Jähes Ende einer Traumreise

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Zwei junge Steirer saßen wegen der Corona-Krise knapp drei Wochen in Argentinien fest. Die Heimreise gestaltete sich äußerst schwierig.

Um das kulinarische Angebot anderer Länder kennenzulernen, brachen die beiden Steirer Nicole Ginter aus Bruck an der Mur und Markus Kehrer aus Graz im Dezember 2018 auf Weltreise auf. Gestartet wurde in Asien, von dort aus wollten sich die beiden Weltreisenden sozusagen durch die ganze Welt "durchessen" – so der Plan. Was die beiden aber in den letzten Wochen erlebten, damit haben sie zu Beginn ihrer Reise nicht gerechnet: sie saßen knapp drei Wochen lang in Argentinien fest. Der Grund dafür: die strengen Sicherheitsmaßnahmen, die Argentinien binnen weniger Stunden aufgrund der grassierenden Coronavirus-Krise ergriffen hat.
An ein Wegkommen war zwei Wochen lang  nicht zu denken: "Wir waren in Salta, das liegt im Nordwesten von Argentinien. Wir sind dort hin gekommen, um im Umland den wirklich sehr köstlichen, argentinischen Wein zu dokumentieren. Der berühmte Malbec kommt einerseits aus Mendoza, andererseits aus Cafayate, das ein paar Kilometer südlich von Salta liegt. Außerdem ist Salta die Mutterstadt der Empanadas, hier wurden sie erfunden. So eine Region ist natürlich wie geschaffen für uns. Zu den Empanadas sind wir noch gekommen, sonst zu nichts mehr", schildern die beiden.

Hartes Durchgreifen

Argentinien hat sehr rasch sehr harte Maßnahmen ergriffen, die auch sehr schnell umgesetzt wurden: "Es gab im ganzen Land eine absolute Ausgangssperre. Hinaus durften wir nur, wenn wir zum Lebensmittelgeschäft, oder zur Apotheke mussten. Spazieren, wie es in Österreich möglich ist, war nicht erlaubt. Die Polizei patrouillierte und kontrollierte", so Nicole Ginter. "Grundsätzlich war ein schnelles Handeln sicher gut und sinnvoll. In Argentinien ist es zur Zeit Herbst, der Winter naht. Besonders in den südlichen Regionen des Landes wird es bald richtig kalt. Deswegen möchten die Verantwortlichen das Virus möglichst früh eindämmen, es gar nicht ausbreiten lassen." 
Das Problem dabei war allerdings, dass diese Maßnahmen leider mit unzureichender Kommunikation verbunden waren was dazu führte, dass sich Panik in der Bevölkerung breit machte. So berichteten die beiden etwa von Bekannten, die in kleinen Dörfern am Land nicht mal mehr Essen kaufen konnten, da dort die Meinung vorgeherrscht hat, dass an Ausländer nichts mehr verkauft werden darf. Und es kann sehr rasch gehen, dass wieder weitere Einschränkungen bekanntgegeben werden: "Argentinien ist sehr rigoros mit den Maßnahmen gegen Corona und auch sehr spontan. Es kann hier schon passieren, dass sich der "Landeshauptmann" mitten in der Nacht vor seine Twitter-Kamera setzt und neue Maßnahmen verkündet, die dann wenige Stunden später Gültigkeit haben", erzählen die beiden.  

Dennoch eine glückliche Lage

Dennoch fühlten sich die beiden in gewisser Weise privilegiert, denn: "Wir hatten das Glück, in einer relativ großen Stadt zu sein. Salta hat ca. 600.000 Einwohner, die Bewohner waren offen und unaufgeregt. Wir hatten nicht viel Kontakt zur Außenwelt; wenn doch, wurden wir aber nicht anders behandelt als sonst auch. Wir konnten in Ruhe unsere Einkäufe erledigen. Wir hatten da Glück, anderen ging es nicht so gut."
Untergebracht waren die beiden in einer kleinen Wohnung, die sie über "AirBnb" relativ kurzfristig anmieten konnten. "Das hat zum Glück noch funktioniert. Es ging nämlich unter den Vermietern das Gerücht um, dass Touristen nicht mehr beherbergt werden dürfen. Das ist natürlich ein Problem, denn so steht man schnell auf der Straße. Parallel dazu waren alle Flüge und Busverbindungen nach Buenos Aires gekappt. Wir hatten aber mit unserer Vermieterin Glück, sie war sehr entgegenkommend und unkompliziert."

Wie gehts weiter?

Wie es weitergehen soll, war den beiden zuerst nicht ganz klar. Ihre eigentliche Planung – wieder nach Asien zurückzukehren und sich dort nochmal durch die Hauptstadt des Streetfoods Bangkok, zu essen, dann weiter nach Hongkong und Vietnam sowie Australien und dann nach Afrika zu gehen – war durch das Corona-Virus völlig über den Haufen geworfen worden. 
Mittlerweile konnten die beiden einen Inlandsflug nach Buenos Aires ergattern und von dort aus an der Rückholaktion des österreichischen Außenministeriums teilnehmen. Die Zeit bis zur Heimreise verbrachten sie in einem Hotel. "Wir waren in ständigem Kontakt mit dem österreichischen Botschafter Christian Irbinger. Die österreichische Botschaft in Argentinien war uns in dieser Zeit wirklich eine sehr große Hilfe."

Bis dahin eine absolute Traumreise

Die beiden Steirer kennen sich über gemeinsame Bekannte, sind seit Jahren ein Paar und teilen als solches einerseits ihre Reiseleidenschaft miteinander, andererseits auch ihre Begeisterung für gutes Essen. Vor gut eineinhalb Jahren haben die beiden ihr bisheriges Leben komplett über den Haufen geworfen, ihr Erspartes geschnappt und sich auf den Weg gemacht, um sich "durch die Welt zu essen". Unter dem Namen "einmalmitalles" berichteten die beiden auf ihrer Homepage https://einmalmitalles.at und auch auf Instagram über ihre Erfahrungen, garniert mit bunten Fotos.
Die beiden waren bisher in Asien in Thailand, Myanmar, Indien, Nepal, Malaysia und Indonsien, in Amerika in Mexiko, Kolumbien, Brasilien und jetzt Argentinien, insgesamt also in elf Ländern. "Während unseres Kontinentwechsels von Asien zu Amerika haben wir letzten Sommer noch dazu Italien und Spanien einen kurzen kulinarischen Besuch abgestattet. Zusätzlich waren wir noch in der Wiener Streetdfoodszene und bei den Würstelständen unterwegs. Diesen Europa-Abstecher zählen wir aber nicht zu unseren Ländern dazu", rechnen die beiden vor.

Highlights

Wo war es bisher am schönsten? "Das ist ganz schwer zu sagen, Highlights gibt es überall, jedes Land ist spannend und ganz speziell. Wir unterteilen auch in länderspezifische und kulinarische Highlights. zu den absoluten länderspezifischen Highlights gehören zum Beispiel Trekking in Nepal. Es ist einfach magisch, sich inmitten der unglaublichen Kulisse des Himalaya-Gebirges, umgeben von den riesigen 8.000ern, wochenlang allein zu bewegen. Das zweite Highlight war der Besuch der Indigenen im Amazonas. Fünf Tage durften wir das Dorfleben und den Regenwald authentisch erleben. Eine unvergessliche Erfahrung", schildert Nicole.
Begegnungen mit wilden Tieren sind für die beiden auch immer etwas ganz Besonderes. Etwa schwimmen und schnorcheln mit zwei  Meter großen Riffhaien und Schildkröten, das Erleben der unglaublichen, bunten und vielfältigen Unterwasserwelt, eine Begegnung mit bis zu sieben Meter großen Manta Rochen, ein Rudel Nasenaffen mitten im Regenwald von Borneo zu treffen, Orang Utans live zu erleben, auch auf Borneo, zählen dazu.
Und was war das bisherige kulinarische Highlight? "Uns schmeckt es ja eigentlich überall, deswegen machen wir ja auch was wir machen. Aber natürlich gibt es Abstufungen. Das aus unserer Sicht beste Streetfood bekommt man in Thailand. Bangkok ist so etwas wie das Mekka des Streetfoods. Nirgendwo sonst auf der Welt wird es so gelebt und so zelebriert wie dort. Danach kommt für uns schon Mexico City, auch dort herrscht eine extrem vielfältige Streetfood-Kultur, die uns auch sehr an Bangkok erinnert, nur eben mit super köstlichen, mexikanischen Speisen.
Auch wirklich sehr angetan hat es uns die indische Küche, die größtenteils ohne Fleisch auskommt und geschmacklich wirklich sehr viel bietet. Auch die malaysische und die indonesische Küche haben einiges zu bieten. Kolumbien und Brasilien sind kulinarisch besser als der jeweilige Ruf, aber diese beiden Länder hinken im Vergleich deutlich hinterher. Aktuell hat es uns auch gerade Argentinien angetan, es ist unglaublich, welche Fleischqualität hier erhältlich ist. Bis zur allgemeinen Ausgangssperre haben wir uns hier hauptsächlich von Steak ernährt.
Aber auch in Europa, allen voran in Italien, findet man unzählige kulinarische Highlights. Europa war bisher aber noch nicht der Fokus von "einmalmitalles"."

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