Wirtschaftsbarometer: konjunkturelles Erdbeben

Regionalstellenobmann Erwin Fuchs und Regionalstellenleiterin Martina Romen-Kierner.
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  • Foto: Angelika Kern
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Die Corona-Krise hat die hochsteirischen Unternehmen hart getroffen. Ob Umsatz, Auftragslage, Preisniveau, Investitionen oder Beschäftigung: sämtliche Erwartungssalden liegen im aktuellen Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark deutlich im Minus. Hier blicken, was das Wirtschaftsklima angeht, 60,8 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer pessimistisch in die Zukunft - optimistische Rückmeldungen kommen nur von 4,9 Prozent. Macht unterm Strich einen Negativsaldo von ‑55,9 Prozentpunkten. „Hierbei handelt es sich wie gesagt um Erwartungen. Darum müssen wir jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, damit aus diesen Erwartungen keine wirtschaftliche Realität wird“, betont Regionalstellenobmann Erwin Fuchs, der dazu auch einen Maßnahmenkatalog vorlegt: „Wir müssen Liquidität aufbauen und Investitionen ankurbeln, etwa durch eine neue Ökoprämie für den Autokauf.“

Die Konjunktur in der Steiermark ist aktuell von Corona und den dadurch ausgelösten Maßnahmen geprägt – das zeigen die Zahlen des aktuellen Wirtschaftsbarometers der WKO Steiermark. Nach einem durchwegs positiven Start ins Jahr wurde die heimische Wirtschaft durch das Virus jäh gebremst.

Liegen die Saldenwerte in der Hochsteiermark, was den bisherigen Geschäftsverlauf betrifft, noch deutlich im positiven Bereich – Gesamtumsatz (+30,8 Prozentpunkte), Auftragslage (+17,7), Preisniveau (+23,3), Investitionen (+20,3) und Beschäftigung (+27,0) – so fällt der Ausblick äußerst negativ aus: Der Saldowert für die Umsatzerwartungen fällt auf -30,0 Prozentpunkte, für die Auftragslage auf – 41,6, für Investitionen auf -22,1 und für Beschäftigung auf -27,6 Prozentpunkte. Einzig der Erwartungssaldo des Preisniveaus liegt mit 4,2 Prozentpunkten im positiven Bereich.

„Angesichts der massiven Corona-bedingten Einschränkungen überraschen diese Ergebnisse allerdings nur bedingt. Sie zeigen, dass es weitere konjunkturfördernde Maßnahmen braucht“, betont Erwin Fuchs. Ziel müsse es sein, dass diese Erwartungen nicht zur wirtschaftlichen Realität werden. Hier würde das Wirtschaftsklima nämlich von +17,3 Prozentpunkten (bisherige Entwicklung) auf -55,9 Prozentpunkte abrutschen.

„Die Regierung hat in der Krise entschieden gehandelt. Gemeinsam mit den Sozialpartnern wurden viele Maßnahmen gesetzt, die noch schlimmere wirtschaftliche Auswirkungen verhindert haben. Auf dieser Basis können wir jetzt mit den richtigen Maßnahmen den wirtschaftlichen Restart schaffen“, ist auch Fuchs überzeugt. Insgesamt 1.025 steirische Unternehmerinnen und Unternehmer haben an dieser ersten großen Konjunkturumfrage seit Corona teilgenommen. „Sie spiegelt sämtliche Branchen, Regionen und Betriebsgrößen wider und lässt darüber hinaus auch einen Vergleich mit bundesweiten Daten zu“, erklärt der Regionalstellenobmann.

So schätzen die Unternehmen in der Hochsteiermark die Geschäftsentwicklung ein:

UMSATZ. Auch die Hochsteiermark ist von dem konjunkturellen Erdbeben, das die COVID-19-Pandemie im Frühjahr 2020 ausgelöst hat, betroffen. Die Erwartungssalden schlittern in den Keller, und das obwohl sich der bisherige Geschäftsverlauf als solide erwies: So verzeichnen 41,2 % einen Umsatzzuwachs und nur 10,4% einen Umsatzrückgang (Saldo bisher: 30,8 Prozentpunkte). Die Erwartungen sind hingegen nun Corona-bedingt stark gedämpft: Nur mehr 14,9 % gehen von einer positiven Umsatzentwicklung aus, wohingegen 44,9 % mit Sorge den nächsten Monaten entgegenblicken. Der Erwartungssaldo erreicht damit seinen bisherigen Tiefststand von -30,0 Prozentpunkten.

AUFTRAGSLAGE. Ähnlich wie beim Gesamtumsatz verhält es sich mit den Einschätzungen zur Auftragslage: Der Saldo zur bisherigen Auftragsentwicklung liegt mit 17,7 Prozentpunkten auch bei der Frühjahrsumfrage noch auf gutem Niveau: Rund ein Drittel der hochsteirischen Betriebe (33,6%) zieht eine positive Bilanz über die letzten 12 Monate. Die Erwartungen an die künftige Auftragsentwicklung haben sich durch die „Corona-Krise“ deutlich verschlechtert: Die Pessimisten (58,7 %) überwiegen auch hier die Optimisten (17,2 %) deutlich, woraus sich ein Erwartungssaldo von -41,6 Prozentpunkten ergibt.

PREISE. Der aktuelle Saldo zum bisherigen Preisniveau liegt über dem Wert der Herbst-umfrage: In den letzten 12 Monaten haben 24,7 % der befragten Unternehmen die Verkaufspreise erhöht und nur 1,4 % das Preisniveau gesenkt (Saldo bisher: 23,3 Prozentpunkte). Künftig gehen 14,6 % von steigenden und 10,4 % von sinkenden Preisen aus, womit der Erwartungssaldo auf 4,2 Prozentpunkte abrutscht.

INVESTITIONEN. Die hochsteirische Investitionskonjunktur erwies sich in den vergangenen 12 Monaten noch als gut: Der Saldo fällt in der aktuellen Frühjahrsumfrage leicht auf 20,3 Prozentpunkte. Künftig dürfte die Investitionsbereitschaft jedoch nachlassen: 42,4 % der hochsteirischen Unternehmen haben vor im kommenden Jahr weniger zu investieren, gleichzeitig gehen aber immerhin noch 20,3 % von einer Ausweitung ihres Investitionsvolumens zum Befragungszeitpunkt aus (Erwartungssaldo: -22,1 Prozentpunkte).

BESCHÄFTIGUNG. Der Saldo zur bisherigen Beschäftigungsentwicklung liegt im Frühjahr mit 27,0 Prozentpunkten über dem Wert der letzten Herbstumfrage, die Beschäftigungs-Dynamik des vergangenen Jahres wird von den hochsteirischen Unternehmen wieder großteils positiv bewertet. Die Entwicklungen im kommenden Jahr sehen die Betriebe allerdings mit großer Skepsis: 39,3 % gehen von einer Personalreduktion aus, wohingegen lediglich 8,0 % Personal einstellen möchten (Erwartungssaldo: -27,6 Prozentpunkte).

„Ökoprämie für Autokauf wäre doppelter Gewinn“

Damit diese negativen Aussichten zu keiner langfristigen wirtschaftlichen Realität werden, brauche es weitere konjunkturbelebende Maßnahmen, ist Erwin Fuchs überzeugt: „Wir müssen die Abwärtsspirale durchbrechen und die Konjunkturlok wieder in Fahrt bringen. Dafür braucht es zum einen wieder Vertrauen und Planbarkeit sowie investitionsfördernde Impulse zum anderen. Die Politik hat in der Krise schnell und entschieden reagiert, selbiges erwarten wir uns jetzt auch für den wirtschaftlichen Restart“, betont Fuchs. Die Experten der WKO Steiermark haben dafür ein entsprechendes Maßnahmenpaket geschnürt, das nicht zuletzt auch die Bedeutung des Mobilitätssektors für die steirische Wirtschaft berücksichtigt. „Die Steiermark ist ein Automobilland. Durch die Einführung einer Ökoprämie für den Kauf eines schadstoffarmen Neuwagens könnte man sowohl für die Umwelt als auch für die Wirtschaft einen wertvollen Impuls setzen“, schlägt Regionalstellenobmann Erwin Fuchs vor.

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