15.09.2014, 08:05 Uhr

Mariazell auf den Barrikaden

Mit Trillerpfeifen und Transparenten zog man in den Kampf um eine medizinische 24-Stunden-Versorgung.

Als am vergangenen Donnerstag Gesundheitslandesrat Christopher Drexler und Kages-Vorstand Karlheinz Tscheliessnigg zu einem Gespräch über die Zukunft der medizinischen Versorgung im Mariazeller Raum im LKH-Gelände eintrafen, wurden die beiden nicht nur von den vier Bürgermeistern der Region, sondern auch von rund 350 lautstark protestierenden Mariazellern empfangen. Die Bevölkerung kritisierte, dass in der Vergangenheit Versprechen nicht eingehalten und damit die medizinische Versorgung der Region nicht mehr gewährleistet werden konnte. Wie berichtet können im September 13 Dienste im LKH aufgrund des akuten Ärztemangels nicht besetzt werden, womit eine Lücke in der medizinischen Rund-um-die-Uhr-Versorgung entsteht.

Konstruktives Gespräch
Gemeinsam mit den vier Bürgermeistern der Region - Manfred Seebacher, Josef Kuss, Herbert Fuchs und Michael Wallmann - sowie dem ortsansässigen Hausarzt Walter Surböck wurde in kleiner Runde dann an einer Lösung gefeilt. Das Ergebnis ist laut Bürgermeister Seebacher positiv zu werten: "Mittelfristig wird das von uns vorgeschlagene Konzept, wonach der öffentliche Spitalsbereich mit dem Bereich der niedergelassenen Ärzte gemeinsam die Versorgung übernimmt, umgesetzt. Das heißt, die Kages stellt sowohl die dafür nötigen Räumlichkeiten als auch Infrastruktur und das nötige Personal für die niedergelassenen Ärzte zur Verfügung. Das wäre ein österreichweites Pilotprojekt, braucht dementsprechende Vorbereitungen und wird deshalb erst in ein bis zwei Jahren umsetzbar sein. Diesbezüglich haben wir von Landesrat Drexler aber die fixe Zusage, das voranzutreiben", so Seebacher. "Unser Hauptproblem ist jedoch, dass es schon im September Dienste im Krankenhaus gibt, die von der Kages nicht besetzt werden können. Hier haben wir jetzt eine Übergangslösung gefunden: Unsere Hausärzte, Surböck und Huemer, werden die fehlenden Dienste auffüllen, um die medizinische Versorgung rund um die Uhr gewährleisten zu können."
Kritik übt Seebacher dennoch: "Es ist ein Trauerspiel, das die öffentliche Hand nicht in der Lage ist, das alles bereitzustellen." Und in Richtung ärztliche Leitung des LKH-Verbandes Mürzzuschlag-Mariazell: "Wenn es zu wenige Ärzte gibt, um alle Dienste besetzen zu können, warum setzt sich der Leiter dann nicht selbst einmal nach Mariazell?"

Stellungnahme der Bürgerinitiative

Im September kann die Kages 13 Dienste im LKH Mariazell nicht beseten. Der Grund: akuter Ärztemangel. Wie Hanspeter Brandl von der Bürgerinitiative erklärt, ist in dieser Zeit nicht nur die medizinische Versorgung des Mariazellerlandes nicht gegeben, es entsteht auch ein massiver wirtschaftlicher Schaden für die Region: "Wir haben drei Jugendherbergen mit insgesamt 65.000 Nächtigungen pro Jahr und insgesamt mehr als eine Million Besucher jährlich. Wenn wir die medizinische Versorgung nicht gewährleisten können, werden viele Schullandwochen etc. nicht mehr bei uns stattfinden. Der wirtschaftliche Schaden wäre ein Wahnsin", so Brandl. Mit der am Donnerstag ausverhandelten Lösung zeigt er sich zufrieden. Aber: "Wir werden das nächste Treffen im Oktober abwarten und alles sehr genau beobachten. Wir hatten am Donnerstag sicher nicht unseren letzten Tag und scheuen auch nicht davor zurück, nach Graz zu fahren."
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