Mehr Freizeit für den Geigenbauer und Buchhändler Eberhard

Ein paar Gitarren gibt es noch im Kapfenberger Geschäft. Seine eigenen hängt er aber noch nicht "an den Nagel"
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Buch und Musik Eberhard – beinahe allen Mürztalern ein Begriff. Wie lange gibt es das Geschäft?
Manfred Eberhard: Mein Vater stammte aus Graz und lernte in einer Musikalien- und Buchhandlung. Er spielte Geige und in einem Stummfilmkino Klavier. Im Jahr 1934 hat er aus der Zeitung vom Verkauf einer Buchhandlung in Kapfenberg erfahren und hat zugeschlagen. Bis 1960 war das Geschäft in der Schinitzstraße, gegenüber des heutigen Café Illusion. Er verkaufte in kleinem Rahmen Buch und Papier sowie Schallplatten. Musikinstrumente und eine Leihbücherei gab es ebenfalls.

Seit wann sind Sie im Geschäft?
(Lacht) Eigentlich mein ganzes Leben lang. Nachdem ich im Schinitzhof geboren und aufgewachsen bin, war ich natürlich oft mit den Eltern mit. Nach der Schule schickte mich mein Vater nach Öblarn, wo ich Geigen-, Gitarren- und Zitherbau lernte, eine Ausbildung für alle Streich- und Zupfinstrumente. Danach schloss ich bereits hier am jetzigen Standort in der Wiener Straße 13 eine zweite Lehre als Buchhändler ab.

Perfekt ausgebildet für die Nachfolge?
Es war klar, dass ich das Geschäft einmal übernehmen werde und 1977 war es soweit. Ich führte es gemeinsam mit meiner Schwester und auch meine Mutter half nach dem Tod meines Vaters mit.

Waren damals noch viele Geschäfte in der Altstadt?

Es spielte tatsächlich alles in der Altstadt und am Europaplatz ab. Große Zentren waren in weiter Ferne. Ich erinnere mich an Elektro Zankl und natürlich auch die Stadtwerke, an Rad Renner, Schmuck Pekastnik, Harger, Wettl und an das Farbengeschäft Paul, ein Schuhgeschäft und viele mehr. Und natürlich gab es viele Gasthäuser.
Auch die Buchhandlung Leykam war am Hauptplatz. War dies bereits eine Konkurrenz?
Nein, damals noch nicht. Mit den Schulsachen haben wir nach dem Tod meiner Schwester vor rund 17 Jahren aufgehört und uns auf Instrumente und Tonträger spezialisiert. Da gab es dann auch schon Libro und später Amazon. Aber einen Schulbuchhandel hatte ich bis heuer über.

Das Geschäft in Bruck bleibt bestehen, Sie gehen in Pension?
In Pension bin ich eigentlich schon seit zehn Jahren und ich hoffe, dass ich in Bruck bald einen Nachfolger finde. Es kommen sehr viele zu uns, vor allem aus dem Murtal, wo es fast keine Musikgeschäfte mehr gibt.

Hat Ihnen Ihr Beruf immer Freude gemacht?
Das Musizieren machte mir immer große Freude, aber auch der Kontakt mit den Kunden. Gerade in den 70er- und 80er-Jahren waren wir ja der „Platzhirsch“ und wir haben fast alle heimischen Musikgruppen ausgestattet. Ich nenne nur The Woo, The Sundays, Saturns oder die Snoops.

Haben Sie versucht, auch in Kapfenberg einen Nachfolger zu finden?
Ja, aber niemand wollte es. Viele Junge meiden das Risiko und möchten nicht ständig angehängt sein. Aber es liegt sicher auch am heute unattraktiven Standort. Alle sind verwöhnt von den Einkaufszentren und dem Parkplatz direkt vor der Tür. Oder sie kaufen online von der Couch aus.
Wann werden wir Sie wieder mal auf der Bühne sehen?
Normalerweise spiele ich nur noch bei Feierlichkeiten und bei der Tafelrunde der Burg. Aber tatsächlich werde ich heuer am 29. September auftreten. The Woo, wo ich seit 1966 spiele, wird mit weiteren Bands im Hotel Böhlerstern zu sehen und zu hören sein.
Wie lange ist in Kapfenberg noch geöffnet?
Der Totalabverkauf läuft. Das muss jetzt rasch gehen, denn Mitte April übergebe ich die Räume.
^Andrea Stelzer

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