WOCHE-Tischgespräch: Dort, wo Werte und Handschlag noch Qualität haben

Bitte zu Tisch bei Heidenbauer in der Brucker Wiener Straße: Batoor Khan mit Waltraud und Alois Heidenbauer.
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Understatement, also Untertreibung, mag bei der Preisgabe von wirtschaftlichem Erfolg eine familieneigene Tugend sein. Bei der Durchsicht der Referenrprojekte des Brucker Familienunternehmens Heidenbauers hat Untertreibung augenscheinlich keinen Platz mehr. Der Aufbau der Bergisel-Schanze in Innsbruck, die Alu-Stahl-Glas-Fassade des Goldenen Quartiers sowie der Überbau des Raiffeisenhauses in Wien lassen sich nicht einfach verstecken. Das erregt Aufsehen, weltweit.
Im Gespräch mit der WOCHE erklärten Alois und Waltraud Heidenbauer sowie Geschäftsführer Batoor Khan (der Neffe des Seniorchefs) die Philosophie des Hauses Heidenbauer.

Das Unternehmen Heidenbauer zeigt seit 1946 eine ständige Weiterentwicklung. Stillstand oder sich zurücklehnen war demnach nie eine Firmenmaxime.
Warum dieser unbändige Wille nach Expansion? Wird das Ende der Fahnenstange jemals erreicht werden?

Alois Heidenbauer: Ich muss meinem Vater immer noch Respekt zollen, dass er gleich nach dem Krieg den Mut hatte, eine kleine Firma zu gründen. Ich bin 1966 ins Unternehmen eingestiegen, auch damals war die Aufbruchstimmung rundum noch deutlich spürbar. Das stetige Wirtschaftswachstum ist seit der Jahrtausendwende einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb gewichen. Unser Leitsatz "Wer rastet, der rostet" hat sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt.
Batoor Khan (seit 2012 Geschäftsführer und demnächst auch Firmenteilhaber): Die Herausforderungen sind andere, der Ehrgeiz ist auch in dritter Generation noch der gleiche geblieben. Wir haben noch viel vor, an ein Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht zu denken.

Es sind fast alle Sparten des Metallbaus im Unternehmen Heidenbauer vertreten.
Was fehlt noch? Welche Sparte wünscht man sich noch?

Batoor Khan: Unser mittelfristiges Ziel ist es, die vorhandenen Sparten auszubauen und zu festigen. Kurzfristig ist keine Ausweitung geplant.
Alois Heidenbauer: Wir sind ob der Dimensionen vieler Projekte gezwungen, Leistungen zuzukaufen. Über kurz oder lang wird es unvermeidbar sein, mit einem Unternehmen aus den Nachbarländern intensiv zu kooperieren.
Waltraud Heidenbauer: Generell haben wir unseren Familienbetrieb geteilt: der operative Metallbau-Teil wird von Batoor Khan geführt; der Immobilien-Zweig mit rund 60 Objekten von Wien bis Zürich wird von unseren Kindern gemanagt.

Der Synergieeffekt unter den einzelnen Holding-Gruppen – das große Erfolgsgeheimnis? Wo liegt weiters der Wettbewerbsvorteil des Heidenbauer-Unternehmens?
Alois Heidenbauer: Wir feilen ständig an unserer Kernkompetenz. Von der Planung bis zum fertigen Produkt – alles mit einem Partner. Das können wir, da sind wir stark.
Batoor Khan: In fast alle Geschäftsfelder sind wir organisch hineingewachsen. Damit schaffen wir es, möglichst viel Wertschöpfung ans eigene Haus zu binden und Service aus einer Hand anbieten zu können.

Reden wir über Werte: die Werte die im Unternehmen Heidenbauer seit der Firmengründung wichtig sind: Qualität, Termintreue, offene Kommunikation und Fairness. Steht man diese Wertetreue bedingungslos durch?
Batoor Khan: Gerade in schwierigen Zeiten macht es sich bezahlt, auf Werte zu vertrauen. Wenn man sich ausschließlich vom Markt leiten lässt, dann wird es schwierig. Was man aber lernen muss, dass ist der Umgang mit der Geschwindigkeit.
Alois Heidenbauer: Mehr als 50 Prozent unserer Kunden sind langjährige Stammkunden. Werte und Handschlagqualität werden hier noch geschätzt – von den Kunden, von den Mitarbeitern und auch von den Banken.

Standorttreue: Firmensitz ist in Bruck, es gibt einen Standort in Wien.
Welche Vorteile bietet ein Standort in Bruck? Wäre ein Firmensitz in Wien aus wirtschaftlicher Sicht nicht erfolgsversprechender?

Batoor Khan: Was wir an Bruck schätzen, das ist das Vorhandensein von gut ausgebildeten Arbeitskräften. Wir haben wenig Personalfluktuation. Etwas schwieriger wird es bei der Besetzung von Schlüsselpositionen, hier wären die Ressourcen eher im urbanen Raum zu finden.
Alois Heidenbauer: Durch unseren Standort in Wien sind wir in der Bundeshauptstadt sehr präsent. Unser unternehmerisches Betätigungsfeld erstreckt sich beinahe schon über ganz Mitteleuropa. Da ist es völlig egal, ob du in Wien oder Bruck sitzt.

Das Unternehmen gibt es seit 71 Jahren. Hat es in diesen Jahren einmal wirklich gekriselt? Finanzkrise 2008, Zurückhaltung bei öffentlichen Großinvestitionen - wie geht ein Metallbau-Unternehmen damit um?
Alois Heidenbauer (blickt seine Frau Waltraud fragend an): Sicherlich hat es gekriselt. Die Zeit zwischen 2004 und 2012 waren keine einfachen Jahre. Dazu kommt, dass ein Generationenwechsel für ein mittelständisches Familienunternehmen immer eine besondere Herausforderung darstellt. Ziele werden neu definiert, Strukturen werden angepasst. Das alles braucht seine Zeit.

Die „Jungen“ sind am Ruder. Gefällt Ihnen Richtung und Tempo, das die Jungen vorlegen? Braucht es einen Bremser, einen Mahner?
Alois Heidenbauer: Wir, meine Frau und ich, sind sehr zufrieden, wie es momentan läuft. Das Management ist stark verjüngt, die Ausrichtung bei allen Unternehmensbereichen stimmt, wird aber auch immer mit uns abgesprochen. Das Tempo ist genau richtig. Wir brauchen keinen Bremser. Und eines darf man nie vergessen: Es hat immer Spaß gemacht und es macht jetzt auch großen Spaß – obwohl wir ja nur mehr "Privatiers" sind.
Waltraud Heidenbauer: Und nicht zu vergessen: Bei allem Tun gehört immer auch ein Alzerl Glück dazu. Das haben wir stets gehabt.

Das Tischgespräch wurde fotografiert von Katarina Pashkovskaya

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