Tischgespräch: Zu Besuch beim letzten echten Greißler

Peter Ziegler philosophiert mit WOCHE-Redakteur Markus Hackl.
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  • Peter Ziegler philosophiert mit WOCHE-Redakteur Markus Hackl.
  • Foto: Alle Fotos: Katarina Pashkovskaya
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Ursprünglich war der Interviewtermin mit Peter Ziegler ja im Trachtengeschäft vereinbart worden. Peter Ziegler verfrachtete den Termin kurzerhand ins Zieglerische Wohnhaus in Etmißl. Schnell wurde klar, warum. Das Wohnhaus ist ein bauliches Juwel. Ein Bauernhof aus dem Jahr 1640 wurde abgetragen und detailgetreuest an gleicher Stelle wieder neu errichtet. Zum größten Teil hat Peter Ziegler selbst gebaut. "Das "Hausbauen wurde nach der Jagd zu meinem zweitliebsten Hobby". Zwölf Jahre wurde am Haus gebaut, seit 2012 wohnt die Familie Ziegler darin.

Spiegelt sich im Haus auch Ihre Lebens- und Geschäftsphilosophie wider?
Peter Ziegler: Ganz und gar. Traditionsbewusst, nachhaltige Lebensweise, nicht schnell wachsend. Die Familie, der Ort. Das alles ist meiner Frau und mir extrem wichtig. Und das haben wir versucht, auch an unsere Kinder weiterzugeben. Jetzt sehen wir, dass unsere Saat aufgeht: Unsere Tochter Gerda hat nach dem Studium die Schneidermeisterprüfung abgelegt und wird alsbald das Geschäft weiterführen. Sie ist dann die fünfte Generation.

Ist man mit einem Trachtengeschäft mit entlegenem Standort überhaupt wirtschaftlich überlebensfähig?
Andrea Ziegler: Uns geht es um die Lebensqualität. Wahrscheinlich würden wir mit unserem Geschäft in Bruck und Kapfenberg mehr Umsatz machen, aber was würde dann aus dem Ort werden? Wir sind der letzte Nahversorger, wir bieten sechs Menschen Arbeit im eigenen Ort, wir selbst sind hier daheim und sind glücklich hier in Etmißl. Niemals würden wir tauschen wollen.
Peter Ziegler: Wir sind der letzte echte Greißler in der Gegend. Wir haben ein Lebensmittelgeschäft mit Feinkostabteilung, wir haben das Trachtengeschäft, jetzt auch wieder mit eigener Schneiderei, wir haben eine Tankstelle, wir haben eine Waschanlage. Jede Sparte wirft für sich etwas ab, in Summe rechnet es sich wirtschaftlich für uns.

Wolltet Ihr schon einmal alles hinschmeißen, das Geschäft zusperren?
Peter Ziegler: Ja, so um die Jahrtausendwende, da hat es wirtschaftlich nicht so rosig ausgeschaut. Dann kam die rettende Idee mit dem Hochschwabdirndl. Das war der Zeitpunkt, wo wir von der 08/15-Tracht auf die traditionelle, echte Tracht umgeschwenkt sind. Mehr Qualität, weniger Quantität.

Keine Angst, dass der Griss um die Tracht abreißen könnte?
Andrea Ziegler: Nein, unsere Kunden kommen ja nicht aus der Schickeria, sondern sind selbst auch sehr bodenständige Menschen. Die unterwerfen sich keinen kurzlebigen Modetrends, diese Leute werden die Tracht immer hoch halten.

Keine Angst vor den Diskontern in der Trachtenbranche, etwa die Lederhose bei Hofer?
Peter Ziegler: Die Tracht lebt ja auch von den Materialien. Je hochwertiger die Stoffe, desto teurer das Gewand. Wir bedienen die qualitätsbewussten Kunden, der Diskonter kommt uns dabei nicht in die Quere.

Wie schaut es mit dem Ruhestand aus?
Peter Ziegler: Vielleicht bald. In zwei Jahren könnte es soweit sein, dass unsere Tochter das Geschäft übernimmt.

Sind Sie ein "Dreinredner"?
Peter Ziegler: Nein. Wenn ich in Pension bin, dann komme ich nur als Arbeiter ins Geschäft. Dann gibt es einen anderen Chef.

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