13.09.2014, 19:01 Uhr

WOCHE-Tourentipp: Die Rax - oder ein Stück Alpingeschichte

Auf der 2.007m hohen Heukuppe mit ihrem markanten Gipfelbauwerk: Einer der Paradeaussichtsgipfel der Hochsteiermark. (Foto: Steininger)

Berg- und Skiführer Andreas Steininger empfiehlt diesmal eine Tour auf die Rax: In der Hochsteiermark gibt es eine der ältesten Bergrettungsdienste der Welt. Heute erwandern wir, warum.

Es muss ein schneereicher Winter gewesen sein – dieser März 1896, als drei Bergsteiger versuchten, über den tief verschneiten Reißtalersteig die Hochfläche der Raxalpe zu erreichen. Denn als sich die Alpinisten bereits im obersten Teil des Steiges befanden, löste sich ein riesiges Schneebrett und riss die drei Männer mit in die Tiefe.

Tagelange Rettungsaktion
Erst Tage nach dem Unglück starteten die damals noch überhaupt nicht koordinierten Rettungsaktionen – mit drei Totbergungen als trauriges Ergebnis.
Daher gründeten bereits im gleichen Jahr 1896 einige Wiener Bergsteiger einen alpinen Rettungsdienst und installierten in Mürzzuschlag eine Dienststelle dieser Organisation. Somit zählt die Mürzzuschlager Bergrettung zu den ersten und ältesten Bergrettungen der Welt.

Auf den Spuren des Jahres 1896
Unsere herbstliche Wanderung führt uns über diesen Reißtalersteig auf die Heukuppe, den höchsten Punkt der Raxalpe. Doch keine Angst, im Herbst und ohne Schnee ist dieser versicherte Steig eine originelle Alternative zu den „normalen“ Wanderwegen auf die Rax. Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit sind aber Voraussetzung, ein Helm für alle Begeherinnen und Begeher Pflicht!
Wir starten vom Gasthof Moassa (erreichbar über eine gut ausgebaute Bergstraße von Kapellen an der Rax) und wandern zunächst in östlicher Richtung, vorbei am „Mitterbachstall“, bis zu einem Forstweg, der uns direkt zur unbewirtschafteten Reißtalerhütte führen würde. Doch wir zweigen bereits vorher links aufwärts ab und erreichen so die sogenannte „Imhofrast“, einen wunderschönen Aussichtspunkt am Fuß der Raxenmäuer. Hier bietet sich ein herrlicher Blick auf unseren felsigen Weiterweg und so stehen wir bald am Einstieg des versicherten Reißtalersteiges.

Im Herbst ja, im Winter nein!
Eine Gedenktafel erinnert direkt beim Beginn der Versicherungen an das Unglück 1896 und die darauffolgende Gründung der Bergrettung. Wir setzen hier unseren Helm auf und folgen den Stahlseilen aufwärts über felsiges Gelände bis zu einer bereits gut sichtbaren steilen Leiter.
Diese im Winter durch ein riesige Wächte oft unpassierbare Passage erklettern wir jetzt im Herbst problemlos und erreichen so am Ausstieg ein Gedenkkreuz.
Hier entscheiden wir uns für den gerade aufwärts führenden oberen Reißtalersteig, der uns zur Hochfläche und somit auch zur 2.007m hohen Heukuppe bringt (der vom Gedenkkreuz nach rechts führende Weg leitet in rund 15 Minuten direkt zum bewirtschafteten Karl Ludwighaus).

Die Qual der Abstiegswahl
Am Gipfel präsentiert sich uns ein herrliches Panorama, sodass die verdiente Jausenpause auch für die Augen zum Genuss wird.
Für den Abstieg zum Gasthof Moassa bieten sich nun mehrere Möglichkeiten an:
- über das Karl Ludwighaus und den versicherten Gretchensteig
- direkt von der Heukuppe über den Fuchslochsteig (schwierig!)
- über den Altenbergersteig, einen wunderschönen Wanderweg (Empfehlung des Autors!)

Beim Gasthof Moassa steht dann einem kulinarischen Tourabschluss nichts mehr im Wege!

Toureninfo kompakt:

• Ausgangs- und Endpunkt: Gasthof Moassa, erreichbar über eine gut ausgebaute Bergstraße von Kapellen, Tel.: 03857 / 2225.
• Aufstieg: 2 - 3 Stunden.
• Gehzeit gesamt: 5 - 6 Stunden (bei empfohlenem Abstieg über den Altenberger Steig).
• Stützpunkte entlang der Tour: Karl Ludwighaus, rund 15 Minuten vom Ausstieg des Reißtalersteiges entfernt, durchgehend bis Ende Dezember bewirtschaftet, Nächtigungen möglich, Tel.: 02665 / 380.
• Familien- bzw. Kindereignung: für trittsichere und bergerfahrene Kinder / Jugendliche, evtl. kurzes Sicherungsseil empfehlenswert!
• Schwierigkeit: kurzer versicherter Steig (Klettersteigschwierigkeit B), absolute Trittsicherheit nötig, Helm empfehlenswert. Bei Nebel Orientierung auf der Hochfläche schwierig!

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