28.11.2017, 10:48 Uhr

Schule und Landwirtschaft - eine besondere Form der Ausbildung

Der Direktor ist stolz auf seine Schüler

In der landwirtschaftlichen Fachschule Hafendorf, die dem Land Steiermark mit eigenem Schulinspektor untersteht, werden landwirtschaftliche Facharbeiter und Maschinenbautechniker ausgebildet. Direktor Franz Doppelreiter, selbst Landwirt, ist stolz auf seine Schüler und freut sich mitzuerleben, wie toll sie sich entwickeln.

Einzigartig in der Steiermark kann man bei Ihnen zwei Ausbildungen machen?
Franz Doppelreiter: Ja. In unserer Schule werden die Schüler in drei Jahren zum landwirtschaftlichen Facharbeiter ausgebildet und 60 % hängen noch sieben Monate an und absolvieren zusätzlich den Maschinenbautechniker.
Woher kommen die Schüler und mit welchen Hintergrund?
Bei uns haben fast alle Schüler einen landwirtschaftlichen Hintergrund, sei es von den Eltern oder Großeltern. Es gibt auch welche, die einen Betrieb von einem Nachbarn im Ort übernehmen können und deshalb diese Ausbildung machen. Wir haben Schüler aus der gesamten Steiermark und den angrenzenden Bundesländern aber auch viele aus unserer Gegend.
Diese müssen dann nicht im Internat bleiben, oder?
Es gibt zwar keine Internatspflicht, aber dennoch nutzen auch diese Schüler dieses Angebot. Gerade das Internat ist für Kinder dieser Altersstufe eine wichtige Einrichtung. Anfangs tun sich einige schwer und haben Heimweh aber sie wachsen sehr schnell zusammen. Und es ist nicht schlecht für die Jugend, sich an gewisse Regeln halten zu müssen, gemeinsam zu essen usw. Sie lernen für das Leben und stechen mit ihrem Benehmen heraus. Und wenn sie heute einen Absolventen fragen, was das schönste hier war, wird meist das Internatsleben genannt.
Wenn jemand keine Landwirtschaft zu Hause hat und trotzdem hier sein möchte?
Es ist nicht notwendig aber man muss zumindest Interesse an Landwirtschaft haben. Auf jeden Fall zahlt es sich aus, denn es werden so viele Fertigkeiten absteits der reinen Landwirtschaft, wie der Umgang mit der Motor- und Kreissäge, einer Hobelmaschine oder Schweißen beigebracht, die man in vielen Berufen brauchen kann.
Wieviele SchülerInnen sind hier?
Momentan sind ´nur´112 Burschen im Haus. In den 60 Jahren Schulleben hier haben zwei Mädchen abgeschlossen. Wir würden sie sofort nehmen und es wäre auch zu schaffen, aber der technische Schwerpunkt schreckt einige ab. Aber ganz mädchenlos sind wir nicht, der 3. Jahrgang der Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft Oberlorenzen wird tagsüber bei uns unterrichtet.
Die Praxis ist großgeschrieben, was steht alles zur Verfügung?
Wir haben 22 Stunden Theorie und 14 Stunden Praxis, darüber hinaus ist auch 12wöchiges Pflichtpraktikum zu absolvieren. Den Schülern steht ein Lehr- und versuchsbetrieb mit 320 ha mit Milchvieh, 20 Mutterschafen und 100 Mastschweinen zur Verfügung. Weiters decken wir mit 20 ha Acker-und Grünland sowie einem Forst mit 220 ha den Großteil der landwirtschaftlichen Ausbildung ab. Die technischen Werkstätten und die Fleischerei zählen auch dazu.
Es gibt auch einen Hofladen?
Unser Hofladen ist zweimal wöchtenlich geöffnet und alle Fleischprodukte werden selbst hergestellt. Von der Schlachtung bis zum Auf- und Verarbeiten. Es gibt typische bäuerliche Spezialitäten wie Geselchtes, Speck, Würstel aber auch Frischfleisch.
Was war das schönste in Ihrer bereits 15jährigen Direktionsära?
Am meisten Freude bereitet mir, wenn ich beim Abschlussball sehe wie sich die Schüler entwickelt haben und was sie erlernt haben. Das ist das Schöne an unserem Beruf, dass wir diese – meist positive – Entwicklung miterleben dürfen. Auch die regelmäßigen Klassentreffen – sieben pro Jahr – machen mir Freude. Daran kann man erkennen, dass die Schüler gerne hier waren. Vor kurzem hatten wir ein 50jähriges Treffen.
Woran denken Sie nicht so gerne?
Sehr heftig war natürlich die Windwurfkatastrophe 2013, wo von rund 60 ha 30.000 fm Holz mit 1000 LKWs abgeführt wurden. Aber zum Glück wurde wieder alles aufgeforstet und in 20 Jahren sieht man wieder Wald.
Andrea Stelzer
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