29.11.2016, 11:01 Uhr

"Wie können wir helfen? Das ist unser Job!"

Monika Vukelic-Auer: "Alle Mitarbeiter können alles bearbeiten." (Foto: Michael Maili)

Kapfenberg hat seit 20 Jahren ein Bürgerbüro. Monika Vukelic-Auer erklärt ihre Dienststelle.

Im Jahr 1996 wurde in Kapfenberg eine neue Form von Bürgerbüro eröffnet. Mit dieser Form einer Anlaufstelle für Bürger war man damals Vorreiter in Österreich. Monika Vukelic-Auer leitet die Dienststelle "Bürgerbüro und Sozialwesen" und war schon 1996 federführend dafür verantwortlich, dass dieses Konzept umgesetzt wurde.

Wie ist es 1996 zur Gründung dieses Bürgerbüros gekommen?
MONIKA VUKELIC-AUER: Das Bürgerbüro war 1996 das erste, sichtbare Ergebnis einer Verwaltungsreform innerhalb der Kapfenberger Stadtverwaltung. Ziel war es, eine zentrale Anlaufstelle für sämtliche Bürgeranliegen zu schaffen.


Was muss ein Bürgerbüro im Idealfall können?
Davon habe ich ganz klare Vorstellungen. Wir haben das ,One-Stop-Shop'-Modell schon umgesetzt, als noch keiner davon gesprochen hat. Aufs Bürgerbüro umgesetzt heißt es, dass das Anliegen des Bürgers an Ort und Stelle behandelt wird. Dazu ist es notwendig, dass jede Mitarbeiterin alles machen kann. Eine profunde Ausbildung und Einschulung der Mitarbeiter ist unumgänglich.

Wie nahe dran ist man hier in Kapfenberg am Idealfall?
Wir sind sehr nahe dran am Idealzustand. Das Modell des One-Stop-Shops ist ein sehr kompetentes Erfolgsrezept.

Sie und Ihre Mitarbeiter werden auch immer wieder mit prekären Fällen konfrontiert: Was sind solche prekären Fälle und nehmen diese tatsächlich zu – oder ist das nur ein subjektiver Eindruck?
Was sind prekäre Fälle? Für uns sind das Fälle rund um die bedarfsorientierte Mindestsicherung oder Ansuchen um einmalige Sozialhilfe. Viele Menschen haben es mit sogenannten prekären Arbeitsverhältnissen zu tun. Da reicht ein Verdienstausfall von zwei oder drei Monaten und man kann die Miete nicht mehr bezahlen. Da ist es wichtig zu wissen: Hier können wir helfen, das ist unser Job. Und: Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Die Menschen müssen uns vertrauen. Werden wir zu spät kontaktiert, dann hat der Teufelskreislauf oft schon begonnen.

Es kommen immer wieder auch Menschen aus anderen Ländern zu Ihnen. Im Bürgerbüro arbeiten ausschließlich Frauen. Führt das zu Problemen?
Wir wissen damit umzugehen. Sollten Menschen ein Problem damit haben, sich von Frauen helfen zu lassen, dann machen wir es sehr deutlich, dass sie mit uns zusammenarbeiten müssen, wenn sie möchten, dass ihnen geholfen wird. In 90 Prozent der Fällen funktioniert diese klare Ansage; das funktioniert so auch im Bereich der Kindergärten.

Kapfenberg wird immer wieder von rechter Seite als sozialer Brandherd dargestellt. Wie korrekt ist diese Aussage?
Wenn wir nicht schon jahrelang eine so intensive Integrationsarbeit geleistet hätten, dann würde es vielleicht dramatisch aussehen. Wir sind alle Menschen da. Wir, als aufnehmende Gesellschaft müssen uns ebenso bewegen, wie jene Menschen, die zu uns kommen. Wir müssen den Menschen, die zu uns kommen, Möglichkeiten zeigen, Maßnahmen zur Integration setzen und wenn es sein muss, sie auch an ihre Pflichten aber auch an ihre Rechte erinnern.

Ein belastender Job, oder ein schöner Job? Was ist eher richtig?
Es ist ein schöner Job! Ein schöner Job, der belastend und herausfordernd sein kann. Mir ist es wichtig, dass ich Menschen helfen kann.

Monika Vukelic-Auer wurde fotografiert von Michael Maili
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