Pankl kauft das Krenhof-Unternehmen aus Voitsberg

Pankl-CEO Wolfgang Plasser beim Spatenstich für das neue Luftfahrtwerk in Kapfenberg.
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  • Pankl-CEO Wolfgang Plasser beim Spatenstich für das neue Luftfahrtwerk in Kapfenberg.
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Die Verträge sind unterzeichnet. Die Pankl-Gruppe mit ihren obersteirischen Standorten Kapfenberg und Bruck übernimmt die Krenhof AG in Voitsberg. Mit dem Kauf vergrößert Pankl seine Produktionsschiene. Pankl ist aus der Tradition heraus ein Zerspaner, mit Krenhof kommt eine Schmiede dazu.
Die Krenhof AG ist Spezialist für Stahlschmiedetechnik und war bisher auch schon ein wichtiger Partner und Zulieferer von Pankl.
Bei Krenhof sind derzeit 260 Mitarbeiter beschäftigt, das Umsatzvolumen betrug im Vorjahr zirka 50 Millionen Euro.

Interview mit Wolfgang Plasser, dem Vorstandsvorsitzenden von Pankl Austria:

Warum das große Interesse an der Krenhof AG in Voitsberg?
WOLFGANG PLASSER: Seit 2005, als wir in der Slowakei eingestiegen sind, kenne ich Krenhof als verlässlichen und kompetenten Partner. Wobei es sukzessive gerade mit Matthias Hartmann auch auf der persönlichen Ebene bestens funktionierte, wir ticken sehr ähnlich. Als mich Matthias im März angerufen hat und mir mitgeteilt hat, dass sie mit dem Schmieden von Aluminium beginnen, haben wir in weiteren Gesprächen über eine engere Kooperation nachgedacht. Und weil es in Voitsberg keinen Nachfolger gibt, war es in Absprache mit Stefan Pierer und der Familie Berl schnell klar, dass wir die Firma übernehmen.

Wie wird sich Krenhof in die Pankl Produktionsschiene eingliedern?
Krenhof wird jetzt unser Hauptprodukt, das Stahlpleuel, schmieden. Mittelfristig werden wir auch Titan-Pleuelstangen in Voitsberg produzieren. Künftig werden alle unsere Rohlinge von Krenhof gefertigt. Derzeit müssen wir unsere Titan-Rohlinge noch sehr aufwendig in der Schweiz schmieden lassen.

Eröffnen sich damit auch neue Produkt- und Kundensegmente?
Schau ma mal? Jetzt schon macht Krenhof ein bedeutendes Geschäft mit Pankl und KTM. So kommen sämtliche Komponenten unseres neuen Getriebewerks in Kapfenberg aus Voitsberg. Krenhof ist im Vorjahr auf ein Umsatzvolumen gekommen. Trotz der Corona-Krise wollen wir 2021 den Umsatz auf 60 Millionen Euro allein in der Schmiededivision heben. In vier bis fünf Jahren peilen wir die 100 Millionen Euro an – so sportlich sollten wir sein.

Bleibt der Standort Voitsberg bestehen?
Unbedingt. Unsere Strategie ist es, das ist sozusagen das Pankl-Gen, zuerst die Aufträge zu holen und dann in Umsetzung zu bringen. Funktioniert unser sportlicher Plan, dann werden wir in vier bis fünf Jahren darüber reden, den Standort Voitsberg auszubauen. Für die Mitarbeiter gibt es de facto eine Beschäftigungsgarantie, über kurz oder lang werden wir auch über Personalaufstockungen reden.

Was passiert mit dem Krenhof-Chef Matthias Hartmann?
Er wird künftig die Schmiededivision Pankl und Krenhof leiten.

Bleib der Name Krenhof bestehen?
Die Marke Krenhof wird in irgendeiner Form bestehen bleiben, weil die Marke ausgesprochen positiv besetzt ist. In welcher Form wir die Firmen Pankl und Krenhof im Markennamen verschmelzen, das haben wir noch nicht entschieden.

Ist eine gemeinsame Lehrlingsausbildung ein Thema?
Wir haben auch heuer wieder 30 Lehrlinge aufgenommen und halten aktuell bei 108 Lehrlingen. Aber auch Krenhof setzt auf eine qualitätsvolle Lehrlingsausbildung. Eine gemeinsame Ausbildung wird allein schon räumlich nicht sinnvoll sein, da trennt uns das Gaberl, aber gewisse Programme wird es für die Lehrlinge schon gemeinsam geben.

Ich will nicht sagen, Pankl fischt im Industrieteich – aber welche Produktionssparten fehlen noch bzw. würden gut zu Pankl passen?
(lachend) Wenn ich das jetzt verrate, dann wird es für Pankl noch teurer. Ja, wir sind bestrebt, die gesamte Wertschöpfungskette bei uns zu bündeln und das Produktportfolio laufend zu ergänzen. Beim neuen Getriebewerk ist uns das ja schon annähernd gelungen.

Pankl baut neues Werk in Kapfenberg

Im Oktober gab es in Kapfenberg den Spatenstich für das neue Aerospace-Werk mit zusätzlichen 200 Mitarbeitern ab 2022. Damit möchte sich Pankl Aerospace als „One-stop-shop“ in der Herstellung von hochkritischen Wellen des Kerntriebwerks etablieren. Die geplante Gesamtinvestition für die Errichtung dieser modernen Produktionsstätte beläuft sich auf 30 Millionen Euro.

Gut durch die Krise

Pankl ist bisher gut durch die Krise gekommen: "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", formuliert es Plasser. "Wir kämpfen um eine schwarze Null. Diesen zweiten Lockdown spüren wir zwar kaum, dafür hat es beim ersten Lockdown einen kurzfristigen Umsatzausfall von 80 Prozent gegeben. Aktuell sind wir knapp über unserem Fahrplan, aber die sogenannte schwarze Null ist noch nicht in trockenen Tüchern."

Krenhof, eine bewegte Familien- und Firmengeschichte

Die Firma Krenhof gibt es seit 130 Jahren, gegründet von der Familie Berl. Im Dritten Reich mussten sie als jüdische Familie aus Österreich fliehen. Schon damals war die oberösterreichische Familie Hartmann – ebenfalls ein kleiner Schmiedebetrieb – ein wichtiger Kunde von Krenhof. Der Großvater vom heutigen Firmenchef Matthias Hartmann hat damals der Familie Berl bei der Flucht geholfen und hat durch die Arisierung jüdischen Eigentums den Schmiedebetrieb in Voitsberg zugesprochen bekommen – mit dem Versprechen, dass er den Betrieb nach Beendigung des Naziregimes wieder an die Familie Berl zurückgeben wird. So ist es auch gekommen und als Dankbarkeit hat die Familie Berl 30 Prozent der Firma an die Familie Hartmann übertragen.

Noch heute hält die Familie Berl 51 Prozent an der Krenhof AG, 30 Prozent gehören immer noch Hartmann, 19 Prozent dem Holzindustriellen Offner aus Wolfsberg.

Künftig gehen sämtliche Anteile an die Pankl-Gruppe über.

Weitere Infos zu Pankl gibt es hier

Pankl-CEO Wolfgang Plasser beim Spatenstich für das neue Luftfahrtwerk in Kapfenberg.
Pankl-CEO Wolfgang Plasser.

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