16.11.2016, 15:36 Uhr

Einen Bauernbuam bringt nichts um

Ein Wiedersehen nach weit mehr als 70 Jahren: Der Kindberger Franz Reiter (re.) und Alois Muhr. (Foto: Hans Lackner)

Der "Burli" wird am 1. Dezember 91 Jahre alt. Franz Reiter aus Kindberg und eine zweimalige Begegnung.

"Am Pfingstsonntag war's!" Der Kindberger Franz Reiter erinnert sich noch genau. An diesem Tag hat er bei Radio Steiermark einen musikalischen Geburtstagswunsch für einen gewissen Alois Muhr aus Flattendorf bei Hartberg vernommen. "Muhr Alois, das ist doch der, den ich...", so sinnierte der passionierte Bergfex Franz Reiter vor sich hin. Im Jahr 1944 hat er im 2. Weltkrieg in Odessa am Schwarzen Meer in einem Schützengraben einem gewissen Alois Muhr das Leben gerettet. "Er wurde von einem Granatsplitter an der Schläfe getroffen. Ich habe ihn in aller Eile versorgt und ihn ins Lazarett getragen. Als Dank bekam ich vom Hauptmann einen Tritt in den Hintern." Alois Muhr und Franz Reiter haben den Krieg trotz Verletzungen überlebt und nach Kriegsende ein- oder zweimal Kontakt aufgenommen. "Der Kontakt ist abgebrochen, bis zum Pfingstsonntag." Mit Hilfe seiner Kinder hat Franz Reiter die Telefonnummer von Alois Muhr ausfindig gemacht und ihn angerufen. "Im Sommer haben wir uns dann tatsächlich in Hartberg wieder getroffen", erzählt Franz Reiter.

Stoff für ein Buch

Eigentlich müsste man über das Leben von Franz Reiter ein Buch schreiben. 1925 am Kindberger Herzogberg auf einem Bauernhof geboren, musste er im Jänner 1943 zum Arbeitsdienst einrücken. Nach Arbeitseinsätzen in Italien durfte er kurzfristig heim, musste aber im August 1943 in den Wehrdienst einrücken. "Alle über 1,72 Meter mussten zur SS. Gott sei Dank war ich zu klein", erinnert sich Reiter.
Beim Fronteinsatz wurde auch er verletzt. Waghalsig und abenteuerlich die Heimkehr ins Lazarett im Schloss Pichl in Mitterdorf. Danach als "kriegsverwendungstauglich" eingestuft wieder zurück an die Front. "Meine Lunge war nicht ausgeheilt, ich musste in der Hohen Tatra wieder ins Lazarett." Rückzug und Flucht vor den Russen, amerikanische Kriegsgefangenschaft, endlich wieder daheim in Kindberg – ein ganzer Krieg im Schnelldurchlauf, bewegend erzählt von Franz Reiter. "Ich war ein junger Bub und als Bauernbub abgehärtet. Wir haben ja gar nicht begriffen, was rund um uns geschieht", spricht er fast schon entschuldigend von seinem Kriegseinsatz.

Franz Reiter lernte später Zimmerer und ging dann ins Alpine-Werk in Kindberg. Er war lange verheiratet, ist jetzt Witwer, hat zwei Töchter, fünf Enkel und sieben Urenkel. Von 1963 bis 1992 war er Obmann der Naturfreunde Kindberg. Die Mitgliederzahl wuchs in dieser Zeit von 291 auf 1.080. "Ich habe diesen alpinen Verein entpolitisiert", sagt er immer noch stolz. Fast zwei Perioden war er trotzdem für die SPÖ im Gemeinderat. Die Berge liebt er bis heute: Vom Himalaya bis zum Töllamoarkogel ist dem Bergfex nichts fremd.
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