17.09.2014, 00:00 Uhr

Ärzte sind schon jetzt am Limit

Im LKH Bruck fehlen zwei Turnusärzte, die Lage wird sich in den nächsten Monaten verschärfen. (Foto: Foto: Maili)

Im LKH Bruck fehlen zwei Turnusärzte, die Lage wird sich in den nächsten Monaten jedoch massiv verschärfen.

Die Besetzung freier Turnusarzt-Stellen im LKH Bruck ist, wie der Ärztliche Direktor Heinz Luschnik schildert, mittlerweile zu einem monatlichen Zittern geworden: "Werden wir genug Ärzte bekommen oder nicht - diese Frage stellen wir uns Monat für Monat."
Konkret fehlen derzeit auf der Abteilung für Unfallchirurgie zwei Turnusärzte, alle anderen Abteilungen konnten in diesem Monat zwar noch besetzt werden, aber oft auch nur durch Umschichtungen: "Wir haben für die Chirurgie und die Neurologie Anträge gestellt, Turnusarzt-Stellen in Stationsarztstellen umzuwandeln. Stationsärzte verfügen über einen abgeschlossenen Turnus, können viel an Basisarbeit übernehmen und sind derzeit noch leichter zu finden als Turnusärzte", so Luschnik. Auch für die Unfallchirurgie ist ein solcher Antrag eingereicht worden.
Massiv verschärfen wird sich die Problematik aber mit Inkrafttreten des neuen Arbeitszeitgesetzes für Spitalsärzte: Statt derzeit 72 Stunden darf die maximale Wochenarbeitszeit ab 1. Jänner 2015 48 Stunden nicht mehr überschreiten; spätestens dann muss Personal aufgestockt werden. "Um ein Dienstrad gewährleisten zu können, sind nach derzeitiger Gesetzeslage sechs Ärzte notwendig. Damit fahren wir aber jetzt schon personell am untersten Limit. Ab Jänner sind pro Dienstrad dann mindestens neun Ärzte nötig. Dann fehlen in den insgesamt 13 Diensträdern aller Abteilungen jeweils drei Ärzte", rechnet Luschnik vor. Noch dazu müssen in Zukunft Dienste, die im Notarztsystem verrichtet werden, anders als jetzt, in die maximale Wochenarbeitszeit eingerechnet werden.
Die bevorstehende Problematik ist eigentlich schon seit zehn Jahren bekannt, bislang hat man in Österreich jedoch abgewartet und keinerlei Vorkehrungen getroffen. Um nun einem völligen Zusammenbruch des Systems mit 1. Jänner entgegenzuwirken, laufen Verhandlungen mit der EU, das neue Gesetz auf sechs Jahre verteilt stufenweise umzusetzen. Dazu müssten jedoch alle Ärzte eine so genannte "Opting out"-Regelung, die eine ganz bewusste Umgehung des neuen Gesetzes beinhaltet, unterschreiben. Ein großer Teil der Ärzteschaft, so hört man, wird sich jedoch weigern, für die Versäumnisse des Staates persönlich herzuhalten. Zumal die rechtlichen Konsequenzen aus diesem Handeln noch nicht geklärt sind.

Der Stufenplan

Derzeit sind in österreichischen Krankenhäusern laut österreichischem Arbeitszeitgesetz maximal 72 Wochenstunden für Ärzte erlaubt. Mit 1.1.2015 muss Österreich jedoch die EU-Richtlinie umsetzen, die einem maximale Arbeitszeit von 48 Stunden vorsieht. Obwohl seit Jahren bekannt, hat Österreich bislang keine Lösung dafür parat. Derzeit laufen jedoch Verhandlungen, das EU-Gesetz stufenweise umzusetzen. In drei Stufen, verteilt auf insgesamt sechs Jahre, soll die Arbeitszeit auf die vorgeschriebenen maximal 48 Stunden reduziert werden; bis 2021 soll dann das EU-Gesetz vollständig umgesetzt sein. Dazu ist es jedoch notwendig, dass Spitalsärzte die so genannte "opting out"-Regelung unterschreiben. Das sind Betriebsvereinbarungen, die in der Zeit des Stufenplans eine erhöhte Wochenarbeitsstundenanzahl möglich machen sollen.
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