09.11.2016, 15:01 Uhr

Was muss ein städtischer Tourismusverband können?

Alfred Grabner und Andreas Steininger wurden fotografiert von MIchael Maili. (Foto: mmArts Michael Maili)
Wenn man an die Hochsteiermark denkt, dann fällt einem spontan der Hochschwab, Mariazell und der Erzberg ein. Ein wesentliches Herzstück des Hochsteiermark-Tourismus machen auch die großen Städte Leoben, Kapfenberg und Bruck aus.
Im Gespräch mit der WOCHE erklären Alfred Grabner als Obmann des Tourismusverbandes Bruck und Hotelier in Bruck und Kapfenberg sowie Andreas Steininger als Geschäftsführer des Brucker Tourismusverbandes die Besonderheiten einer städtischen Tourismusvereinigung.

Salopp gefragt: Wie war der Sommer aus touristischer Sicht?
Alfred Grabner: Relativ gut. Wir hatten eine starke Radsaison, das spürt man deutlich in der Nächtigungstatistik. Auch die obersteirischen Großveranstaltungen wie Moto-GP, Formel 1 und Bundesfeuerwehrleistungsbewerb waren in Bruck deutlich spürbar. Dazu kommt, dass der Geschäftstourismus keine saisonalen Schwankungen kennt und wir auch im Sommer davon profitieren.
Andreas Steininger: Der Tagestourismus war heuer so stark wie nie zuvor. Einerseits partizieren wir als Stadt von den umliegenden Tourismusbringern wie Grüner See oder Hochschwab mit, andererseits greifen unsere eigenen Schwerpunkte wie historische Stadtführungen immer besser.

Wie schaut die Entwicklung der Nächtigungszahlen in den vergangenen Jahren aus?
Andreas Steininger: Wir haben uns stabil auf einen Nächtigungswert zwischen 35.000 und 40.000 Nächtigungen pro Jahr eingependelt. Das sind in etwa fünf Prozent der Nächtigungen im Tourismusregionalverband Hochsteiermark.
Alfred Grabner: Mit den Rekordmeldungen können wir bei den Nächtigungen nicht mithalten, aber soviel ich weiß, sind wir in Bruck und Kapfenberg ziemlich stabil. Was jedoch rückläufig ist, das ist die Ertragslage der Hotellerie und Gastrobetriebe. Der Preisdruck wird nicht kleiner.

Was sind die Herausforderungen eines städtischen Tourismusverbandes?
Grabner: Wichtig ist, dass wir ständig präsent sind. Eine Stadt wie Bruck darf den Tourismus nicht isoliert betrachten. Wir sind nur Teil eines Ganzen. Wir profitieren vom Umland, das Umland profitiert von uns.
Steininger: Wir vermarkten unsere Stärken. Schlossberg, Mur, Weitental, historische Altstadt. Gemeinsam mit der Stadt haben wir ein langfristiges Tourismuskonzept erarbeitet. Nach einer Anlaufzeit von zwei bis drei Jahren beginnt das Konzept jetzt zu greifen.

Der TV Bruck kooperiert gerne; daraus entstehen Kooperationen, die auf dem ersten Blick wenig miteinander zu tun haben (Turnau, Mariazell – über die kleinen historischen Städte Österreichs). Was steckt dahinter?
Steininger: Wir müssen über Bruck hinaus denken. Die Tourismusverbände sind an sich zu klein strukturiert. Weil wir gewisse Themen in der Stadt nicht anbieten können, brauchen wir Partner aus der Umgebung. Mit Turnau haben wir uns beispielsweise das Schifahren in die Stadt geholt. Und wenn es in unser Konzept passt, dann sind wir gerne auch bei regionsübergreifenden Kooperationen wir die "Kleinen historischen Städte" mit dabei, das sichert uns mediale Präsenz.

Bruck ist in keinem 4/3er-Verband eingebettet? Warum eigentlich nicht? Braucht man überhaupt noch kleine, eingemeindige Tourismusverbände? Wie klein darf man den Tourismus überhaupt denken? Bzw. wie groß muss man ihn denken?
Grabner: Je größer ein Tourismusverband, umso mehr kann man machen. Vier bis fünf Tourismusverbände unter dem Dach der Hochsteiermark das wäre ein gesundes Maß.
Steininger: Hätten wir größere Einheiten im Tourismusverband, dann würde es auch mehr Professionalisierung geben. Dann könnte sich der Tourismusregionalverband um tiefgreifendere Marketingmaßnahmen kümmern. Bislang muss er noch zu viele Aufgaben übernehmen, die die einzelnen Verbände erledigen müssten.
Grabner: Warum kann ein Regionalverband nicht mit Investoren verhandeln und große Projekte ankurbeln? So weit müsste ein Tourismusregionalverband freigespielt werden, und natürlich auch mit den entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werden.

Der Winter steht vor der Tür: Warum soll ein Urlaubsgast im Winter in die Hochsteiermark bzw. ganz speziell nach Bruck kommen?
Steininger: Gute Frage. Eigentlich sollten wir vom touristischen Angebot aus dem Umfeld profitieren. In Wahrheit liegt der Tourismus in der Zeit von Ende Oktober bis Ostern bei uns ziemlich brach.
Grabner: Den Geschäfts- und Seminartourismus bespielen wir derzeit schon recht gut. Das läuft auch im Winter. Ein touristisches Angebot müssen wir unbedingt auch im Winter anbieten, weil sich z.B. die Kunden der vielen Weltmarktführer ein attraktives touristisches und kulturelles Rahmenprogramm erwarten.

Alfred Grabner und Andreas Steininger wurden fotografiert von Michael Maili www.photosynthesen.at
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