Nationalparkwälder im Visier der Naturschützer

Spuren der Forstwirtschaft im Nationalpark Gesäuse. Naturschutzorganisationen prangern die forstwirtschaftliche Ausrichtung in Nationalparks an.  Foto: Hackl
  • Spuren der Forstwirtschaft im Nationalpark Gesäuse. Naturschutzorganisationen prangern die forstwirtschaftliche Ausrichtung in Nationalparks an. Foto: Hackl
  • hochgeladen von Karl Doppelhofer

Borkenkäfer hin, Borkenkäfer her: Naturschutzorganisationen fordern einen Schlägerungsstopp unter anderem auch im Nationalpark Gesäuse.

Bereits vor einem Jahr hat die WOCHE auf die stark forstwirtschaftliche Ausrichtung des Nationalparks Gesäuse hingewiesen. Jetzt sind auch die Naturschutzorganisationen Birdlife, WWF und der Umweltdachverband die rege Waldpflege in den Nationalparks Gesäuse und Kalkalpen aufmerksam geworden und fordern einen Schlägerungsstopp in Nationalparks.

Nationalparkdirektor Werner Franek verteidigte vor einem Jahr die Schlägerungsarbeiten wie folgt: „Im Nationalpark gilt das Forstgesetz, weshalb der Nationalpark verpflichtet ist, eine entsprechende Forstschutzprophylaxe zur Verhinderung einer Borkenkäferkalamität zu betreiben.“

Andreas Holzinger ist Forstdirektor der Landesforste und zuständig für den Fachbereich Wald- und Wildtiermanagement im Nationalpark. „Das Forstgesetz und das Jagdgesetz wirken auch auf einen Nationalpark ein. Wir müssen den Borkenkäfer auch im Nationalpark bekämpfen, wir sind verpflichtet, Forststraßen durch das Nationalparkgebiet zu erhalten.“

Laut Birdlife, WWF und Umweltdachverband sind Waldflächen in Nationalparks Biotopschutzwälder. Nationalparks können per Bescheid von zwingenden Bestimmungen des Forstgesetzes wie beispielsweise bei Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung ausgenommen werden.

Die Ökologen der Umweltschutzorganisationen sind sich einig: Der Borkenkäfer helfe sogar bei der Umwandlung von Monokulturen hin zu naturnahen Wäldern. Die Fichten verschwinden dort, wo sie nicht hingehören und junge, standortgerechte Laubbäume wie Buchen oder Bergahorn können nachwachsen.

Der Präsident des Umweltdachverbandes Gerhard Heiligbrunner will die Nationalparks an ihre ureigenste Aufgabe erinnern: „Der Nationalpark muss vor dem Eingriff des Menschen geschützt werden. Bereits seit 2004 fordern wir Zurückhaltung bei der Forstwirtschaft in Nationalparks ein, geändert hat sich nichts. Im Gegenteil, die Situation hat sich sogar noch verschärft.“

„Einzelne Hardcore-Forstexperten in den Nationalparks torpedieren den naturnahen Weg. Erst der bewusste Verzicht auf wirtschaftliche Nutzung der Natur macht einen richtigen Nationalpark aus“, sagt Heilingbrunner ergänzend.

Für Bernhard Kohler von WWF entwickelt sich aktuell eine richtungsweisende Diskussion: „Überall ist die Spur des Menschen sichtbar, die Kernzone eines Nationalparks sollte vom Menschen unberührt bleiben.“ Laut Kohler sollte der Mensch im Nationalpark auch beim Borkenkäfer nicht eingreifen. „Über eine 300 bis 400 Meter breite Pufferzone in den Randzonen eines Nationalparks kann man diskutieren.“

Am vergangenen Montag trafen sich zum ersten Mal in Molln im Nationalpark Kalkalpen Vertreter von Naturschutzorganisationen, Nationalparks und Landesforstbehörden zum „Borkenkäferausschuss“.

Autor: Markus Hackl

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