Engpass bei Distriktsärzten
"Das Ganze ist nur noch peinlich"

Günther Hirschberger, Bezirksärztevertreter
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Der Distriktsärzte-Engpass erreichte vor wenigen Tagen im Brucker LKH einen traurigen Höhepunkt.

Ein Patient randaliert im Krankenhaus, lässt sich nicht beruhigen und hält dadurch das Personal von zwei Abteilungen rund sechs Stunden lang in Schach. Warum? Weil kein Distriktsarzt gefunden wird, der – wie in solchen Fällen üblich – die Einweisung in die Landesnervenklinik nach Paragraph 8 anordnen kann. "Das Ganze ist nur noch peinlich", bringt es Bezirksärztevertreter Günther Hirschberger auf den Punkt. "Seit 1. April liegt das System der Distriktsärzte völlig brach, es ist nichts geregelt, es geht nur noch drunter und drüber. Und das Schlimmste daran: Wir haben schon vor Langem genau davor gewarnt!"

Aufgabengebiet von Distriktsärzten

Zur Erklärung: Distriktsärzte sind von Grund auf Allgemeinmediziner, die durch eine Zusatzausbildung – den so genannten Physikatskurs – genauso wie Amtsärzte auch dazu bevollmächtigt sind, bspw. die Totenbeschau vorzunehmen oder eben auch Einweisungen von psychisch auffälligen Patienten nach Paragraph 8 anzuordnen. Weil aber im beschriebenen Fall kein zuständiger Distriktsarzt gefunden werden konnte, hat sich die Sache unnötigerweise in die Länge gezogen.
Gelöst werden konnte das Problem erst, als sich eine Allgemeinmedizinerin, die man privat kontaktiert hatte und die mit der Sache eigentlich absolut nichts zu tun hatte, freiwillig dazu bereit erklärte, ins Krankenhaus zu kommen und die Begutachtung zur Einweisung durchzuführen. Und das durfte sie nur, weil sie so genannte Gemeindeärztin ist, d.h. durch einen Vertrag mit der Gemeinde die Möglichkeit hat, die nötigen Begutachtungen durchzuführen und dafür von der Gemeinde auch honoriert wird. "Diese Verträge sind aufgekommen, weil die Distriktsärzte an sich ja eine aussterbende Rasse sind; die, die es noch gibt, sind eigentlich nur noch Restbestände", erklärt Hirschberger. "Darum hat man vor Jahren den so genannten Gemeindearzt kreiert. Dieser hat im Prinzip die gleichen Möglichkeiten wie ein Distriktsarzt auch, nur die Honorierung erfolgt jetzt über die Gemeinde." Das führt mitunter zu dem kuriosen Fall, dass Ärzte, die sich für Begutachtungen in anderen Gemeinden freiwillig zur Verfügung stellen, kein Honorar bekommen, "weil sie ja mit dieser fremden Gemeinde keinen Vertrag abgeschlossen haben. Mir ist das zum Beispiel tatsächlich einmal passiert", kann er nur den Kopf schütteln.

Nur eine Alternative

Die einzige Alternative in einem solchen Fall: "Bei Gefahr im Verzug kann die Exekutive angefordert werden, die den Patienten dann in die Klinik bringt", erklärt der ärztliche Direktor des LKH Hochsteiermark, Heinz Luschnik. "So kann man sich im Notfall drüberhelfen."
"Das ist aber ziemlich kompliziert", entgegnet Hirschberger, "weil dann zwei Fachärzte den Patienten begutachten müssen und dann darüber entscheiden, ob er aufgenommen wird oder nicht. Das ist für die Polizei auch keine leichte Aufgabe."

Schuld ist die Politik

Die Schuld für die Versäumnisse gibt Hirschberger ganz klar der Politik. "Wir haben immer darauf aufmerksam gemacht, dass mit 1. April das Chaos ausbrechen wird. Aber nichts ist passiert", so Hirschberger. "Das Gesundheitstelefon fühlt sich in solchen Fällen nicht zuständig, die Kommunikation passt einfach überhaupt nicht. Und es ist für die Zukunft auch keine Lösung in Sicht."

Akuter Handlungsbedarf

Hirschberger wird aber in dieser Sache nicht locker lassen und ist auch mit Bezirkshauptmann Bernhard Preiner in Kontakt. "Momentan funktionierts nur auf good will-Basis aller Beteiligten. Für die Zukunft müssen wir eine Lösung finden, denn irgendwann ist auch hier eine Grenze erreicht." Und auch Luschnik sieht Handlungsbedarf: "Es gibt definitiv einen steiermarkweiten Versorgungsengpass. Wir werden die Sache daher auf jeden Fall an die entsprechenden Stellen weiterkommunizieren.

Günther Hirschberger, Bezirksärztevertreter
Heinz Luschnik, Ärztlicher Direktor LKH Hochsteiermark

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