17.09.2014, 00:00 Uhr

33 Dinge, die ein Hochsteirer getan haben muss - Tipp 1: Einmal am Hochschwab Gipfel gewesen sein

"Drei Companeros" unterm Hochschwab-Gipfel: Wolfgang Barak, Christian Toth und die kapverdische Sängerin Mayra Andrade (Plakat).

Einmal muss man am Hochschwab gestanden sein: Schiestlhaus-Wirt Christian Toth macht das eher berufsbedingt.

Unter vier Stunden geht für unsereins nix. Das muss man für einen Hochschwabgipfel schon einplanen. "Hirscher" machen den Aufstieg unter zwei Stunden. Lohnend ist der mit 2.277 Meter höchste Gipfel der Hochsteiermark allemal - sei es für Bergwanderer, Schitourengeher, Kletterer und Freunde der alternativen Musikszene. Für Letztere ist der Hüttenwirt des Schiestlhauses, Christian Toth, zuständig, der den Hochschwab für ein bislang höchst unalpines Publikum geöffnet hat.

Der "Dienstälteste"

Christian Toth ist seit 1995 Hüttenwirt am Hochschwab und zählt somit zu einem der dienstältesten Hüttenwirte der Obersteiermark. Den Gipfel hat er vom Schiestlhaus stets im Blick. Freiwillig geht er selten rauf. "Entweder meine Kinder zwingen mich zu einem Abendspaziergang, oder wir müssen jemanden im Nebel suchen. Ansonsten habe ich andere Lieblingsstellen hier am Plateau, wo man ungestörter ist."
Zum Schiestlhaus kam Christian Toth wie der Bergsteiger zum Tangotanzen. "Nach meinem Studium bemerkte ich schnell, dass mich ein Bürojob nicht wirklich vom Hocker reißt. Ich habe nach Alternativen gesucht. Irgendwas mit Kräuter und Gartenbau. Zur Überbrückung wäre Hüttenwirt ganz nett, hab ich mir damals gedacht." Interessiert hat sich Christian Toth fürs Meranhaus auf der Veitsch, bekommen hat er das Schiestlhaus. "Ich hatte keinerlei Bergerfahrung, keine Kenntnisse im Gastrobereich; die vom Österreichischen Touristenklub (ÖTK) haben nur jemanden gesucht, dem sie diesen Schrotthaufen andrehen können."

"Ich bleib da oben"

Aus der Übergangslösung ist eine Dauerlösung geworden. 2005 der Glücksfall: Das alte Schiestlhaus hat ausgedient, an dessen Stelle rückt ein hypermodernes Passivhaus - ein einzigartiges ökologisches Pilotprojekt. Mittlerweile ist das Schiestlhaus mit Hüttenwirt Christian Toth das Aushängeschild des ÖTK.
Christian Toth zählt inzwischen zwar zum festen Hochschwab-Inventar, anpassen hat er sich nicht lassen. Keine Spur von Alpenromantik, nix mit rotkarierten Hemden und Hirschlederhose. Stattdessen Che Guevara-Kappe, weite Leinenhosen, der Hüttenwirt meist barfuß. Aus dem Lautsprecher Jazzmusik, oder Fago, sehr oft Reggae – Hauptsache weit weg vom Mainstream. "Wir sind eine musikalische Schutzhütte. Musiker haben bei uns gleich einen Stein im Brett", erzählt Christian Toth. 2.000 CD´s soll es auf dem Schiestlhaus geben. "Rund 500 davon haben die Gäste mitgebracht." Abends gibt es nicht selten Jazz-Sessions. Christian Toth ist mit Gitarre schnell dabei.

Die höchste Haubenküche

Wenn Christian Toth in der Wir-Form spricht, dann meint er stets seinen Koch, Wolfgang Barak. Die beiden könnten Brüder sein. Wobei der eine ein begnadeter Koch ist. Die Küche auf dem 2.156 Meter hohen Schiestlhaus ist sensationell - außergewöhnlich sensationell.
Ob Christian Toth vom Hochschwab weg will? "Mir taugt es hier, so lange ich selbst raufgehen kann, bleibe ich da." Lieblingsgäste? "Alle! Solange sie intelligent, sozial ausgerichtet und musikalisch interessiert sind." Christian Toth lächelt verschmitzt und fügt hinzu: "Es gibt durch den lagen Zustieg eine natürliche Selektion der Gäste und hier heroben habe ich den idealen Abstand von der Zivilisation."
Das Leben scheint hier am Hochschwab tatsächlich in super-slow-motion abzulaufen.

Aus dem Leben eines Hüttenwirtes

Das Schiestlhaus hat von Ende Mai bis 26. Oktober geöffnet. Es gibt keinen Ruhetag. Ist das Wetter schön, dann tummeln sich Hundertschaften an Bergwanderern rund um Hochschwab-Gipfel und Schiestlhaus. "Dann haben wir Hochbetrieb. Die Hüttenmannschaft wird aufgestockt, die Zimmer und Lager sind voll, nicht selten müssen die Gäste im Gastraum übernachten.
Ist das Wetter schlecht, dann ist der Hüttenwirt, mit deutlich schlankerem Team, allein. "Lagerkoller gibt es auch bei länger anhaltendem Schlechtwetter nicht. Die Buchhaltung muss gemacht werden, Vorbereitungen fürs Schönwetter sind zu treffen - in einer Berghütte geht die Arbeit so schnell nicht aus." Mindestens einmal im Monat muss der Hüttenwirt auch ins Tal. "Meine Familie lebt in Turnau - Familientreffen ist angesagt, Einkäufe und Hubschrauberlieferungen müssen organisiert werden."
Einer der nie ins Tal geht, das ist der Koch. Wolfgang Barak bleibt von April bis Anfang November am Berg. Dabei kommt er wie Hüttenwirt Christian Toth aus dem Wiener Raum und hat mit Alpinismus wenig am Hut. "Wenn er da ist, hält er sich meistens in der Küche auf, er geht auch kaum raus ins Freie - irgendwie sind wir schon sonderbare Kerle." Wieder so ein verschmitztes Lächeln.

Wie war der heurige Sommer?
"Durchwachsen, sehr durchwachsen", erklärt der Hüttenwirt. "Durch die vielen Regentage und vor allem durch die schlechten Wetterprognosen blieben die Gäste aus. Aus wirtschaftlicher Sicht müsste ich jetzt bei Null sein. Mir bleiben jetzt noch sechs Wochen, um ein kleines Plus zu erwirtschaften. Mit dem Plus sollte ich auch noch überwintern können." Also reich an Geld wird man als Hüttenwirt nicht.

Kontakt:
www.schiestlhaus.at
Tel. 0699 / 10 81 21 99.
Tourismusverband
Alpenregion Hochschwab:

8623 Aflenz Kurort, Kassecker Platzl 50a
Tel. 03861 / 3700
Mail: region.hochschwab@aon.at
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Kurt Reiter aus Bruck an der Mur | 19.08.2015 | 23:19   Melden
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