Ungeachtet aller Proteste
Elias aus Mogersdorf endgültig nach Afghanistan abgeschoben

Elias hat seine ersten Wörter auf Deutsch von der ehemaligen Lehrerin Silvia Dolmanits gelernt.
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  • Foto: Elisabeth Kloiber
  • hochgeladen von Elisabeth Kloiber

Alle Proteste gegen die bevorstehende Abschiebung eines in Mogersdorf lebenden afghanischen Asylwerbers haben nicht gefruchtet. Elias Zafari wurde, nachdem sein Asylantrag auch in letzter Instanz abgelehnt wurde, außer Landes gebracht und ist bereits in Kabul eingetroffen. Das wurde den Bezirksblättern aus informierten Kreisen bestätigt.

Gegen die Verwehrung des Asylrechts hatten unter anderem die Diözese Eisenstadt und die burgenländischen Grünen protestiert. Dem zum Christentum konvertierten ehemaligen Moslem drohe in seinem Heimatland Lebensgefahr, fürchten Generalvikar Martin Korpitsch und Grünen-Landessprecherin Regina Petrik.

In Schubhaft

Am 2. Feber wurde Zafari von der Fremdenpolizei aus seinem Quartier in Mogersdorf abgeholt und in Schubhaft genommen. Der 29-Jährige aus Afghanistan lebte seit vier Jahren in Österreich und war vor kurzem mit seiner Taufe zum katholischen Glauben übergetreten. Seither trägt er den Taufnamen Elias.

„Im Namen der Menschlichkeit“

Generalvikar Martin Korpitsch protestierte gemeinsam mit dem Mogersdorfer Pfarrer Anton Pollanz gegen die Abschiebung von Elias Zafari und appellierte an Bundespräsident Alexander van der Bellen, Innenminister Karl Nehammer und Vizekanzler Werner Kogler, im Namen der Menschlichkeit humanitäres Bleiberecht anzuwenden. „Ich bitte den Herrn Bundespräsidenten, den Herrn Innenminister und den Herrn Vizekanzler, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Elias nicht in Todesgefahr zu bringen“, so Korpitsch.

Petrik (Grüne): „Menschliche Lösung suchen“

Auch die Grüne Landessprecherin Regina Petrik fordert das Bleiberecht für Zafari. „Vor dem Hintergrund der faktischen Todesgefahr für Abgeschobene in ihrem Heimatland müssten alle erlassenen Abschiebebescheide neuerlich geprüft werden. Dieses dringende Anliegen bitte ich Herrn Innenminister Nehammer ernst zu nehmen und menschliche Lösungen für unmenschliche Lebenssituationen zu suchen“, so Petrik.

Keine Aussichten

Eine Zukunft in seinem Herkunftsland sieht Elias Zafari für sich keine. „Seit meine Familie und Verwandte wissen, dass ich Christ bin, haben sie den Kontakt abgebrochen“, meinte er kürzlich gegenüber Elisabeth Kloiber, freier Redakteurin der Bezirksblätter Burgenland.

Im Asylbescheid wird dieser Umstand so beurteilt: Es liege keine Gefährdung vor, weil nicht angenommen wird, dass er in Afghanistan missioniere. Aber es werde sehr wohl davon abgeraten, nach Kabul, weil als Christ zu gefährlich, zurückzukehren. Laut Bescheid wurden in den Aussagen Elias Widersprüchliches festgestellt.

Seine Betreuerin und Deutsch-Lehrerin Silvia Dolmanits meint: „Wenn man sich die Zeit nimmt und seine Geschichte im Ganzen anhört, sind überhaupt keine Widersprüche auszumachen."

Ein Leben auf der Flucht

Elias stammt aus der Provinz Maidan Wardak, aufgewachsen in einem kleinen Dorf, wo Scharia und die Rechtssprechung eines Mullahs Gesetz ist. Als Kind von der Stiefmutter schwerst misshandelt, wurde er von ebendieser des Übergriffs falsch bezichtigt und zum Tod durch Steinigung verurteilt. Auf der Flucht nach Kabul, geriet er die Fänge der Taliban. Verprügelt und ausgeraubt, konnte er sich im letzten Moment befreien. In Afghanistan nicht mehr in Sicherheit, ging er nach Iran. Als der Iran Afghanen für das Militär rekrutierten um in den Krieg nach Syrien zu schicken, flüchtete er abermals. So gelang er von der Türkei mit dem Boot nach Griechenland und weiter nach Mitteleuropa.

„Zuhause wartet der Tod auf mich“

Im Feber 2016 wurde der 28-jährige mit 30 weiteren Asylsuchenden in Mogersdorf untergebracht. „Als ich in Mogersdorf ankam konnte ich weder lesen noch schreiben. Hier besuchte ich das erste Mal eine Schule und lernte Deutsch bei Silvia", erzählte Elias. In einem Jahr haben „meine Buam" relativ gut lesen und schreiben gelernt.", berichtete Dolmanits. „Er hat sich gut eingelebt und ins Dorfleben integriert."

Vor über einem Jahr entschied er sich dazu, Christ zu werden. „Als Christ ist man verzeihend und hilfsbereit zu jedem, egal welche Religion man hat.", so seine Begründung. Am 24. November wurde er in der Mogersdorfer Kirche auf dem Namen „Elias" getauft. Die Freude auf die Zeit als Christ war groß, bis zu jenem Zeitpunkt, als die schlechte Nachricht einging.

Auf die Frage was ihm in Afghanistan nun erwarte, beantwortete er nüchtern: „Zuhause wartet der Tod auf mich."

Autor:

Christian Uchann aus Eisenstadt

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