29.11.2016, 11:17 Uhr

Eintauchen in eine "schlösserne" Welt

Schlossermeister Christian Glitzner in seiner "musealen" Werkstatt. Die kleine Schlosserei ist ein steirischer Meisterwelten-Betrieb.

Ein Besuch in der Schlosserei von Christian Glitzner in Mariazell. Ein steirischer Meisterwelten-Betrieb.

"Wollens ein Museum haben, oder einen Produktionsbetrieb?" Das wurde Christian Glitzner bei einer behördlichen Betriebsbesichtigung gefragt. "Am besten beides", so die überraschende Antwort des Schlosser- und Schmiedemeisters.
Das Überraschende weicht, wenn man tiefer in die Meisterwelt des Christian Glitzners eintaucht. "Ich liebe das alte Handwerk schon seit Kind auf", so Glitzner, der schon mit zwölf Jahren in der Schlosserei des Vaters Eisenvierkanter "aushammerln" durfte, eine Tätigkeit, die er heute noch liebend gerne macht.

Aufsperrdienst als Nische

Seit 31 Jahren ist Christian Glitzner Schlossermeister, seit 1978 arbeitet er in der Werkstatt in Mariazell, 1997 hat er sich selbstständig gemacht. "Ja, mit altem Handwerk kann man gut überleben", so Glitzner und ergänzt: "Wenn man sich mehrere Standbeine oder Nischen sucht." Bei ihm ist es zum Beispiel die Sicherheitstechnik (mit Aufsperrdienst) oder der Stahlbau. "Ganz speziell die Kombination Edelstahl und Glas wird immer mehr nachgefragt." In der Schlosserei sind weiters ein Mitarbeiter und ein Lehrling beschäftigt. "Einen weiteren Lehrling würde ich schon gerne nehmen, es bräuchte sich nur wer zu melden."

Künstlerische Ader

Die Werkstatt ist eine wahre Fundgrube. Das Lieblingsstück des Meisters ist eine 106 Jahre alte Standbohrmaschine. "Sie ist noch täglich in Betrieb." Aufwendig verzierte Grabkreuze warten auf ihre Restaurierung. "In jüngster Zeit habe ich mich vermehrt der Restaurierung zugewendet. Erst durch jahrzehntelange Erfahrung wird man vielfältiger." Bei Restaurierungen von alten Möbelstücken kommt das ganze Können eines Handwerksmeisters erst vollends zur Geltung. "Man muss handwerklich voll auf der Höhe sein, man braucht eine künstlerische Ader und man muss ständig improvisieren. Man arbeitet stets an Einzelstücken", erzählt Christian Glitzner.
Einen Nachfolger aus der Familie wird es nicht geben. "Ich hätte trotzdem gerne, dass das Unternehmen weitergeführt wird und dass ich mein Wissen weitergeben kann." Möglich könnte das in ein paar Jahren die Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer machen. "Noch ist es nicht soweit, ein paar Jahre gedenke ich noch in der Werkstatt zu stehen", sagt der Meister und wendet sich wieder seinem Metallstück zu.
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