Warum Vampire eigentlich Steirer sind und gerade Frauen darauf stehen.

Auch eine fesche Steirerin: Das berühmte „Burgfräulein von Strechau“ steht ebenfalls auf der Liste der Vampirinnen.
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  • Auch eine fesche Steirerin: Das berühmte „Burgfräulein von Strechau“ steht ebenfalls auf der Liste der Vampirinnen.
  • Foto: Stift Admont
  • hochgeladen von Roland Reischl

Wann kann man besser über Untote sprechen als zu Halloween? Und was haben sich eigentlich die Siebenbürgener (Transsilvanien) dabei gedacht, den Steirern Graf Dracula und die Vampire zu stehlen? All diese Fragen werden im Rahmen einer Ausstellung des „Graz Museums“ beantwortet (siehe Infos unten), die ab 2014 laufen wird. Die WOCHE liefert aber die schaurigsten und wesentlichsten Wahrheiten schon vorweg, im Gespräch mit den Kuratorinnen Martina Zerovnik, Anette Rainer und Christina Töpfer, intern auch liebevoll „Vampire-Ladys“ genannt.

In der Steiermark begann’s
„In Styria ...“, mit diesen Worten beginnt eine der bedeutendsten Vampir-Erzählungen der Literaturgeschichte: „Carmilla“, die 1872 veröffentlichte Gothic Novel des Iren Sheridan Le Fanu – lange bevor Bram Stoker seinem „Graf Dracula“ Leben einhauchte. Und eben dieser Stoker nahm zahlreiche Anleihen bei „Carmilla“. Ursprünglich hätte der Roman nämlich „The Undead“ heißen und in der Steiermark spielen sollen. Übrigens angeregt durch einen Reisebericht von Basil Hall, der die Steiermark als graues, finsteres Land mit besonders hässlichen Menschen beschrieb. Wir sagen in memoriam nochmals Danke an Mister Hall, wahrscheinlich geistert er heute noch zur Strafe durch unsere Lande ...
Stoker jedenfalls entschied sich schlussendlich für den noch böseren Osten als Schauplatz und „Graf Dracula“ als Titel für seine Schauer-Novelle.

Vampire von heute
Doch die drei Vampir-Expertinnen wollen mit ihrer Ausstellung keinesfalls in der Vergangenheit bleiben: „Vielmehr wollen wir den Weg des Vampirismus von Carmilla bis zur heutigen Zeit mit Serien wie ,Twilight Zone‘ und ,True Blood‘ beschreiben.“ Dazu gehört übrigens auch Kaiserin Maria-Theresia, die diesen Aberglauben Mitte des 18. Jahrhunderts per Gesetz verbieten ließ. Wenn das nur so einfach wäre ...
„In der heutigen Zeit findet eine Integration der Vampire statt, der Vampir passt sich den neuen Zeiten an“, beschreibt Zerovnik die Trends. Und es geht dabei viel um Symbolik: „Vampirismus ist vor allem weiblich, er steht für Emanzipation und die Befreiung der Frauen. Untot ist nicht mehr uncool, es bedeutet ewiges Leben, Schönheit und Sex-Appeal. Und Stärke.“ Und es ist natürlich auch eine Auseinandersetzung mit dem Tabu-Thema Tod: „Es geht dabei viel um Sinnsuche, um den Glauben an ein Jenseits. Denn nicht sterben zu wollen, hat ja viel damit zu tun, dass man im Diesseits nicht loslassen kann.“
Letzte Frage an die charmant-gruseligen Damen: Gibt es sie denn jetzt, die Vampire? Die Antwort kommt mit einem Schmunzeln: „Nein. Aber sie sind eine starke und faszinierende Metapher.“

Grusel-Ausstellung mit viel Graz-Bezug

Ab Ende Jänner wird – ausgehend von den Romanen von Sheridan La Fanu und Bram Stoker (siehe oben) – die Ausstellung im „Graz Museum“ laufen.
Hier nimmt „Tote reisen schnell. Vampirismus in der Steiermark“ seinen Ausgang. Mit Hilfe der beiden Geschichten begibt sich die Ausstellung auf die Spur nach der Faszination für die Vampirfigur, wie sie in weiblicher Gestalt als Carmilla und in männlicher als Dracula entworfen und bis in die Gegenwart weitergeschrieben und weiterentwickelt wurde. Indem sich die Ausstellung dem Verhältnis des Menschen zu Leben und Tod, Erkenntnis, Identität und Liebe widmet, eröffnet sie unterschiedliche Blickwinkel auf das Phänomen Vampir.
„Der Vampir ist Ausdruck der Suche nach Identität und dem Wunsch oder dem Scheitern, einen Platz in der Gemeinschaft zu finden. Er ist das Fremde in uns selbst und in unserer Gesellschaft. Nicht zuletzt ist der Vampir das sexuelle Wesen schlechthin“, schildert Kuratorin Martina Zerovnik. Und es war schon im 18. Jahrhundert eine Auseinandersetzung mit Gleichgeschlechtlichkeit, entzog sich doch „Carmilla“ auf diesem Weg dem männlichen Begehren. Und mit Serien wie „Twilight“ und True Blood sind Vampire heute längst salonfähig ...

Auch eine fesche Steirerin: Das berühmte „Burgfräulein von Strechau“ steht ebenfalls auf der Liste der Vampirinnen.
Die Ur-Vampirin: Eine schottische Adelige, die in die Steiermark verheiratet wurde, gilt als Vorbild für die „Carmilla“, mit diesem Bild wurde der Roman von Sheridan La Fanu illustriert.

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