Hannes Martschin: "Marketing ist nichts Böses"

Johannes "Hannes" Martschin gehört zu den profiliertesten PR-Agenturleitern Österreichs.
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  • Johannes "Hannes" Martschin gehört zu den profiliertesten PR-Agenturleitern Österreichs.
  • Foto: Katarina Paller
  • hochgeladen von Markus Hackl

Der gebürtige Mariazeller Johannes "Hannes" Martschin, Gründer und Inhaber der Agentur „Martschin & Partner“, gehört zu den profiliertesten PR-Agentur-Leitern Österreichs. Im Corona-Jahr hat sich seine berufliche Perspektive von Wien aus ein Stück weit ins Mariazellerland verlagert. Sein Haus in Greith im Salzatal war ihm dabei ein ideales Rückzugsgebiet. Genau dort trafen wir ihn zum WOCHE-Interview.

Johannes Martschin, mittlerweile gehören Sie zu Österreichs führenden Agenturen in den Bereichen Gesundheit & Medizin, Wissenschaft & Bildung, Kultur & Tourismus und nachhaltige Entwicklungen. Wie lange war der Weg dorthin?

HANNES MARTSCHIN: Im Jahr 1996 haben wir als Agentur mit einem Full-Service-Angebot begonnen und haben von Werbung bis PR alles gemacht. Mein Stall ist die PR, wir waren aber auch Werbeagentur, Multimediaagentur. Viel Herzblut steckt zum Beispiel in der Biokampagne, die wir gemeinsam mit AMA und der EU umgesetzt haben. In der Zeit ist Österreich zum Bioland Nummer eins in Europa geworden. Marketing ist nichts Böses und es tut der Sache gut, das hat sich auch dank unseres Mittuns vor allem in NGO- und Biokreisen verbreitet. Das ging gut bis zum Jahr 2008/09, bis zur Wirtschaftskrise, da haben wir viele Kunden krisenbedingt verloren. Für uns ein guter Zeitpunkt, um sich neu aufzustellen. Wir haben die Werbe- und Multimediaagentur sein lassen, seit damals sind wir eine reine PR-Agentur und haben uns auf oben genannte Bereiche spezialisiert. Wir erfreuen gegenwärtig vieler neuer Kunden aus dem Gesundheitsbereich. Wenn man PR & Gesundheit googelt, dann stößt man gleich auf uns.



2008/09 war die Wirtschaftskrise, jetzt haben wir das Corona-Jahr. Ist das ebenso eine Zäsur wie damals?

Ja absolut. Es ist mit Abstand das verrückteste Jahr das wir je hatten, wirklich verrückt im wahrsten Sinn des Wortes. Wir haben die Hälfte unserer Kunden und Projekte verloren bzw. die Hälfte der Projekte neu ausgetauscht. Wir haben rasch reagiert und noch schneller auf digitale Kommunikation  gesetzt. Wir waren an diesem Thema zwar schon dran, doch wurde klar, dass der Zug ganz stark in diese Richtung gehen wird. Da konnten wir ein paar Dinge ganz gut auffangen – speziell im Tourismusbereich. Wie zum Beispiel den Wagram Saisonauftakt, der zum größten Digital-Event Niederösterreichs mutierte oder den Beethoven-Frühling, der mit Live-Streams aus dem Casino Baden völlig neu aufgesetzt wurde. So gibt es ein paar schöne Storys, leider aber auch viele nicht so gute. Vor allem aus dem Kulturbereich, wo viele auf der Strecke bleiben. Wir selbst werden das Jahr mit einem blauen Auge überstehen.



Was hat sich verändert, was wird sich noch verändern? In Punkto Kommunikation.
Die Digitalisierung wird noch rascher als gedacht voranschreiten. Print wird nie ganz tot sein, aber es wird notwendig sein, Printprodukte stark vernetzt in diverse Kanäle einzubetten.



Wie tragend sind die Verbindungen zur alten Heimat Mariazell?

Es freut mich, dass ich auch hier im Mariazellerland beruflich tätig sein kann, oft zählt der Prophet im eigenen Land ja weniger – ohne mich als einen solchen zu sehen. Es ist keine Selbstverständlichkeit. Die Verbindung ist auch im Lockdown besonders stark gewachsen.



Braucht es in der digitalen Welt nicht unbedingt mehr einen „Hauptbahnhof“ in der Bundeshauptstadt?

So vieles wäre auch schon vor dem Lockdown gegangen. Wir sind zwar keine große Agentur, aber meistens telefonieren wir von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz im Wiener Büro. Im Grunde ist es egal, ob ich dafür in Wien oder in Mariazell sitze. 



Als Mariazeller mit Außensicht: Hat Mariazell in den vergangenen 20 Jahren an Charme gewonnen – oder verloren?

Der Charme von Mariazell ist unzerstörbar. Da müsste man sich schon wirklich viel einfallen lassen, um diesen zu zerstören. Auch kleine oder größere Charme-Sünden wird Mariazell gut überstehen. Mariazell hat eine über 800-jährige Geschichte, und es wurden schon viele Fehler gemacht. Aber die Gegend, der Platz, die Kirche haben schon etwas Besonderes, die werden das unbeschadet überstehen. Viele Initiativen der vergangenen Jahre wurden aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus geboren. Dazu zähle ich den Mariazeller Advent, der sich zu einer absoluten Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Mit einem sehr guten Konzept von Beginn an. Der Advent zeigt aber auch beide Seiten des Charmes. Ja, er ist regional und traditionell mit toller Stimmung, aber es kommen schon so viele Menschen, dass es auch nicht mehr jedermanns Sache ist.



Wäre Mariazell eine Agentur, und Sie der Agenturchef: Wo müsste man dringend den Hebel ansetzen?

Ich würde mich vielleicht noch stärker fragen, was in Zukunft erfolgreich sein wird, und auf den etwas strapazierten Begriff Nachhaltigkeit setzen. In Mariazell ist vieles richtig gemacht worden. Wo ich noch Potenzial sehe, ist im Ansprechen neuer und unterschiedlicheren Personen und Besuchergruppen. Tourismus wird auch weiterhin sehr wesentlich sein. Der Lockdown hat gezeigt, dass Landregionen wie Mariazell begehrte Wohngegenden mit beruflichem Lebensmittelpunkt sein können.



Sind Sie „daheim“, wenn Sie nach Mariazell kommen?

Wien ist aktuell sicher meine erste Heimat, aber ich sage auch zu Mariazell "ich fahre heim".



Wenn alles anders wäre: Würden Sie morgen nochmals eine Agentur aufmachen?

Oh ja. Unser Agentur-Untertitel ist "Strategische Kommunikationsberatung", in diesen Bereich verschiebt sich unser Wirken zunehmend, und diese Richtung macht mir auch sehr viel Spaß.

Mehr Infos zu Martschin & Partner gibt es hier

Hannes Martschin wurde fotografiert von Katarina Pashkovskaya – jetzt heißt sie ja Katarina Paller.

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