecken, dabei wird die Luftröhre eingeengt oder komplett verlegt. An eine Verlegung der Atemwege ist immer dann zu denken, wenn der Anfall während des Essens oder im Rahmen einer Verschüttung geschieht.

Bei leichten Verlegungen reicht es aus, den Betroffenen zum Husten anzuregen. Bei einer schweren Verlegung der Atemwege - wenn also die Person unfähig ist zu sprechen, nur mehr nicken kann, wenn sie versucht zu husten und es nicht kann - müssen folgende Maßnahmen gesetzt werden:

· Beugen Sie die Person kopfüber und versuchen Sie den Brustkorb mit der Hand zu stützen
· Schlagen Sie mit der flachen Hand fest zwischen die Schulterblätter der Person
· Sollten fünf Schläge nicht ausreichen, um eine schwere Verlegung der Atemwege zu beseitigen, wenden Sie den "Heimlich-Handgriff" an:
o Stellen Sie sich hinter die Person und legen Sie beide Arme um ihren Oberbauch.
o Lehnen Sie die Person nach vorne.
o Ballen Sie eine Faust und legen Sie diese zwischen Nabel und Brustkorb.
o Greifen Sie mit Ihrer anderen Hand auf die Faust und ziehen Sie kräftig nach innen und oben.
o Führen Sie dies bis zu 5 Mal durch. Tritt keine Besserung ein, beginnen Sie wieder mit 5 Schlägen auf den Rücken.
· Der "Heimlich-Handgriff" wird bei Kindern ab dem vollendeten ersten Lebensjahr und Erwachsenen durchgeführt.

Hintergrund: Wenn man die eine Handfläche auf den Brustkorb legt und mit der anderen Handfläche fest zwischen die Schulterblätter schlägt, wird der Brustkorb ruckartig zusammengedrückt. Der Druck in der Lunge steigt an und der Fremdkörper wird herausgedrückt.
Erst wenn dies ineffektiv ist (nach 5 Versuchen) wird der "Heimlich-Handgriff" durchgeführt. Dieser wird ebenfalls maximal 5 Mal durchgeführt, dann erfolgen wieder 5 Schläge auf den Rücken.

Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einer schweren Verlegung der Atemwege nur in etwa 50% der Fälle mit einer einzigen Maßnahme der Fremdkörper entfernt werden kann. Das Abwechseln der Maßnahmen erhöht die Chance auf Erfolg.

Erstickungsgefahr nach Insektenstich/allergische Reaktion

Eine allergische Reaktion kann nach einem Insektenstich vor allem im Mund-Rachen-Raum als lokale Reaktion, aber auch durch heftige starke Schwellungen mit Erstickungsgefahr auftreten.
Die meisten Insektenstiche rufen lokale Reaktionen hervor. Diese erkennt man an der Schwellung und Rötung des Gewebes in unmittelbarer Umgebung der Einstichstelle. Tritt diese lokale Reaktion im Bereich des Mundes auf, kann sie dazu führen, dass die Atemwege teilweise verlegt werden.

Allergische Reaktionen können aber nicht nur durch Insektenstiche hervorgerufen werden, sondern auch durch eine Vielzahl von sonst harmlosen Stoffen und Lebensmitteln (Allergenen). Das Immunsystem des Körpers antwortet bei Kontakt mit diesen Stoffen mit einer übertriebenen Abwehrreaktion. Schwerwiegende allergische Reaktionen können zu Schwellungen im Bereich der Atemwege und zu schweren Kreislaufproblemen führen.

Die Maßnahmen des Ersthelfers konzentrieren sich hauptsächlich darauf, die Atemwege bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes freizuhalten und die Schwellung zu mildern. Dies erreicht man durch folgende Maßnahmen:

· Kalte Umschläge auf die Schwellung legen
· Kalte Umschläge um den Hals legen
· Den Patienten welcher bei Bewusstsein ist Eis lutschen lassen

Diese Maßnahmen sind sehr effektiv und können den Zustand des Patienten verbessern. Dennoch ist es notwendig, einen Notruf abzusetzen, damit die weitere medikamentöse Behandlung möglichst rasch beginnen kann.

Das Verabreichen von Medikamenten gehört grundsätzlich nicht zu den Aufgaben des Ersthelfers. Menschen, die heftige allergische Reaktionen zeigen, haben oft einen Adrenalin-Autoinjektor bei sich. Der Ersthelfer sollte in diesem Fall beim Verabreichen behilflich sein. Ein Autoinjektor ist eine automatische Injektion, die das Medikament Adrenalin in den Muskel injiziert. Das Medikament bewirkt eine Stabilisierung des Kreislaufes bei einer akuten allergischen Reaktion.

Zum Thema Insektenstich gibt es einen Podcast des ÖRK: http://www.roteskreuz.at/berichten/podcasts/audiop...
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